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Für Gleichstellung der Frauen: „Nicht laut, aber hartnäckig“

01.08.2026 • 10:00 Uhr
Für Gleichstellung der Frauen: „Nicht laut, aber hartnäckig“
Seit gut einem Jahr Vorsitzende der SPÖ-Frauen Vorarlberg: Bea Madlener-Tonetti. Stiplovsek

Kinderbetreuung, gleiche Bezahlung und Gewaltschutz: Für Bea Madlener-Tonetti sind das die entscheidenden frauenpolitischen Baustellen im Land. Die Vorsitzende der SPÖ-Frauen ­Vorarlberg spricht über ihr erstes Jahr im Amt und ihre politischen Ziele.

Bea Madlener-Tonetti ist keine Politikerin, die große Schlagworte in den Vordergrund stellt. Die Vorsitzende der SPÖ-Frauen Vorarlberg spricht lieber über Strukturen, die aus ihrer Sicht Frauen bis heute benachteiligen – von der Kinderbetreuung über Einkommensunterschiede bis hin zum Gewaltschutz. „Ich bin nicht laut, aber hartnäckig“, beschreibt sie ihre Vorgehensweise. Fast ein Jahr nach ihrer einstimmigen Wahl zieht die 67-Jährige eine erste Bilanz.

Für Gleichstellung der Frauen: „Nicht laut, aber hartnäckig“
Bea Madlener-Tonetti im Gespräch mit der NEUE am Sonntag. Stiplovsek

„In der SPÖ-Frauenorganisation gibt es viele starke, kluge Frauen jeden Alters mit einer besonderen feministischen Haltung“, sagt die Schlinserin. Frauenpolitik gehöre in der Sozialdemokratie seit mehr als einem Jahrhundert zur politischen DNA. Gleichzeitig sei das erste Jahr von Herausforderungen geprägt gewesen. „Sexismus- und Mobbingvorwürfe waren Themen, die uns intern beschäftigt haben. Weiters mussten wir auf zahlreiche Maßnahmen der Landesregierung reagieren, die vor allem Frauen nachteilig betreffen.“ Gemeinsam mit ihrem Team habe sie Schwerpunkte definiert und Arbeitsgruppen gegründet, um die Kompetenzen innerhalb der Frauenorganisation besser sichtbar zu machen.

Für Gleichstellung der Frauen: „Nicht laut, aber hartnäckig“

Sich selbst treu bleiben

Dass sie im September 2025 einstimmig zur Landesvorsitzenden gewählt wurde, habe sie zunächst eher belastet als beflügelt. „Ich habe sehr viele Vorschusslorbeeren bekommen. Das hat mich schon unter Druck gesetzt.“ Heute sehe sie das gelassener. Rückblickend sei ihr Vertrauen entgegengebracht worden, „weil ich Ruhe in eine schwierige Zeit brachte und einen Plan hatte“. Trotzdem habe sie sich immer wieder gefragt: „Mache ich alles richtig? Habe ich die Skills, die es für eine politische Vorsitzfunktion braucht?“ Heute lautet ihre Antwort: „Am besten ist, sich selbst treu zu bleiben.“

Für Gleichstellung der Frauen: „Nicht laut, aber hartnäckig“

In die Landespolitik

Der Schritt in die Landespolitik habe sich aus ihrem langjährigen Engagement für bessere Rahmenbedingungen in der Kinderbildung und -betreuung entwickelt. Nach ihrer Pensionierung 2023 habe sie zunächst nicht an eine politische Karriere gedacht. Erst als sie Anfragen von zwei Parteien erhielt, begann sie darüber nachzudenken. Für die SPÖ habe sie sich entschieden, weil dort die Frauenthemen, die sie seit Jahren beschäftigen, am stärksten verankert seien. Zudem sei sie bereits seit vielen Jahren kommunalpolitisch in Schlins für die Partei aktiv gewesen. Geprägt worden sei sie weiters durch ihre Herkunft aus einer Arbeiterfamilie und die Werte ihrer Großeltern.

Zur Person

Die in Frastanz bei ihren Großeltern aufgewachsene Bea Madlener-Tonetti absolvierte während ihrer Zeit in Oberösterreich, wohin sie ihr Mann, der Fußballtrainer und langjährige Bundesliga-Kicker Daniel Madlener, führte, eine sozialpädagogische Ausbildung. Nach ihrer Rückkehr übernahm sie im Jahr 2001 die Leitung der privaten Kinderbetreuungseinrichtung „Spielkiste“ in Schlins und setzte sich über viele Jahre für den Ausbau und die Qualität der Kinderbetreuung ein. Von 2013 bis 2022 war sie Vorsitzende des Landesverbands der privaten Kinderbetreuungseinrichtungen. Seit 2010 ist sie in der Gemeindevertretung Schlins in den Ausschüssen Soziales, Bildung sowie Kinder, Jungend, Familie und Frauen tätig. Nach ihrer Pensionierung im Jahr 2023 wurde die heute 67-Jährige auf Landesebene politisch aktiv und wurde im September 2025 einstimmig zur Vorsitzenden der SPÖ-Frauen Vorarlberg gewählt. Die verheiratete dreifache Mutter und fünffache Großmutter lebt mit ihrer Familie in Schlins.

Beeinflusst

Bis heute beeinflusst ihre jahrzehntelange Arbeit in der Kinderbetreuung ihre politische Sichtweise. Dabei legt sie Wert auf eine Klarstellung: Die privaten Kinderbetreuungseinrichtungen seien keine exklusiven Angebote gewesen, sondern Elterninitiativen. Ziel sei gewesen, Frauen eine frühere Rückkehr in den Beruf zu ermöglichen. Politisch geprägt habe sie vor allem die unterschiedliche Behandlung privater und öffentlicher Einrichtungen. „Ein Gemeindevorstand konnte darüber entscheiden, ob und wann eine Frau arbeiten gehen kann.“

Beat Madlener-Tonetti
Bea Madlener-Tonetti war jahrelang in der Kinderbetreuung tätig. bmt

Finanzielle Unabhängigkeit

Für Madlener-Tonetti zieht sich daraus ein roter Faden durch ihre politische Arbeit: finanzielle Unabhängigkeit. „Sie ist eine Grundvoraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben.“ Deshalb sieht sie den Gender Pay Gap und den Gender Pension Gap als zentrale Herausforderungen. Vorarlberg sei hier österreichweites Schlusslicht, weil traditionelle Rollenbilder nach wie vor stark ausgeprägt seien. Drei Maßnahmen würden aus ihrer Sicht besonders rasch Verbesserungen bringen: eine flächendeckende, ganztägige, leistbare und qualitativ hochwertige Kinderbetreuung sowie verbindliche Lohntransparenz und eine gerechtere Verteilung der Care-Arbeit. Gleichzeitig müsse die pensionsrechtliche Absicherung von Erziehungs- und Pflegezeiten verbessert werden.

Beat Madlener-Tonetti
Mit ihrem Mann Daniel Madlener, der jahrelang in der österreichischen Bundesliga kickte. bmt

Gleichstellung

Obwohl sie glaubt, dass Gleichstellung gesellschaftlich grundsätzlich gewollt sei, sieht sie weiterhin traditionelle Rollenbilder. „Schwierig wird es dann, wenn der Zustimmung Taten folgen sollen.“ Gleichzeitig beobachte sie bei jüngeren Generationen Veränderungen. „Ich kenne junge Paare, die diese alten Rollen nicht mehr so leben.“ Der gesellschaftliche Wandel sei möglich, „es sind die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die ihm hinterherhinken.“

Gewaltschutz

Als großes politisches Vorbild nennt die Schlinserin Johanna Dohnal. „Sie war eine der wichtigsten Vorkämpferinnen für Frauenrechte in Österreich.“ Auch in Vorarlberg fordert sie Verbesserungen. Beratungsstellen und Gewaltschutzeinrichtungen, die im Land sehr gute Arbeit leisten, müssten langfristig abgesichert werden. Besonders wichtig sei eine Gewaltambulanz. „Wir sind das einzige Bundesland ohne eine zentrale Stelle, an die Frauen sich nach einer sexualisierten Gewalttat wenden können.“ Zudem brauche es mehr Prävention, mehr Arbeit mit Gefährdern und bessere Pers­pek­tiven für Frauen nach einer Trennung. „Allein 2025 wurden im Land rund 540 Betretungsverbote ausgesprochen, etwa 1100 Betroffene hatten im Jahr davor Unterstützung bei Gewaltschutzeinrichtungen gesucht. Das zeigt: Gewalt gegen Frauen ist in Vorarl­berg kein Randproblem.“

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Madlener-Tonetti: “Gewalt gegen Frauen ist in Vorarlberg kein Randproblem.” Neue

Schwangerschaftsabbruch

Auch das Thema Schwangerschaftsabbruch betrachtet sie trotz des Angebots am Landeskrankenhaus Bregenz noch nicht als abgeschlossen. Der Zugang sei „ein großer frauenpolitischer Erfolg“, dennoch dürften die Kosten keine Hürde darstellen. Zudem fordert sie Schutzzonen vor Gesundheitseinrichtungen sowie die Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs: „Raus aus dem Strafrecht, hinein ins Gesundheitsrecht.“ Auch bei der Frauengesundheit sieht sie großen Nachholbedarf. „Frauen brauchen eine wohnortnahe, leistbare und geschlechtersensible Versorgung.“

Aufarbeitung

Beschäftigt hat die neue SPÖ-Frauenvorsitzende auch die Aufarbeitung der Sexismus- und Mobbingvorwürfe innerhalb der SPÖ Vorarlberg nach dem Rückzug ihrer Vorgängerin Stefanie Matei und der damaligen Landesfrauengeschäftsführerin Daria Hueller. „Jeder Vorwurf von Sexismus muss ernst genommen werden. Und das haben wir auch gemacht.“ Ein professionell begleiteter Prozess befinde sich in der Abschlussphase. Geplant seien unter anderem ein Verhaltenskodex, eine Meldestelle und Sensibilisierungsmaßnahmen. „Es hat uns generell sensibilisiert, die Kultur im Umgang miteinander zu überprüfen.“ Sie sei stolz darauf, dass die Partei das Thema sehr ernst nehme.

Für Gleichstellung der Frauen: „Nicht laut, aber hartnäckig“
Bea Madlener-Tonetti: “Gerade bei der Kinderbetreuung wird unsere Frauenorganisation auch künftig den politischen Konflikt suchen.” Stiplovsek

Mit Blick auf die Landespolitik sieht sie den größten frauenpolitischen Handlungsbedarf zusammenfassend bei der Kinderbetreuung, der Lohntransparenz, dem Gewaltschutz und der Frauengesundheit. Gerade bei der Kinderbetreuung werde ihre Frauenorganisation auch künftig den politischen Konflikt suchen. „Das ist der wichtigste Hebel zur Gleichstellung.“

Beirat mit Stimmrecht

Für ihre Amtszeit formuliert Bea Madlener-Tonetti ein klares Ziel: Expertinnen und Betroffene sollen bei politischen Entscheidungen stärker eingebunden werden. Sie wünscht sich einen Beirat mit Stimmrecht. Und wenn sie eines Tages auf ihre Zeit als Landesfrauenvorsitzende zurückblickt, möchte sie vor allem für eines in Erinnerung bleiben: „Als Frau, die genau hinschaut, zuhört, Missstände konsequent anspricht und eine Stimme für Menschen ist, die keine Lobby haben.“