All you can eat – aber schön serviert

Ohne Gedränge am Buffet: Im neuen Soya in Feldkirch bestellen die Gäste ihre Speisen direkt am Tablet, serviert wird laufend am Tisch.
Das Soya ist groß, ungewöhnlich groß für ein Restaurant in einem kleinen Bundesland wie Vorarlberg. Bis zu 250 Gäste finden in dem neuen Lokal am Feldkircher Jahnplatz Platz. Im ehemaligen Intersport-Geschäft ist ein Restaurant entstanden, das eher an eine asiatische Erlebniswelt als an ein klassisches Buffetlokal erinnert. Bronzefarbene Metallkokons, grüne Sitznischen, Marmoroptik, warmes Licht und ein großer Wasserlauf mit Springbrunnen prägen das Ambiente. Dazwischen wuseln Kellner mit Tablets und kleinen Tellern, auf denen Sushi, Meeresfrüchte, Ramen oder frittierte Häppchen kunstvoll angerichtet sind. Seit 27. Juni hat das Soya erstmals geöffnet.

Ungewöhnliches Konzept
Dieses Lokal fällt auf. Nicht nur durch seine Größe, sondern auch durch sein Konzept. Denn das Soya bringt eine Form von „All you can eat and drink“ nach Vorarlberg. Ein klassisches Buffet sucht man hier vergeblich. Stattdessen bestellt jeder Tisch direkt über ein Tablet. Die Gerichte werden frisch zubereitet und laufend an den Platz gebracht. Aufstehen müssen die Gäste nur, wenn sie sich etwas zu trinken holen möchten.

„Es ist einfach viel gemütlicher, wenn das Essen direkt am Tisch serviert wird“, sagt Tingting Wu, Geschäftsführerin des Soya, welche sie gemeinsam mit Zhu Wei führt. Wu lebt seit ihrem 13. Lebensjahr in Vorarlberg und kennt die heimische Gastronomie gut. Für sie war klar: Wenn schon ein großes asiatisches Restaurant, dann nicht eines, bei dem Gäste mit übervollen Tellern zwischen Warmhaltebehältern und Salatbar pendeln. „Wenn man das Essen nur vom Buffet holt, reduziert sich die Hälfte des Geschmacks“, sagt sie. Ein schön angerichteter Teller sei Teil des Erlebnisses. „Die Augen ja auch essen mit.“

Idee aus der Ferne
Die Idee für das Konzept nahm Wu unter anderem aus Asien mit. Vor drei Jahren sei sie in Hongkong auf ein ähnliches Modell gestoßen und davon begeistert gewesen: sitzen bleiben, bestellen, probieren – und trotzdem die große Auswahl eines Buffets genießen. Im Soya nennt sich das „All You Can Order“. Jeder Tisch ist mit einem Tablet ausgestattet. Darauf lässt sich auswählen, worauf man gerade Lust hat.

Die Portionen sind bewusst klein gehalten. Das soll Gäste ermutigen, mehr zu probieren und nicht gleich bei einem einzigen Hauptgericht zu bleiben. Auch deshalb versteht sich das Soya als Asian-Fusion-Restaurant. Neben bekannten Klassikern stehen kreative Kombinationen auf der Karte. Auf dem Tablet finden sich etwa japanischer Meeresalgen-Salat, Karaage-Hühnchen, Ramen, Uramaki, Fisch-Carpaccio oder ein Lachs-Avocado-Sushi-Taco. „Wir wollen, dass die Kunden auch Neues probieren können“, sagt Wu. Immer dasselbe Angebot werde mit der Zeit langweilig, deshalb wolle das Team kreativ bleiben.

Offene Getränkestation
Auch die Getränke folgen einem eigenen Prinzip. Softdrinks, Säfte, Bier und Wein stehen an einer offenen Getränkestation bereit. Die Gäste bedienen sich selbst. Wu beschreibt das Gefühl, das dadurch entstehen soll, als ungezwungen – ein bisschen „wie im Wohnzimmer von Freunden“. Wer noch ein Glas Wein oder Bier möchte, muss nicht erst nach dem Servicepersonal winken. Die Tablet-Bestellung verkürzt die Wartezeit beim Essen, die Selbstbedienung bei den Getränken soll den Abend lockerer machen.
Preislich ist das Konzept klar geregelt: Montag bis Samstag kostet das Mittagsangebot 24,90 Euro. Am Sonntag und an Feiertagen sowie täglich am Abend werden 49,90 Euro verrechnet. Kinder unter 100 Zentimetern essen gratis, Kinder unter 150 Zentimetern zahlen den halben Preis, darüber gilt der volle Preis.

Küchenchef Linbin Xu bringt mehr als 20 Jahre internationale Gastronomieerfahrung mit. Seine Einflüsse reichen von China, Japan und Korea bis nach Südostasien.

Hinter dem Soya steht kein Einzelprojekt, sondern ein Team, das sich großteils schon lange kennt. Viele der Beteiligten sind seit mehr als zehn Jahren miteinander befreundet, manche haben früher zusammengearbeitet, andere kennen sich seit der Kindheit. Die Gründer bringen Erfahrung aus Gastronomie, Management und Service mit und stehen auch hinter dem bekannten Asiamarkt-Franchinse „TingTing“. Gemeinsam habe man überlegt, welches Konzept in Vorarlberg noch fehle und sei bei dieser Mischung aus Buffetvielfalt, Tischservice und modernem Bestellsystem gelandet.

Dass diese Idee ausgerechnet am Jahnplatz umgesetzt wird, hängt auch mit der Größe des früheren Geschäfts zusammen. 250 Sitzplätze im Innenraum muss man erst einmal füllen können. Zusätzlich sind 90 Sitzplätze im Gastgarten genehmigt, teils unter Arkaden, teils im Freien. Heuer soll der Garten laut Wu allerdings noch nicht geöffnet werden. Vorerst spielt sich alles im Inneren ab – zwischen den leuchtenden Kokons, den runden Tischen und den kleinen Tellern, die nach und nach serviert werden.

Zum Verweilen gedacht
Das Soya richtet sich damit nicht in erster Linie an Gäste, die nur schnell satt werden möchten. Vielmehr geht es um einen Abend, an dem man gemeinsam bestellt, teilt und probiert. Familien, Freundesgruppen, Geburtstagsrunden oder Arbeitskollegen sollen gleichermaßen etwas finden. Genau das ist der Kern des Konzepts: die große Auswahl eines Buffets, aber ohne Gedränge und ohne Teller die sich auf dem Tisch stapeln.