Fast täglich ist in Vorarlberg ein Führerschein wegen Drogen weg

Die Zahlen sinken leicht. Warum Experten trotzdem warnen, zeigt sich erst beim Blick auf Kontrollen, Dunkelfeld und die Folgen danach.
Wer in Vorarlberg unter dem Einfluss von Suchtgift ein Fahrzeug lenkt, muss mit empfindlichen Konsequenzen rechnen. Im vergangenen Jahr wurden landesweit 299 Führerscheine wegen Suchtgiftdelikten entzogen. Das sind zwar sieben weniger als 2024, von Entwarnung kann aus Sicht von Experten aber keine Rede sein.
Der NEUE liegen erstmals die Zahlen der vier Vorarlberger Bezirkshauptmannschaften vor. Sie zeigen, dass die Entwicklung regional unterschiedlich verläuft. Während die Zahl der Führerscheinentzüge in Bludenz und Bregenz zurückging, wurden in den Bezirken Feldkirch und Dornbirn mehr Führerscheine entzogen als im Jahr davor.
Dornbirn und Feldkirch
Mit 96 Entzügen verzeichnete Feldkirch 2025 den höchsten Wert im Land. In Dornbirn wurden 95 Führerscheine wegen Suchtgift entzogen, in Bregenz 76 und in Bludenz 32.
Neben den Entzügen registrierten die Behörden weitere 88 Fälle, in denen Verkehrsteilnehmer die Mitwirkung an den vorgesehenen Untersuchungen verweigerten. Auch in diesen Fällen wurden Führerscheinverfahren eingeleitet.
Parallel dazu ging auch die Zahl der Anzeigen leicht zurück. Nach Angaben des Innenministeriums wurden in Vorarlberg 2025 insgesamt 479 Personen wegen des Verdachts angezeigt, ein Fahrzeug in einem durch Suchtgift beeinträchtigten Zustand gelenkt oder die ärztliche Untersuchung verweigert zu haben. Im Jahr davor waren es 520 Anzeigen. Österreichweit stieg die Zahl hingegen von 8227 auf 8555.
Die wichtigsten Zahlen im Überblick
299 Führerscheine wurden 2025 in Vorarlberg wegen Suchtgiftdelikten entzogen. Das sind sieben weniger als im Jahr davor. Rein statistisch verliert damit fast täglich ein Verkehrsteilnehmer im Land wegen Drogen am Steuer seine Lenkberechtigung.
479 Personen wurden 2025 in Vorarlberg wegen des Verdachts angezeigt, ein Fahrzeug unter Suchtgifteinfluss gelenkt oder die Mitwirkung an der ärztlichen Untersuchung verweigert zu haben. Gegenüber 2024 ging die Zahl von 520 auf 479 zurück. Österreichweit wurde hingegen ein leichter Anstieg registriert.
88 Verkehrsteilnehmer verweigerten 2025 in Vorarlberg die gesetzlich vorgesehenen Untersuchungen bei Verdacht auf Suchtgiftbeeinträchtigung. Auch in diesen Fällen wurden Führerscheinverfahren eingeleitet. Im Jahr davor registrierten die Bezirkshauptmannschaften noch 106 Verweigerungstatbestände.
250.000 Menschen lenken laut einer Dunkelfeldstudie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit jährlich in Österreich ein Fahrzeug unter Drogeneinfluss. Dem standen 2023 lediglich 8676 Anzeigen gegenüber. Das KFV sieht darin einen deutlichen Hinweis auf ein großes Dunkelfeld und fordert effizientere Kontrollen.
30 Mal höheres Risiko haben Drogenlenker laut Kuratorium für Verkehrssicherheit, schwer verletzt oder getötet zu werden als nüchterne Verkehrsteilnehmer. Je nach Substanz können Reaktionsvermögen, Konzentration und Wahrnehmung erheblich beeinträchtigt sein.
Großes Dunkelfeld
Für das Kuratorium für Verkehrssicherheit spiegeln die offiziellen Zahlen nur einen Teil der Realität wider. „Das KFV beobachtet insgesamt einen Anstieg bei Fahrten unter Drogeneinfluss“, sagt Verkehrssicherheitsexperte Christian Kräutler. Regionale Schwankungen seien häufig auf die Intensität der Polizeikontrollen zurückzuführen. Wo häufiger kontrolliert werde, würden auch mehr Drogenlenker entdeckt.

Nach Einschätzung des KFV ist das Dunkelfeld groß. Eine aktuelle Studie geht davon aus, dass in Österreich jährlich rund 250.000 Menschen unter Drogeneinfluss ein Fahrzeug lenken. Dem standen zuletzt lediglich 8676 Anzeigen gegenüber. „Ein Großteil der beeinträchtigten Lenker bleibt unentdeckt“, so Kräutler.
Aus Sicht der Verkehrssicherheit sei das problematisch. Drogenlenker hätten ein bis zu 30-fach höheres Risiko, schwer verletzt oder getötet zu werden als nüchterne Verkehrsteilnehmer. Je nach Substanz komme es zu verlangsamten Reaktionen, Fehleinschätzungen oder erhöhter Risikobereitschaft. Besonders gefährlich sei die Kombination von Drogen und Alkohol.
Cannabis spielt dabei laut KFV die größte Rolle, daneben werden regelmäßig Kokain, Amphetamine und Opiate festgestellt. Um Drogenlenker schneller aus dem Verkehr zu ziehen, fordert das Kuratorium einen flächendeckenden Einsatz moderner Speichelvortests sowie einfachere und effizientere Kontrollabläufe.
Reformbedarf
Dass Drogen am Steuer nichts verloren haben, stellt auch der ÖAMTC klar. „Der Konsum von Drogen schränkt die Reaktionsleistung, die Feinmotorik und oft auch das Sehvermögen massiv ein, was häufig mit einer gefährlichen Selbstüberschätzung einhergeht“, sagt Ebru Bicer-Düzdelen, Clubjuristin des ÖAMTC. Gleichzeitig sieht der Mobilitätsclub Reformbedarf bei den Verfahren. „Ein zentrales Problem sehen wir in der fehlenden Trennschärfe zwischen einer tatsächlichen, akuten Beeinträchtigung der Fahrtauglichkeit und dem bloßen Nachweis von Abbauprodukten im Körper“, erklärt Bicer-Düzdelen. Gerade bei Cannabis könne THC noch Tage nach dem Konsum nachweisbar sein, obwohl der Lenker längst wieder fahrtüchtig sei.

„Kalter Entzug“
Kritik übt der ÖAMTC auch an den langen Verfahren. Bis Blut und Harn ausgewertet seien, vergingen oft Wochen. Für jene, die beruflich auf ihren Führerschein angewiesen sind, könne das existenzbedrohende Folgen haben, auch wenn sich der Verdacht später nicht bestätige. Der Club spricht dabei von einem „kalten Entzug“ und fordert raschere Laboranalysen sowie eine treffsicherere Beurteilung der tatsächlichen Fahruntauglichkeit.