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Auf dem Mond leben: Chancen und Gefahren der neuen Raumfahrt

01.08.2026 • 13:00 Uhr
Auf dem Mond leben: Chancen und Gefahren der neuen Raumfahrt
So könnte eine Mondstation ausschauen. P. Carril / Esa

Sind die Artemis Missionen der Start einer Mondbasis oder gar ein erster Schritt zum Mars?

Der Mond beflügelt unsere Fantasien. Das ist wenig erstaunlich, denn er ist der einzige Himmelskörper, auf dem freiäugig Strukturen erkennbar sind. Als Galileo im Jahre 1609 mit dem neu erfundenen Fernrohr zum Mond blickte, erkannte er Krater, Täler und Gebirgszüge. Der gedankliche Schritt, dass es auf dem Mond helle Festländer und dunkle Meere gab und der Mond eine zweite Erde ist, war naheliegend. Der italienische Jesuit und Astronom Giovanni Riccioli legte seinem 1651 erschienenen Werk „Almagestum Novum“ eine Mondkarte bei, in der er die dunklen Flecken Meere nannte. Der Irrglaube, dass bei zunehmendem Mond auf der Erde Schönwetter und bei abnehmendem Mond Schlechtwetter herrschte, erklärt die Bezeichnungen wie Regenmeer und Meer der Stürme. Obwohl die Mondmeere staubtrocken sind, ließ unser Interesse am Mond nicht nach. Das Apolloprogramm brachte zwischen Juli 1969 und Dezember 1972 zwölf Menschen auf die Mondoberfläche. Ursprünglich waren deutlich mehr Missionen geplant, aber die hohen Kosten und das schwindende Interesse der Bevölkerung führten zu einem Stopp.

Artemis

Aktuell faszinieren uns die Mondflüge der Artemismission. Anfang April 2026 waren erstmals seit 54 Jahren Menschen in einem Mondorbit. Es gab neue Rekorde bei Artemis II: Wegen der langgezogenen Flugbahn wurde eine Entfernung von 406.771 Kilometern von der Erde erreicht. Noch nie war ein Mensch weiter entfernt. Das Foto der über dem Mond untergehenden Erde war brillant. Besonders war auch die Sonnenfinsternis, welche die Crew von der Kapsel aus beobachten konnte. Noch nie zuvor hatten Menschen die Rückseite des Mondes „live“ so genau gesehen. Artemis III bringt nicht – wie ursprünglich geplant – Menschen zur Mondoberfläche. Es wird das missionskritische Andockmanöver zwischen dem Orion-Raumschiff und den Landefähren im Erdorbit erprobt. Danach sollen mehrere Missionen Menschen zurück zum Mond bringen. Die Astrophysikerin Anke Pagels-Kerp vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt betrachtet die Artemis-Missionen als Weg zu einer dauerhaften Präsenz auf dem Mond. „Die Technologieentwicklung, die da stattfindet, ist ein riesiger Innovationstreiber, von dem die gesamte Gesellschaft profitiert“, so Pagels-Kerp in einem Interview mit der Zeitschrift „Sterne und Weltraum“. Wesentlich sei auch, dass Projekte wie eine Mondbasis eine ganze Generation für die Raumfahrt begeistern werden.

Chancen und Gefahren

Die Chancen einer Mondbasis liegen bei Fortschritten in der Medizin, Technik und Astrophysik. Eine Sternwarte auf der erdabgewandten Seite des Mondes würde fantastische Ergebnisse liefern. Ideen zum Aufbau einer Mondbasis wurden bereits entwickelt. Es können keine Baumaschinen zum Mond gebracht werden. Mittels 3D-Drucker sollen die Strukturen mit Mondmaterial errichtet werden. Für Wasser und Nahrung gibt es Grobkonzepte. Der Wettbewerb zwischen China und den USA beschleunigt die Entwicklung. Vielleicht wird die erste Mondbasis Mitte der 30er-Jahre Realität werden. Eine gute Alternative oder eine Ergänzung ist eine bemannte Raumstation um den Mond. Das Pendant zur ISS hat mit „Lunar Gateway“ bereits einen Namen erhalten.

Das größte Problem ist die tödliche kosmische Strahlung. Auf der Erde schützt uns das Magnetfeld. Vielleicht wird es dazu Lösungen für die Mondstation geben. Der Schritt zum Mars ist 200-mal größer als jener zum Mond. Die Reise ist allein wegen der kosmischen Strahlung höchst fraglich. Pagels-Kerp erwartet in den nächsten 50 Jahren keine Menschen am Mars.
Das größte Problem ist die tödliche kosmische Strahlung. Auf der Erde schützt uns das Magnetfeld. Vielleicht wird es dazu Lösungen für die Mondstation geben. Der Schritt zum Mars ist 200-mal größer als jener zum Mond. Die Reise ist allein wegen der kosmischen Strahlung höchst fraglich. Pagels-Kerp erwartet in den nächsten 50 Jahren keine Menschen am Mars.

Robert Seeberger