Mitten im September – ein jährlicher Neubeginn

Der Schulbeginn bringt nicht nur für Kinder und Familien einen neuen Rhythmus, sondern stellt auch die Arbeitswelt vor die Frage, wie viel Flexibilität Sorgearbeit braucht.
Die erste Woche des Schuljahres liegt hinter uns. Ob totaler Neuanfang oder routinierter Schritt in den Herbst: der zweite Montag im September ist für die etwa 70.000 Vorarlberger Kinder in Bildungseinrichtungen und ihre Familien ein Start, der sich alle zwölf Monate wiederholt. Für einige Mütter ist der Betreuungsbeginn übrigens gleichzeitig der Zeitpunkt des Wiedereinstiegs.
So betrachtet startet das Schuljahr und nicht Silvester den Jahreskreis.
Es würde mich sehr interessieren, an wie vielen Arbeitsplätzen dies ebenso so ist. Wo ist es möglich, im Herbst die Arbeitszeiten neu zu verteilen? Wo gibt es in der ersten Schulwoche Verständnis und Optionen für Urlaub oder Zeitausgleich von Eltern? Wo formen sich im September die Teams neu und finden in ihre Produktivität?
Ein sorgegerechter Arbeitsplatz bietet die Möglichkeit, dass sich rund um den Schulbeginn auch die Erwerbsarbeit neu kalibrieren kann. Stundenpläne, Betreuungszeiten und sich einpendelnde regelmäßige Freizeittermine geben ja nicht nur den Kindern einen neuen Rhythmus vor. Dies betrifft im klassischen Rollenmodell insbesondere Mütter, die sich dieser Faktoren sehr bewusst sind. Viele sorgepflichtige Frauen haben Angst, dass sie im Erwerbsleben auf Rahmenbedingungen treffen, die ihnen Flexibilität zu Ferienzeiten, Pflegefreistellung oder die Schulunterstützung ihrer Kinder verunmöglicht oder zu sehr einschränkt. Sie bleiben darum lieber ganz aus dem Arbeitsmarkt bzw. mit sehr wenigen Stunden im Job. Damit verzichten sie nicht nur auf eigenständige wirtschaftliche Absicherung, sondern auf lebenslange Entwicklungsmöglichkeiten.
“Wir brauchen Organisationen, die Müttern UND Vätern ermöglichen, Sorgearbeit zu übernehmen und damit umgehen können, dass ihre Mitarbeitenden gleichzeitig Menschen mit privaten Aufgaben sind.”
Lea Putz-Erath
Wir brauchen Organisationen, die Müttern UND Vätern ermöglichen, Sorgearbeit zu übernehmen und damit umgehen können, dass ihre Mitarbeitenden gleichzeitig Menschen mit privaten Aufgaben sind. Wir brauchen die Unternehmen und Arbeitgebenden, die laut und deutlich sichtbar machen, dass sie solche Optionen bieten. Es gibt sie. Immerhin haben 161 Vorarlberger Betriebe, in denen 20.000 Frauen und 24.000 Männer tätig sind, das Gütesiegel „Familienfreundlicher Betrieb“. Sie sollen aktive Vorbilder sein.
