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Wo Kindern noch langweilig sein darf

24.07.2026 • 17:36 Uhr
Wo Kindern noch langweilig sein darf
Für Grabher ist im Ferienheim kein Tag wie der andere. Hartinger

Ulrike Grabher leitet das Ferienheim Oberbildstein mit viel Herzblut. Im Interview spricht die Kindergärtnerin über unbeschwerte Ferientage, gelebten Kinderschutz und bürokratische Herausforderungen.

Wie sind Sie zu ihrer Tätigkeit im Ferienheim Oberbildstein gekommen?

Durch meinen Mann. Er ist seit über 20 Jahren Kassier im Verein und über ihn bin ich dazugekommen. Ich arbeite in meiner Tätigkeit hier vor allem mit den erwachsenen Betreuern zusammen, dabei sind viele Freundschaften entstanden. So macht die Arbeit Spaß.

Wie schaut ein typischer Tag im Ferienheim aus?

Einen typischen Alltag gibt es hier nicht – kein Tag ist wie der andere. Als Heimleiter ist es meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es den Erwachsenen und den Kindern gut geht. Dabei kümmere ich mich auch viel um die Betreuer und unterstütze sie in ihrem Alltag. Wenn irgendwo Not am Mann ist, packe ich mit an: Ich wasche Wäsche, helfe in der Küche, sauge Staub oder mache Betten, wenn jemand ausfällt. Und wenn etwas kaputtgeht, nehme ich auch schon einmal selbst den Schraubenzieher in die Hand.

Wo Kindern noch langweilig sein darf
Hartinger

Was bereitet Ihnen im Ferienheim am meisten Freude?

Was ich an meiner Arbeit besonders schätze, ist die Begegnung mit den Kindern und den Erwachsenen. Man arbeitet eng miteinander und zieht trotz unterschiedlicher Auffassungen am Ende an einem Strang. Wenn ich am Ende des Tages wieder nach Hause fahre, denke ich oft: Alles ist gut gegangen. Mir ist wichtig, dass es allen gut geht, dass möglichst niemand verletzt wird und die gemeinsame Zeit Freude gemacht hat. Besonders schön finde ich es, wenn ich sehe, dass Kinder einfach einmal nichts tun, wenn sie Langeweile im positiven Sinn erleben dürfen. Zu Hause sind oft Tablet oder Handy ständig präsent, hier dagegen sitzen sie gemeinsam unter einem Baum und unterhalten sich. Sie können zur Ruhe kommen, frei sein und im wahrsten Sinne des Wortes einfach die Seele baumeln lassen.

Wie schauen die konkreten Maßnahmen für den Kinderschutz, beziehungsweise wie wird jetzt sichergestellt, dass Kinder in Notsituationen unkompliziert Hilfe bekommen?

Wir haben unser Kinderschutzkonzept nun nach den entsprechenden Vorgaben ausgearbeitet. Viele der darin festgehaltenen Grundsätze haben wir allerdings schon vorher gelebt. Unser früherer Obmann war Direktor einer Schule und hatte das Thema Kinderschutz schon immer besonders im Blick. Dazu gehört vor allem ein respektvoller Umgang mit den Kindern und das Wahren der notwendigen Distanz zwischen Erwachsenen und Kindern. Neu ist für uns, dass es auch unter den Kindern zu übergriffigem Verhalten kommen kann. Deshalb haben wir im gesamten Haus Plakate zum Thema Kinderschutz aufgehängt. Darauf erfahren die Kinder, welche Rechte sie haben und an wen sie sich wenden können. Die Inhalte werden altersgerecht vermittelt. Dabei geht es um klare Botschaften wie: „Das ist mein Körper“, „Das ist dein persönlicher Raum“ und „Ein Nein muss respektiert werden“. Auch für unser Personal wird Kinderschutz großgeschrieben. Die Mitarbeitenden werden geschult und verpflichten sich zur Einhaltung eines Verhaltenskodex. Zusätzlich haben wir einen Kummerkasten aufgehängt. Er ist für die Kinder leicht zugänglich, befindet sich aber bewusst an einem geschützten Ort, damit ihre Privatsphäre gewahrt bleibt. Dort liegen vorbereitete Formulare bereit, die den Kindern helfen, ihre Anliegen mitzuteilen. Natürlich können sich die Kinder jederzeit direkt an eine Vertrauensperson wenden. Ebenso steht uns eine externe Ansprechperson aus dem Kinderdorf zur Verfügung, bei der wir bei Bedarf Unterstützung und Hilfe erhalten. Zusätzlich haben wir jetzt auch zwei Personen, die den Nachtdienst übernehmen.

Welche Herausforderungen bringt die Arbeit in einem Ferienlager mit sich?

Eine der größten Herausforderungen ist die Bürokratie und die behördlichen Vorgaben. Wir müssen zahlreiche Auflagen erfüllen und regelmäßig Kontrollen durchlaufen. Die zuständigen Behörden sind uns zwar grundsätzlich sehr wohlgesonnen, dennoch kommen immer wieder neue Anforderungen hinzu. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Personalsuche. Es ist nicht immer einfach, genügend geeignete Mitarbeiter zu finden.

Gab es einmal eine Situation, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Nach 20 Jahren gibt es natürlich viele Erlebnisse, die in Erinnerung bleiben. Eine besonders herausfordernde Situation war ein Norovirus-Ausbruch. Das Heim musste damals auf Anordnung der Behörden vorübergehend geschlossen werden. Wir haben das gesamte Wochenende damit verbracht, das Haus gründlich zu reinigen und zu desinfizieren. Was mich besonders beeindruckt hat: Fast alle Mitarbeitenden und Helfenden sind danach wiedergekommen. Sie haben mitangepackt, alles fertig gemacht und sich gefreut, dass der Betrieb wieder weitergehen konnte. Auch die Zusammenarbeit mit den Behörden war trotz der schwierigen Situation sehr positiv und respektvoll. Solche Momente zeigen, wie belastbar und engagiert unser Team ist. Selbst wenn etwas Unvorhergesehenes passiert und die Arbeit anstrengend wird, kommen die Menschen wieder, helfen weiter und verlieren den Spaß an der Sache nicht. Berührend ist für mich auch, wenn Kinder älter werden und traurig sind, weil sie nicht mehr mitfahren dürfen. Manche sind mit 13 Jahren richtig traurig, weil sie wissen, dass ihre Zeit hier zu Ende geht. Das zeigt, wie viel ihnen diese Aufenthalte bedeuten.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Ferienheims?

Mein größter Wunsch ist, dass es hier weitergeht. Diese Einrichtung besteht seit über 100 Jahren, und ich hoffe sehr, dass auch die nächste Generation davon profitieren kann. Momentan machen wir uns allerdings Sorgen, weil uns zu wenige Menschen bei der Instandhaltung unterstützen. Das Gelände ist sehr groß, und es gibt immer viel zu tun. Wir sind auf ehrenamtliche Helfer angewiesen, die mit anpacken und durch ihren Einsatz ermöglichen, dass auch künftige Kinder hier eine schöne Zeit verbringen können. Was wir dafür bieten können, ist gutes Essen, eine fröhliche Gemeinschaft und eine angenehme Atmosphäre – auch wenn geputzt, repariert und gearbeitet werden muss. Eine weitere große Herausforderung ist es, vor allem für den Sommer genügend Personal zu finden. Es braucht viele helfende Hände.