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40 Jahre Tivoli in Dornbirn – was ist das Erfolgsrezept?

08.08.2026 • 09:00 Uhr
40 Jahre Tivoli in Dornbirn – was ist das Erfolgsrezept?
Mirko Ladstätter und Manfred Miesel gewähren Einblick in 40 Jahre Pub-Historie. Stiplovsek

Warum das Pub seinen Weg in den alten Schwanen fand und es wahrscheinlich das erste Lokal in Vorarlberg war, das Guinness vom Fass anbot, erzählen Manfred Miesel und Mirko Ladstätter.

NEUE am Sonntag: Am 15. August feiert das Tivoli sein 40-jähriges Bestehen. Wenn Sie zurückblicken: Was kommt Ihnen als Erstes in den Sinn?

Manfred Miesel: Dass alles mit meiner Familie begonnen hat. Mein Vater war schwer krank und konnte nicht mehr arbeiten. Deshalb habe ich das Tivoli von meinen Eltern übernommen. Eigentlich hatte ich nie geplant, Wirt zu werden. Das Leben hat das anders entschieden.

NEUE am Sonntag: Herr Ladstätter, Ihre gemeinsame Geschichte beginnt aber schon lange vor dem Tivoli.

Mirko Ladstätter: Wir kennen uns seit der Schulzeit. Unsere erste Begegnung war eher eine kleine Rauferei, als der Beginn einer Freundschaft. Ein Jahr später waren wir in derselben Klasse. Daraus sind mittlerweile 52 Jahre Freundschaft geworden. Wir haben Urlaube miteinander verbracht, Musik gemacht, gearbeitet und unglaublich viel erlebt.

NEUE am Sonntag: Gemeinsam hinter dem Tresen gestanden sind Sie aber trotzdem nicht von Anfang an.

Ladstätter: Nein. Ich habe bei Manfreds Vater die Kellnerlehre gemacht, bin später zu einer Versicherung gewechselt und habe dort Karriere gemacht. Ganz weg vom Tivoli war ich aber nie. Ich habe immer wieder ausgeholfen und wir haben viele Projekte gemeinsam umgesetzt.

Miesel: Schon damals haben wir immer wieder davon gesprochen, irgendwann einmal gemeinsam ein Lokal zu führen. Es hat sich nur nie ergeben. Erst als wir das alte Tivoli verlassen mussten und hierher übersiedelt sind, haben wir gesagt: Jetzt machen wir es gemeinsam.

40 Jahre Tivoli in Dornbirn – was ist das Erfolgsrezept?
Die NEUE zu Gast im Tivoli.Stiplovsek

NEUE am Sonntag: Das Tivoli war von Beginn an ein extravaganteres Lokal als viele andere.

Miesel: Ich wollte ein echtes Irish Pub schaffen. Das war Mitte der 80er-Jahre alles andere als selbstverständlich. Guinness war in Österreich praktisch nicht erhältlich. Ich musste es über Deutschland beziehen. Für die Zapfanlage hat mir ein Gast sogar einen Adapter auf der Drehbank angefertigt. Wahrscheinlich waren wir die Ersten in Vorarlberg mit Guinness, vielleicht sogar österreichweit.

NEUE am Sonntag: Entstand diesbezüglich auch die Affinität zu St. Patrick‘s Day und Halloween?

Miesel: Ja. Durch eine irische Freundin hatte ich einen starken Bezug zu Irland. Deshalb haben wir den St. Patrick‘s Day gefeiert, als das hier kaum jemand kannte. Dasselbe gilt für Halloween. Heute ist das selbstverständlich. Damals war das völliges Neuland.

Ladstätter: Das war eigentlich typisch für uns. Wenn etwas noch niemand gemacht hat, fanden wir es interessant.

NEUE am Sonntag: Das galt auch für die Küche.

Miesel: Unser Chicken Kebab ist ein gutes Beispiel. Heute gibt es ihn überall. Damals war das etwas völlig Neues. Wir haben ihn selbst entwickelt und er steht bis heute unverrückbar auf der Speisekarte.

40 Jahre Tivoli in Dornbirn – was ist das Erfolgsrezept?
Guiness als Erfolgsrezept.Stiplovsek

NEUE am Sonntag: Das Tivoli war aber nie nur ein Pub.

Ladstätter: Nein. Es war immer ein Treffpunkt. Uns war wichtig, dass sich alle wohlfühlen. Familien genauso wie Studenten, Musiker oder Stammgäste.

Miesel: Das sieht man besonders beim Osterbock. Da kommen Familien mit Kindern genauso wie Gäste, die seit Jahrzehnten dazugehören. Genau diese Mischung wollten wir immer erreichen.

NEUE am Sonntag: Musik spielte im Tivoli ebenfalls eine große Rolle.

Miesel: Absolut. Ich habe mit 28 Jahren beschlossen, Gitarre zu lernen. Sechs Monate später standen wir bereits mit unserer Band SML auf der Bühne. Rückblickend war das ziemlich mutig.

Ladstätter: SML stand für Slapnick, Miesel und Ladstätter. Gleichzeitig konnte man es als Small, Medium, Large lesen. Wir hatten sieben Proben und spielten schon Konzerte.

NEUE am Sonntag: Warum ist Ihnen Musik und auch das Veranstalten von Konzerten so wichtig?

Miesel: Wir wollten Bands eine Bühne geben, die man sonst kaum hören konnte. Im alten Tivoli stand das Publikum praktisch direkt vor den Musikern. Viele Künstler haben uns später gesagt, dass genau diese Nähe etwas Besonderes war.

40 Jahre Tivoli in Dornbirn – was ist das Erfolgsrezept?
Mirko Ladstätter und Manfred Miesel verbindet eine 52-jährige Freundschaft.Stiplovsek

Ladstätter: Das Lokal war klein, eng und manchmal ziemlich laut. Aber genau das machte den Reiz aus.

NEUE am Sonntag: Es gab immer wieder außergewöhnliche Abende.

Miesel: Einer meiner Lieblingsmomente war das „Il Concerto Tivoli“. Ein Ensemble hatte zuvor ein Konzert in Dornbirn gespielt und kam danach noch zu uns. Plötzlich standen Musiker mit historischen Instrumenten mitten im Pub. Solche Momente kann man nicht planen.

NEUE am Sonntag: Wie sehr hat sich das Ausgehverhalten verändert?

Ladstätter: Die größte Veränderung war sicher Corona. Das hat vieles verändert.

Miesel: Die Menschen gehen heute bewusster aus. Früher wurde oft bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Heute spielt Qualität eine größere Rolle als die reine Dauer eines Abends.

NEUE am Sonntag: Der Abschied vom alten Tivoli war für viele Stammgäste emotional.

Miesel: Für uns auch. Das Kellerlokal hatte einen besonderen Charakter. Ich wusste zunächst gar nicht, ob ich überhaupt noch einmal ein Lokal eröffnen möchte.

Ladstätter: Ich habe damals sofort gesehen, welches Potenzial der ehemalige Schwanen hat. Ich habe Manfred angerufen und gesagt: Das müssen wir uns anschauen.

Miesel: Heute bin ich froh über diese Entscheidung. Wir haben mehr Platz, einen Gastgarten und neue Möglichkeiten geschaffen. Trotzdem ist der Geist des alten Tivoli geblieben.

NEUE am Sonntag: Ihre Freundschaft dauert inzwischen mehr als ein halbes Jahrhundert. Was ist das Geheimnis?

Ladstätter: Wir können uns streiten und fünf Minuten später wieder zusammensitzen. Das gehört zu einer echten Freundschaft dazu.

Miesel: Wir haben gemeinsam unglaublich viel erlebt. Gute Zeiten, schwierige Zeiten und unzählige Geschichten. Dieses Vertrauen ist über Jahrzehnte gewachsen.

NEUE am Sonntag: Herr Miesel, Sie haben sich aus dem täglichen Betrieb etwas zurückgezogen.

Miesel: Ich bin nach wie vor dabei, aber nicht mehr jeden Tag im gleichen Ausmaß. Ich unterstütze, berate und schaue regelmäßig vorbei. Das Tivoli bleibt ein Teil meines Lebens.

NEUE am Sonntag: Was bedeutet Ihnen das 40-Jahr-Jubiläum?

Ladstätter: Es zeigt, dass das Tivoli geblieben ist, obwohl sich rundherum vieles verändert hat.

Miesel: Das schönste Kompliment ist, wenn Gäste nach Jahren wieder hereinkommen und sagen, dass sich das Gefühl nicht verändert hat. Genau das wollten wir immer erreichen.

40 Jahre Tivoli in Dornbirn – was ist das Erfolgsrezept?
Tägliche Neckereien gehören dazu. Stiplovsek

NEUE am Sonntag: Was erwartet die Besucher am 15. August?

Miesel: Ein großes Wiedersehen mit vielen Wegbegleitern. Es gibt ein hochwertiges Barbecue, Livemusik, Guinness und hoffentlich gutes Wetter.

Ladstätter: Viele ehemalige Stammgäste kommen eigens zurück nach Dornbirn. Darauf freuen wir uns besonders.

NEUE am Sonntag: Worauf sind Sie nach 40 Jahren am meisten stolz?

Miesel: Dass wir Menschen über Generationen begleiten durften. Manche kamen als Jugendliche zum ersten Mal ins Tivoli und sitzen heute mit ihren Kindern oder Enkeln bei uns.

Ladstätter: Und darauf, dass unsere Freundschaft bis heute hält. Ohne sie hätte es das Tivoli, wie es heute ist, wahrscheinlich nie gegeben.

(NEUE am Sonntag)