Spendenaufruf nach Tragödie in Satteins: Dank und Anfeindungen

Nach dem tödlichen Traktorunfall in Satteins sind bei der anschließenden Spendenaufruf inzwischen rund 600.000 Euro für die Hinterbliebenen gesammelt worden. Die NEUE am Sonntag sprach mit der Initiatorin Julia Schwarz.
Am 14. Juli haben der junge Vater Marcel und seine sechsjährige Tochter Klara bei einem Traktorunfall in Satteins ihr Leben verloren. Ein Online-Spendenaufruf für die Hinterbliebenen stieß auf enorme Resonanz: Rund 600.000 Euro wurden bisher gesammelt. Ungefähr 10.500 Spenden sind eingegangen. Damit handelt es sich um die größte Spendenaktion, die es auf der Plattform “GoFundMe” österreichweit jemals gab.
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Julia Schwarz ist eng mit den Hinterbliebenen befreundet und kennt die Familie bereits seit langer Zeit. Sie hat in den Tagen nach dem Unfall den Spendenaufruf organisiert. Die enorme Resonanz hat sie allerdings selbst überrascht. Mit der NEUE am Sonntag spricht sie über den Aufruf und die Arbeit dahinter. Sie erzählt, was diese enorme Resonanz bewirkt und wie nahe ihr böse Kommentare gehen.
Medienecho
Der Unfall und der nachfolgende Spendenaufruf erfuhren über die Grenzen Österreichs hinaus ein enormes Medienecho. Neben der lokalen Presse berichteten inzwischen unter anderem Ö24, die “Bild”, der Südwestdeutsche Rundfunk (SWR). Wie Schwarz erklärt, haben allerdings auch die sozialen Medien stark zur Verbreitung der Geschichte beigetragen. Viele Personen seien hierdurch auf die Aktion aufmerksam geworden.
“Die meisten tun es über die sozialen Medien, WhatsApp und so. Wenn du in den Status geschaut hast, war alles nur noch Pink, Pink, Pink.” Sie bezieht sich hierbei auf das Aufmacherbild an, welches dem Spendenaufruf vorangestellt ist: Dieses zeigt einen pinkfarbenen Himmel.

Kehrseite
Das große Medieninteresse und die zahlreichen Spenden bringen jedoch eine Kehrseite mit sich. Über die Spendenplattform ist eine Kontaktaufnahme zu Schwarz als Initiatorin möglich. In diesen wenigen Tagen erhielt sie sowohl Dankesnachrichten, aber auch Beleidigungen wie beispielsweise “Idioten”. Ihr falle es schwer, mit solchen Aussagen umzugehen.
“Da bin ich ganz empfindlich auf so etwas, weil ich das nicht verstehe. Wenn ich mir vorstelle, 50 Prozent meiner Familie sind von einem Tag auf den anderen nicht mehr da. Nur die Vorstellung alleine. Wie kann man da überhaupt einen negativen Gedanken haben?”
Das ursprüngliche Spendenziel betrug 250.000 Euro. Dieses wurde inzwischen um mehr als das Doppelte übertroffen. Dass die Spendenaktion weiterläuft, sorgt hierdurch ebenfalls für Kritik. Schwarz betont, dass sie diese wichtige Entscheidung letztlich anderen überlässt.

“Sie haben geschrieben, ich hätte es stoppen sollen. Als das Spendenziel von 250.000 Euro erreicht war, dort hätte ich es stoppen sollen, weil alles andere sei Abzocke. Da muss ich sagen: Das ist offiziell. Jeder sieht, was da ist. Und wenn jemand noch spenden will, dann ist das seine Entscheidung.”
Grundsätzlich ende eine Aktion auf der Plattform “GoFundMe” automatisch nach einer gewissen Zeit. Ob der Aufruf vorzeitig beendet wird, überlasse sie ganz der Familie. Schwarz sagt allerdings deutlich, es gehe niemandem um irgendeine Form von Bereicherung. Die Ereignisse seien noch sehr frisch und aktuell stehen andere Punkte für die Familie im Vordergrund.
Transparenz
Angesprochen darauf, wie sie mit Skepsis von Menschen umgeht, betont Schwarz, dass ihr Transparenz von Anfang an wichtig gewesen sei. Zunächst kursierte im Umfeld die Idee ein Spendenkonto einzurichten, wohin jeder überweisen könne. Um Transparenz zu gewährleisten, haben sie davon abgesehen und die Aktion über die geprüfte und über Jahre hinweg etablierte Plattform “GoFundMe” organisiert. Die Bedingungen seien dort gut und klar dargestellt, auch welche Kontrollen und Genehmigungen zu erbringen sind.
Mit ihrer Aufgabe geht eine weitere Herausforderung einher: Öffentlichkeitsarbeit betreiben und zugleich die Privatsphäre der Familie schützen. Daher sind keine Fotos der Familie und keine Kontaktdaten enthalten. Wie Schwarz mit Blick auf die unerwartete Verbreitung bemerkt, erreichen sie selbst inzwischen Medienanfragen aus Wien.

Trotz allem Aufwand und negativer Kommentare sieht Schwarz, dass die positiven Reaktionen deutlich überwiegen. Sie betont die Wirkung der Unterstützungsbereitschaft und richtet nochmals ein “Danke” an sämtliche Spender und Unterstützer.
“Wenn man nur denkt, 10.000 Menschen sind wohlwollend und denken an dich oder unterstützen dich auf irgendeine Art und Weise. Das gibt schon viel Kraft.”