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Autoindustrie im Umbruch: Volkswagen und Mercedes bauen massiv Stellen ab

11.07.2026 • 11:00 Uhr
Autoindustrie im Umbruch: Volkswagen und Mercedes bauen massiv Stellen ab
AFP

Der technologische Wandel stellt das Geschäftsmodell der deutschen Autohersteller auf die Probe.

Die deutsche Automobilindustrie steckt in ihrem tiefsten Umbruch seit Jahrzehnten. Bei Mercedes läuft ein strikter Sparkurs, der vor allem über Abfindungen, natürliche Fluktuation und Effizienzprogramme umgesetzt wird. Das soll Kosten senken und Ressourcen in die Elektromobilität lenken. Noch drastischer fallen die Pläne bei Volkswagen aus: Der Konzern prüft den Abbau von bis zu 100.000 Stellen weltweit sowie die Schließung mehrerer Werke in Deutschland – ein Einschnitt historischen Ausmaßes. Bereits zuvor waren rund 50.000 Stellenstreichungen bis 2030 angekündigt worden. Hintergrund sind sinkende Margen, Überkapazitäten bei Verbrennern und ein Geschäftsmodell, das unter globalem Wettbewerbsdruck zunehmend an seine Grenzen stößt.

Auslöser ist der fundamentale Wandel hin zum Elektroauto. Diese sind einfacher aufgebaut, benötigen weniger Teile und damit langfristig weniger Arbeitskräfte. Gleichzeitig müssen Hersteller Milliarden in Batterietechnologie, Software und neue Plattformen investieren. Genau dieser doppelte Druck – hohe Investitionen bei gleichzeitig sinkenden Erträgen – zwingt die Unternehmen zu harten Einsparmaßnahmen.

Der Markt entwickelt sich dabei widersprüchlich. Während im Jahr 2025 weltweit die Neuzulassungen auf rund 77,6 Millionen Fahrzeuge anstiegen und ein Plus von 3,5 Prozent erreichten, betrug das Wachstum in Europa nur rund 1,4 Prozent. Gleichzeitig verschiebt sich die Nachfrage klar: Elektroautos boomen, mit über 17 Millionen verkauften Fahrzeugen weltweit im Jahr 2024. In Europa stieg der Anteil elektrischer Fahrzeuge zuletzt auf rund ein Fünftel des Marktes – mit deutlich höheren Wachstumsraten als bei klassischen Modellen.

Neben den neuen chinesischen Wettbewerbern BYD, Geely oder SAIC sind auch etablierte Konzerne nach wie vor starke Konkurrenten: Toyota ist weiterhin der größte Autobauer der Welt, Hyundai-Kia, General Motors und Stellantis zählen ebenfalls zu den globalen Top-Playern. Gleichzeitig setzen reine Elektroautobauer wie Tesla die Branche technologisch unter Druck, auch wenn sie zuletzt mit schwankenden Verkaufszahlen konfrontiert waren. Insgesamt verschiebt sich die Branche von einem weitgehend stabilen Wettbewerbsumfeld hin zu einem dynamischen, von Innovation und Geschwindigkeit geprägten Markt. Für die deutsche Autoindustrie bedeutet das einen doppelten Anpassungsdruck: Sie muss ihre Kostenstruktur radikal ändern und gleichzeitig den technologischen Anschluss sichern.

Christoph Flatz
Christoph Flatz, Veranlagungsspezialist in der Sparkasse.