Von der Pionierzeit zum ersten Sprung

Was 1976 mit einem Kurs begann, entwickelte sich zum größten Fallschirmspringerverein Österreichs.
Reinhard Flatz muss nicht lange überlegen, wann seine Geschichte mit dem Fallschirmspringen begann: „Im November“ 1976, sagt der langjährige Präsident des Union Paraclubs Silvretta. Der Zeitpunkt sei ihm deshalb so genau in Erinnerung geblieben, weil das Springen „mein Leben schon sehr verändert“ habe.

Angefangen als Student. Während des Studiums besuchte Flatz gemeinsam mit Peter Mennel und Christian Voller an der Sportuniversität Innsbruck einen Kurs. Bereits im Jahr darauf gründeten die drei einen Fallschirmverein in Vorarlberg. Damals den Zweiten im Land. Zwei Vereine bestanden in Vorarlberg zunächst nebeneinander, ehe sie fusionierten. „Ein richtiger Schritt“, laut Flatz. Aus den Anfängen ist ein Club geworden, der bis heute als größter Fallschirmspringerverein Österreichs gilt.
Flatz, inzwischen pensioniert, hat den Sport nicht nur organisatorisch geprägt. Über 1000 Sprünge hatte der damals noch als Richter und Gerichtssprecher am Landesgericht Feldkirch tätige Vorarlberger bereits 2013 absolviert.
Damals trat er auch noch bei seiner 15. Zielsprung-Meisterschaft an. Beim Zielspringen entscheidet Präzision über die Platzierung. Das Ziel ist gerade einmal zwei Zentimeter breit.

Was ihn bis heute an dieser Sportart fasziniert, ist das Zusammenspiel aus Konzentration, Gemeinschaft und dem besonderen Gefühl in der Luft. Dass der Sport mit der Weiterentwicklung der Ausrüstung über die Jahrzehnte wesentlich sicherer geworden ist, betont Flatz immer wieder: „So etwas wie eine Öffnungsautomatik gab es früher nicht.“
Der Selbstversuch
Ein Teil dieser Begeisterung lässt sich schwer erklären – man muss ihn wohl selbst erleben, wurde mir zumindest vergangenen Mittwoch beim Besuch bei UPCS Skydiving in Hohenems gesagt. So er gab sich ganz spontan, wenige Minuten später mein erster Tandemsprung. Mein Tandemmaster: Red-Bull-Athlet Marco Fürst.

Nach der Einweisung ging es mit einer Chestner des Vereins auf rund 4000 Meter Höhe. Der Aufstieg dauerte etwa 15 bis 20 Minuten und war mehr als bloß der Weg zum Absprung. Der Blick auf den Bodensee und über Vorarlberg war beeindruckend. An diesem sonnigen, warmen Tag wirkte die Landschaft unter uns beinahe ruhig.
Höhenangst habe ich keine. Respekt vor dem Salto aus dem Flugzeug trotzdem. Als Fürst und ich rückwärts aus der offenen Tür kippten, schloss ich kurz die Augen, weniger wegen der Höhe als aus Sorge, sondern aus Angst, mir könnte schlecht werden. Doch kaum waren wir im freien Fall, war davon keine Rede mehr. Rund eine Minute lang ging es im freien Fall nach unten.

Die Luft war kühl trotz des warmen Sommertags. Die Luftströmung ist im freien Fall deutlich hörbar, kurze Worte mit Fürst waren trotzdem ohne Probleme möglich. Vor allem aber machte der freie Fall überraschend schnell Spaß.
Dann öffnete sich der Schirm mit einem kurzen Ruck. Fürst fragte, ob wir ein paar Kurven fliegen wollen. Die folgenden rund drei Minuten unter dem Schirm waren aufregend und schön, bis ich einen Anfängerfehler beging. Unter uns stand eine kleine Schafherde. Statt meinen Blick auf einen Fixpunkt am Horizont zu richten, schaute ich den Tieren beim Größer werden zu. In den Kurven meldete sich dadurch doch ein leicht flaues Gefühl.

Nach der Landung blieb ich noch kurz auf der Wiese sitzen. Das Unwohlsein war rasch vorbei, der Eindruck blieb: Fallschirmspringen ist überwältigend, nicht zuletzt wegen des besonderen Blicks von oben.