Mondfinsternis über Vorarlberg

Kommenden Freitag ereignet sich im Morgengrauen eine fast vollständige Mondfinsternis.
Erst am 12. August gab es abends eine Sonnenfinsternis zu bewundern. Damals stand der Mond zwischen uns und der Sonne. Von Vorarlberg aus gesehen waren kurz vor Sonnenuntergang 90 Prozent der Scheibe verdunkelt. Das war möglich, weil der Mond ziemlich genau in der Ebene der Erdumlaufbahn war. Das ist längst nicht immer so, da die Bahnebene des Mondes um 5,14 Grad zur Erdumlaufbahn geneigt ist. Nur wenn der Vollmond genau in der Ekliptik, also der Erdbahnebene, steht, sehen wir die Sonnenfinsternis. Um das genauer zu beschreiben, sollten wir uns über Koordinatensysteme unterhalten.

Jeder Punkt am Himmel kann durch zwei Koordinaten angegeben werden. Wir kennen unterschiedliche Koordinatensysteme. Beim Horizontsystem wird die Lage eines Himmelsobjekts mit Azimut (diese Größe entspricht dem Winkel, den ein Kompass anzeigt) und Höhe bestimmt. Die Höhe wird von null Grad, das ist der Horizont, bis 90 Grad, das ist der Zenit, angezeigt. Zur Beschreibung im Sonnensystem wird das ekliptikale Koordinatensystem gewählt. Die Nulllinie, von der aus die ekliptikale Breite gemessen wird, ist die Ekliptik. Zum Zeitpunkt der maximalen Verfinsterung über Vorarlberg um 20.17 Uhr lag der Mond nur drei Bogenminuten oberhalb der Ekliptik. Der Monddurchmesser beträgt 30 Bogenminuten, und daher konnte er fast die gesamte Sonnenscheibe, die definitionsgemäß bei 0,0 Grad ekliptikaler Breite liegt, abdecken. Bei den allermeisten Vollmonden befindet er sich nicht genau in der Ebene, sondern bis zu fünf Grad darüber oder darunter.
Mondfinsternis
Seit dem 12. August hat der Mond einen halben Umlauf um die Erde vollführt und befindet sich wieder bis auf wenige Bogenminuten genau in der Ekliptik. Die Positionen haben gewechselt. Jetzt steht die Erde fast genau zwischen Sonne und Mond. In den Morgenstunden des 28. August, also kommenden Freitag, ist es so weit. Die Sonne strahlt auf die Erde gerade so, dass der Erdschatten auf die Mondoberfläche fällt. 93,5 Prozent der Mondscheibe werden vom Erdschatten getroffen. Bei dieser Mondfinsternis kann man die Geometrie anschaulich überprüfen. Denn während der verfinsterte Mond in westsüdwestlicher Richtung untergeht, steigt die Sonne genau 180 Grad versetzt über den Horizont.
Beobachtung
Die Mondfinsternis kann von freiem Auge beobachtet werden. Wenn ein Fernglas oder ein Fernrohr zur Verfügung steht, sollte es auch eingesetzt werden. Die Finsternis kommenden Freitag ist etwas für Frühaufsteher. Der Kernschatten der Erde trifft ab 4.34 Uhr auf den Mond, um 6.13 Uhr ist die Mitte der Finsternis mit 93,5 Prozent erreicht. Danach zieht sich der Kernschatten bis 7.52 Uhr zurück. Von uns aus kann das Spektakel bis maximal zum Monduntergang um 6.41 Uhr betrachtet werden. Weil der Mond so tief steht, sollte man sich vorab vergewissern, dass in westsüdwestlicher Richtung der Blick bis zum Horizont frei ist. Meist sind die Himmelsrichtungen vom Beobachtungsort aus bekannt, eine Kompass-Nadel zeigt
Halbschatten und danach in den Kernschatten der Erde ein. Während der Halbschattenphase, die von 3.22 Uhr bis 4.34 Uhr dauert, fällt noch ein Teil des Sonnenlichts auf den Mond. Der Halbschatten der Erde ist viel heller als sein Kernschatten. Dennoch ist es einen Versuch wert, nach der geringen Lichtschwächung des Vollmondes vor 4.34 Uhr Ausschau zu halten. Die Verfärbung während der Kernphase kann von grau bis kupferrot reichen. Das Farbenspiel hängt auch vom Staubgehalt der Atmosphäre ab. Die Horizontnähe der Finsternis lässt auf schöne Farben hoffen.
Robert Seeberger