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Drag-Lesung in Dornbirn: Jetzt spricht die Künstlerin

07.08.2026 • 07:54 Uhr
Drag-Lesung in Dornbirn: Jetzt spricht die Künstlerin
Vor Publikum: Fräulein Bürgerschreck tritt sowohl mit Erwachsenenprogrammen als auch bei eigens konzipierten Veranstaltungen für Kinder auf. Gregorhofbauer

Während eine internationale Petition ihre Kinderstunde stoppen will, spricht Drag-Künstlerin Fräulein Bürgerschreck erstmals in der aktuellen Debatte selbst über ihre Motivation, die Kritik und den Auftritt am Samstag in Dornbirn.

Als Kind wollte die spätere Drag-Künstlerin Fräulein Bürgerschreck bunte Glitzerstifte. Die Reaktion darauf hat sie bis heute nicht vergessen: Solche Stifte seien „schwul“, wurde ihr gesagt – nicht als Beschreibung, sondern als Beleidigung. Später habe eine Lehrerin sie mehrfach vor der Klasse mit dem Wort „Zwitter“ beschimpft. Sie sei zu laut, zu auffällig, zu viel, habe sie lange geglaubt. Also passte sie sich an und schämte sich. Genau dort liegt heute die Motivation für ihre Auftritte vor Kindern. Beim Proben werde sie immer wieder an das Kind erinnert, das sie selbst einmal war. Das gebe ihr das Gefühl, „dass es das Richtige ist, was ich mache“.

Drag-Lesung in Dornbirn: Jetzt spricht die Künstlerin
Bürgerschreck in ihrer Drag-Rolle: Für sie ist Drag vor allem Kunst und Unterhaltung. dysfunctionaxlee

Am Samstag steht sie gemeinsam mit Athene Atlas im Dornbirner Kulturhauspark auf der Bühne. Um 16 Uhr ist im Rahmen von „Sommer im Park“ eine interaktive Kinderstunde geplant: Kinderbücher werden vorgelesen, anschließend sollen bekannte Disney-Lieder gesungen werden. Seit Tagen sorgt der Programmpunkt für heftige Diskussionen, gesellschaftlich sowie auch in der Lokalpolitik. Eine Online-Petition fordert die Absage oder eine Altersbeschränkung. Die Initiatoren besagter Petition behaupten, Drag habe einen sexuellen Unterton und Kinder würden damit beeinflusst. Das Dornbirner Stadtmarketing sowie Fräulein Bürgerschreck halten dagegen fest, dass Texte, Kleidung und Auftreten vorab abgestimmt worden seien und keine sexuellen Inhalte vorkämen. Die Veranstaltung soll trotz angekündigter Proteste stattfinden.

Doch was ist Drag überhaupt?

Bürgerschreck beschreibt es als Bühnen- und Kunstform, die Geschlechterrollen überzeichnet, karikiert und die Gesellschaft mit Humor infrage stellt. Sie vergleicht ihre Figur mit Clownerie und Unterhaltungstheater.

Drag-Lesung in Dornbirn: Jetzt spricht die Künstlerin
Fräulein Bürgerschreck auf der Bühne. Am Samstag tritt sie im Rahmen von „Sommer im Park“ auch in Dornbirn auf. Gregorhofbauer

Fynn Kirchner vom Verein Go West fügt dem hinzu, dass auch Männer in Frauenrollen wie beispielsweise Monty Python oder der Film „Mrs. Doubtfire“ sich als Drag lesen lassen. Entscheidend sei: Drag sei so unterschiedlich wie die Künstlerinnen und Künstler selbst. Es gebe provokante Erwachsenenprogramme und bewusst kindgerechte Formate. Beides müsse klar voneinander getrennt werden. Sie selbst trete zwar auch spätabends für Erwachsene auf, wisse aber genau, welche Inhalte in welchem Rahmen angebracht seien. Bei der Dornbirner Lesung gehe es ihr ausdrücklich nicht um Sexualaufklärung, betont Bürgerschreck. Sie wolle Kindern vielmehr vermitteln, dass Anderssein nichts Bedrohliches ist. Ein Bub dürfe ein Kleid tragen, wenn er das möchte, und eine auffällig geschminkte Person mit großer Perücke müsse niemandem Angst machen. Kinder sollten erleben: „Die ist super nett und super lieb.“ Es gehe darum, früh Berührungsängste abzubauen, damit Unverständnis später nicht in Ausgrenzung, Beschimpfung oder sogar Gewalt umschlage.

Drag-Lesung in Dornbirn: Jetzt spricht die Künstlerin
Vor Publikum: Fräulein Bürgerschreck tritt sowohl mit Erwachsenenprogrammen als auch bei eigens konzipierten Veranstaltungen für Kinder auf. Gregorhofbauer

Die Petition wurde auf CitizenGO veröffentlicht, einer in Spanien gegründeten, international tätigen rechtskonservativen Kampagnenplattform. Unterschreiben kann man online, unabhängig vom Wohnort. Aus der Zahl von mehreren Tausend Unterstützerinnen und Unterstützern lässt sich deshalb nicht ablesen, wie viele davon aus Dornbirn oder Vorarlberg kommen. Bürgerschreck kritisiert, in dem Aufruf würden Behauptungen über sie und die Veranstaltung verbreitet, die nicht der Wahrheit entsprächen. Sie spricht gegenüber der NEUE von „gezielter Desinformation“. Umso wichtiger sei ihr, dass die Kinderstunde stattfindet. Sie sei froh, dass die Verantwortlichen in Dornbirn am Programm festhalten. Wer das Angebot nicht besuchen wolle, müsse das nicht tun; die Entscheidung liege bei den Eltern. Ihre Botschaft an Kinder, die sich manchmal als zu laut, zu bunt oder zu ungewöhnlich erleben, bleibt schlicht: „Es ist vollkommen okay, so wie ihr seid. Stresst euch nicht und hört nicht auf das, was die anderen sagen.“