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PH Vorarlberg: Neue Wege ins Klassenzimmer

29.08.2026 • 09:00 Uhr
PH Vorarlberg: Neue Wege ins Klassenzimmer
Frauenpower an der PH Vorarlberg: Vizerektorin Elisabeth Ostermann, Rektorin Elisabeth Haas und Vizerektorin Anne Frey (v.l.).Klaus Hartinger

Ein Jahr nach der Einführung des neu gestalteten Lehramtsstudiums für die Primarstufe an der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg zieht das Rektorat mit Rektorin Elisabeth Haas und den beiden Vizerektorinnen Anne Frey und Elisabeth Ostermann eine positive Zwischenbilanz.

Im Herbst 2025 startete an der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg ein neu gestaltetes Lehramtsstudium für die Primarstufe. Die auf sechs Semester verkürzte Bachelor- und vier Semester dauernde Masterausbildung verknüpft Theorie, Praxis und Forschung enger und soll angehende Volksschullehrkräfte besser auf die vielfältigen gegenwärtigen Herausforderungen des Schulalltags vorbereiten. Neben verpflichtenden Inhalten wie Inklusion, Mehrsprachigkeit, Digitalisierung und Demokratiebildung können die Studierenden eigene Schwerpunkte wählen. Ausgebildet werden sie weiterhin nach dem Klassenlehrerprinzip für alle Fächer der Volksschule.

Einzigartig in Österreich

Nach dem ersten Jahr zieht PH-Rektorin Elisabeth Haas eine positive Bilanz. „Es ist uns gelungen, dass alle Studierenden des Lehramts Primarstufe die neue Ausbildungsstruktur gewählt haben“, sagt sie. Während an anderen Hochschulen zunächst nur die Studienanfängerinnen und Studienanfänger in die neue Struktur wechselten, habe die PH Vorarlberg mithilfe von Äquivalenzlisten allen Studierenden den Umstieg ermöglicht. „Das ist einzigartig in Österreich“, betont Vizerektorin Elisabeth Ostermann. Dadurch habe ein Studienjahrgang früher in das Berufsfeld Schule eintreten können. „Wir konnten somit unseren Teil zur Entspannung der Situation des Lehrermangels beitragen.“

PH Vorarlberg: Neue Wege ins Klassenzimmer
Teamarbeit wird groß geschrieben: Frey, Haas und Ostermann. Hartinger

Gut angekommen

Die verkürzte Studiendauer komme bei den Studierenden gut an. Nach drei Jahren Bachelorstudium haben sie die Möglichkeit, in den Schuldienst einzusteigen und das zweijährige Masterstudium berufsbegleitend zu absolvieren. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Bildungsdirektion sowie den Schulleitungen seien dafür organisatorische Rahmenbedingungen geschaffen worden, damit sich Beruf und Studium miteinander verbinden lassen. Ab dem Studienjahr 2026/27 wird auch das Lehramt Sekundarstufe Allgemeinbildung auf die sechssemestrige Bachelor- und viersemestrige Masterausbildung umgestellt. Bisher waren es acht beziehungsweise vier Semester. „Mit dieser Studiendauer liegen wir nun im internationalen Vergleich gleichauf mit anderen Ländern“, so Haas. „Die Bologna-Konferenz hat diese Struktur von Anfang an empfohlen.“

Umsetzung gut gelungen

Eine Neuerung im Masterstudium sind zusätzliche Praktika an den Schulen. Dafür sind im Curriculum 20 ECTS-Anrechnungspunkte vorgesehen. Die Umsetzung in Zusammenarbeit mit den Vorarlberger Schulen sei besonders gut gelungen, ist das Rektorat stolz. Studierende, die bereits unterrichten, können dabei ihre eigene Unterrichtstätigkeit wissenschaftlich untersuchen und evaluieren. Die Forschungsvorhaben werden den Kolleginnen und Kollegen vorgestellt und gemeinsam diskutiert. Dadurch werde der eigene Unterricht kritisch reflektiert und weiterentwickelt. Das Ziel fasst die für die Praktika verantwortliche Katharine Rümmele mit dem Slogan „Den Unterricht von morgen forschend gestalten“ zusammen.

Tafel Lehrer Mangel
Der Lehrermangel bleibt in Vorarlberg eine Herausforderung. Neue

Verbessert

Auch die Verbindung von Theorie, Praxis und Forschung habe sich laut der Rektorin durch die Reform verbessert. Die pädagogisch-praktischen Studien wurden aufgewertet und können so noch mehr als curricular verankerte Entwicklungs- und Reflexionsräume dienen. Durch die enge Begleitung während der Praktika, die systematische Reflexion und die Förderung einer forschenden Haltung würden die drei Bereiche stärker miteinander verbunden. Entscheidend sei allerdings die konkrete Umsetzung. „Letztlich kommt es wohl darauf an, wie Ausbildnerinnen und Ausbildner den Zugang wählen und wie die Teacher Educators mit dem Berufsfeld Schule vertraut sind.“ Deshalb müsse sichergestellt werden, dass auch Dozierende mit eigener Schulerfahrung an der Hochschule unterrichten.

Rückmeldungen

Die Rückmeldungen der Studierenden seien insgesamt positiv, gleichzeitig aber differenziert. Besonders geschätzt werde die stärkere Verbindung zwischen den theoretischen Inhalten an der Hochschule und den Erfahrungen in den Schulen. Die begleitenden Lehrveranstaltungen würden als wichtige Räume für Reflexion und Austausch wahrgenommen. Positiv sei außerdem, dass Studierende ihre eigenen Entwicklungsziele und Interessen stärker einbringen könnten. Die neue Struktur stelle aber auch höhere Anforderungen an Eigenverantwortung und Reflexionsfähigkeit und werde teilweise als zeitlich herausfordernd erlebt.

PH Vorarlberg: Neue Wege ins Klassenzimmer
Gaben Einblick: Anne Frey, Elisabeth Ostermann und Elisabeth Haas. Hartinger

Nachbesserungsbedarf sieht Elisabeth Haas vor allem bei der Abstimmung zwischen Hochschule und Schule, bei der zeitlichen Koordination der begleitenden Lehrveranstaltungen und bei der Transparenz der Anforderungen. Teilweise wünschten sich die Studierenden zudem eine noch engere Verbindung zwischen den theoretischen Inhalten und der Praxis. Es gehe daher weniger um eine grundlegende Veränderung der neuen Studienpläne als um deren kontinuierliche Weiterentwicklung und Feinabstimmung. Die abschließenden Ergebnisse der Evaluierungen stehen noch aus, die Studierendenvertretung zeichne aber bereits ein sehr positives Bild.

PH Vorarlberg: Neue Wege ins Klassenzimmer
Ein Quereinstieg bleibt weiterhin möglich. Die Pädagogische Hochschule Vorarlberg in Feldkirch bietet dafür einen entsprechenden Hochschullehrgang an. Hartinger

Wahl- und Vertiefungsfächer

Ein Fünftel des Studiums kann individuell gestaltet werden. An der PH Vorarlberg stehen unter anderem Schwerpunkte in Deutsch als Zweitsprache und sprachlicher Bildung, Inklusiver Pädagogik sowie Religionspädagogik, Spiritualität und weltanschaulichem Dialog zur Auswahl. Ergänzend können die Studierenden aus verschiedenen Wahl- und Vertiefungsfächern wählen. Dazu zählen etwa mathematische Bildung, Sachunterricht, Bewegung, Sport und Gesundheit, Musik, Technik und Design, Kunst und Gestaltung, Digitale Bildung sowie Frühe Bildung. Ab dem Studienjahr 2027/28 sollen durch eine Kooperation mit der PH Wien/Niederösterreich außerdem weitere religionspädagogische Angebote ermöglicht werden.

Zwei jahre im amt

Elisabeth Haas, die seit 1. Oktober 2024 als Rektorin die Pädagogische Hochschule Vorarlberg leitet, blickt auf ihre ersten beiden Amtsjahre zurück. Sie habe „sehr motivierte junge Studierende“ kennengelernt und arbeite mit „engagierten Personen in Lehre und Verwaltung“ zusammen. Gemeinsam mit dem Leitungsteam und den Dozierenden seien neue Curricula für das Lehramt Primarstufe, die Sekundarstufe Allgemeinbildung und Berufsbildung, das Masterstudium Existenzielle Pädagogik sowie für die Weiterbildung entwickelt worden.
Ein Schwerpunkt ihrer Amtszeit war laut Haas die Vernetzung mit anderen Hochschulen, der Bildungsdirektion, dem Land, Gewerkschaften, der Schulpsychologie und der Wirtschaftskammer. Besonders stolz sei sie darauf, dass das Lehramt Sekundarstufe Berufsbildung durch eine Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Tirol weiterhin in Vorarlberg angeboten werden könne. Auch die Schulentwicklungsberatung wurde ausgebaut: Viele Schulen hätten die Angebote der PH Vorarlberg genutzt und Schulentwicklungsprozesse gestartet. Zudem wurden Forschungsprojekte in nationaler und internationaler Kooperation unter anderem zu Kinderschutz, Künstlicher Intelligenz, Kleinschulen, Sprachstandserhebungen und Leseförderung initiiert. Darüber hinaus wurde bereits zum zweiten Mal das österreichweite Projekt zu den Lebenswelten Jugendlicher durchgeführt.
Ab Oktober 2026 werden sechs institutsübergreifende Zentren eingerichtet: für digitale Entwicklung, Internationalisierung, Lehre, pädagogisch-praktische Studien, Schulentwicklungsberatung und Forschung. Haas will die Attraktivität des Lehrberufs weiter steigern, die Forschung ausbauen und die Zusammenarbeit mit den Schulen intensivieren.
Ihre bisherige Bilanz fasst sie mit den Schwerpunkten „neue Curricula, Kooperationen und Qualitätsmaßnahmen organisatorischer Strukturen“ zusammen.

Zwei Seminargruppen

Verlässliche Zahlen für das Wintersemester 2026/27 lagen zum Zeitpunkt dieses Artikels noch nicht vor, weil das Aufnahmeverfahren im Nebentermin erst Ende August stattgefunden hatte. Die PH Vorarlberg rechnet derzeit mit zwei Seminargruppen. Mehr Kapazitäten könnten aufgrund der personellen und organisatorischen Rahmenbedingungen ohnehin nicht angeboten werden. „Damit ist die Zahl der Studienplätze allerdings auch begrenzt – unabhängig davon, wie groß der Bedarf an Nachwuchs für den Lehrerberuf ist“, führt die Rektorin aus. Der Lehrermangel bleibt in Vorarlberg eine Herausforderung. Während sich die Situation in einigen Bundesländern bereits entspanne, zähle Vorarlberg weiterhin zu jenen Ländern mit Bedarf an Lehrkräften, berichtet Haas.

PH Vorarlberg: Neue Wege ins Klassenzimmer
Rektorat im Hörsaal: Vizerektorin Elisabeth Ostermann, Rektorin Elisabeth Haas und Vizerektorin Anne Frey (v.l.). Hartinger

Entscheidende Lebensphase

Ein Quereinstieg bleibt weiterhin möglich. Die Pädagogische Hochschule Vorarlberg in Feldkirch bietet dafür einen entsprechenden Hochschullehrgang an. Um mehr junge Menschen für den Lehrberuf zu gewinnen und sie langfristig im Beruf zu halten, brauche es aus Sicht der Rektorin aber nicht nur neue Ausbildungsmodelle. „Ich würde mir wünschen, dass sich das Ansehen und der Status des Lehrberufs in der Gesellschaft allgemein verbessern.“ Lehrerinnen und Lehrer vermittelten längst nicht mehr nur Wissen. Sie begleiteten Kinder über Jahre hinweg in einer entscheidenden Lebensphase, unterstützten sie bei ihrer persönlichen Entwicklung und prägten damit auch die Gesellschaft von morgen. „Kaum ein Beruf verbindet individuelle Entwicklung und gesellschaftliche Zukunft so unmittelbar wie der Lehrberuf.“