Nur Schruns ist Radonschutzgebiet – doch entscheidend ist der Messwert im eigenen Haus

Offiziell ist in Vorarlberg nur Schruns als Radonschutzgebiet gekennzeichnet. Warum das für das einzelne Haus trotzdem keine Entwarnung ist, erklärt der Experte.
Die kostenlosen Radonmessgeräte für Privathaushalte sind derzeit vergriffen. Nach Angaben des Bludenzer Radonschutzbeauftragten Robert Seeberger war das österreichweite Kontingent diesmal innerhalb von weniger als 24 Stunden ausgeschöpft. Ursache sei ein Hinweis auf einer Schnäppchenplattform gewesen. Auf der Internetseite der Fachstelle für Radon ist derzeit keine Bestellung mehr möglich. Die nächste Freischaltung ist für Montag, 23. November, um 10 Uhr angekündigt.
Die große Nachfrage ist allerdings kein Hinweis auf eine neue Gefahrenlage. Vielmehr zeigt sie das wachsende Interesse vieler Haushalte an einer Radonmessung. Denn ob ein Haus tatsächlich erhöhte Radonwerte aufweist, lässt sich weder anhand einer Landkarte noch anhand eines Nachbargebäudes beurteilen. Klarheit schafft nur eine Langzeitmessung.
Radonschutzgebiet
In Vorarlberg richtet sich der Blick dabei besonders auf Schruns. Die Montafoner Gemeinde ist das einzige ausgewiesene Radonschutzgebiet des Landes. Alle Gemeinden im Bezirk Bludenz gelten zudem als Radonvorsorgegebiet. „Das bedeutet jedoch nicht, dass ausschließlich dort erhöhte Radonwerte auftreten können. Die Radonkarte zeigt lediglich, wo erhöhte Werte wahrscheinlicher sind“, erklärt Seeberger. Wie hoch die Belastung in einem Gebäude tatsächlich ist, hänge wesentlich von der Bauweise, der Abdichtung gegen den Untergrund, Leitungsdurchführungen, Kellerräumen und dem Lüftungsverhalten ab. Nach seinen Erfahrungen können selbst benachbarte Häuser oder zwei Hälften eines Doppelhauses deutlich unterschiedliche Messwerte aufweisen.

Radioaktives Edelgas
Radon ist ein natürlich vorkommendes radioaktives Edelgas. Es entsteht beim Zerfall von Uran im Boden und kann durch Risse, Fugen oder Leitungsdurchführungen aus dem Erdreich in Gebäude eindringen. „Im Freien verdünnt sich das Gas rasch. Problematisch wird es erst dann, wenn es sich über längere Zeit in Innenräumen anreichert.“


Gesundheitlich ist vor allem eine langfristige Belastung relevant, denn Radon gelangt über die Atemluft in die Lunge. Dort können sich seine kurzlebigen radioaktiven Zerfallsprodukte in den Atemwegen ablagern und beim weiteren Zerfall gefährliche Alphastrahlung abgeben. Nach Angaben der Fachstelle für Radon ist Radon nach dem Rauchen die häufigste Ursache für Lungenkrebs. „Bei Menschen, die nie geraucht haben, gilt Radon sogar als häufigste Ursache für Lungenkrebs“, so Seeberger.
Langzeitmessung
Ob ein Gebäude betroffen ist, lässt sich nur mit einer Langzeitmessung feststellen. Dafür werden in Privathaushalten zwei passive Detektoren in den meistgenutzten Wohnräumen aufgestellt. Die Messung dauert grundsätzlich sechs Monate. Für einen Vergleich mit dem gesetzlichen Referenzwert muss mindestens die Hälfte der Messdauer in die Winterperiode zwischen 15. Oktober und 15. April fallen. Geeignete Messzeiträume sind Mitte Juli bis Ende Jänner oder Mitte Dezember bis Ende Juni.

Der österreichische Referenzwert liegt bei 300 Becquerel pro Kubikmeter Luft als Jahresmittelwert. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um einen Alarmwert für einzelne Messungen, sondern um einen langfristigen Vergleichswert.
Messpflicht für Betriebe
Eine gesetzliche Messpflicht besteht für Privathaushalte nicht. Die Fachstelle für Radon empfiehlt eine Messung dennoch, insbesondere wenn Unsicherheit über die Belastung besteht. Anders ist die Situation bei bestimmten Arbeitsplätzen in Radonschutzgebieten. Dort gelten unter bestimmten Voraussetzungen Messpflichten nach der Radonschutzverordnung.
Radonmessung auch außerhalb der Aktion möglich
Wer bei der Gratisaktion leer ausgegangen ist, kann weiterhin kostenpflichtig messen lassen. Die Ages bietet Radonmessungen für Privathaushalte ab 36,38 Euro inklusive Mehrwertsteuer an. Für einen Referenzwertvergleich werden zwei Exposimeter benötigt.
Wer erhöhte Werte misst, muss nicht sofort umfangreiche Sanierungsmaßnahmen setzen. Kurzfristig kann häufiges Quer- und Stoßlüften die Radonkonzentration senken. Dauerhaft wirksam sind jedoch bauliche Maßnahmen wie eine bessere Abdichtung gegen den Untergrund oder eine Radondrainage. Nach Angaben der Fachstelle für Radon liegen die Kosten für einfache Sanierungen häufig bei wenigen Hundert Euro, aufwendigere Maßnahmen können zwischen 2000 und 15.000 Euro kosten.
Verordnung wird überarbeitet
Parallel dazu wird derzeit die Radonschutzverordnung überarbeitet. Nach Angaben des zuständigen Ministeriums sollen die bestehenden Referenzwerte sowie die Ausweisung von Radonschutz und Radonvorsorgegebieten unverändert bleiben. Ziel der Novelle ist ein einfacherer und praktikablerer Vollzug.
(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)