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Er arbeitet dort, wo andere nicht einmal hinaufschauen wollen

25.09.2026 • 16:47 Uhr
Er arbeitet dort, wo andere nicht einmal hinaufschauen wollen
Sein Arbeitsplatz besteht aus Stahl, Funkgerät und einer Kabine hoch über der Baustelle. Stiplovsek

67 Meter über dem Boden gelten andere Regeln. Zsolt Nemeth (52) weiß genau, wann aus Routine ein Risiko wird. Mit exklusiven Drohnen-Aufnahmen von seinem Arbeitsplatz in schwindelerregender Höhe.

Warum braucht es hier auf der Baustelle so einen besonderen Kran?
Zsolt Nemeth: Der Hauptgrund ist die Größe der Baustelle. Wir haben viele schwere Bauteile zu bewegen, darunter Fertigteile, die bis zu zwölf Tonnen schwer sind. Der große Kran kann diese Lasten locker meistern. Natürlich wird die mögliche Last niedriger, je weiter draußen am Ausleger das Gewicht hängt. Ganz außen gehen noch etwa 6,6 Tonnen. Der Kran könnte also auf einmal fünf VW Golf um 140 Meter versetzen.

Er arbeitet dort, wo andere nicht einmal hinaufschauen wollen
67 Meter über dem Boden fühlt sich Zsolt Nemeth erstaunlich wohl. Ganz ungefährlich ist sein Arbeitsplatz trotzdem nicht. Stiplovsek

Worauf müssen Sie bei ihrer Arbeit am meisten achten?
Nemeth: Die Sicherheit ist das Allerwichtigste auf der Baustelle. Darum muss ich mit dem großen Kran etwas langsamer fahren, als es mit einem kleineren möglich wäre. Bei Windgeschwindigkeiten über 50 km/h wird es gefährlich. Wenn ein Gewitter ist, kann auch mal der Blitz in den Kran einschlagen. So etwas ist mir aber noch nie passiert.  

Er arbeitet dort, wo andere nicht einmal hinaufschauen wollen
Erst aus der Luft zeigt sich die Dimension der Messepark-Baustelle – mittendrin Nemeths Arbeitsplatz. Stiplovsek

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Von oben sehen Entfernungen vermutlich ganz anders aus. Wie behalten Sie den Überblick über die Baustelle und die Menschen am Boden?
Nemeth: Ich habe eine neue Brille (lacht). Ich habe immer eine Funkverbindung zum Boden. Wo das Trageseil an der sogenannten „Laufkatze“ vom Ausleger nach unten geht, ist eine Kamera installiert. So habe ich immer genau im Blick, was sich direkt unter der Last tut. Am wichtigsten ist aber unser gut eingespieltes Team. Ich habe tolle Kollegen!

Er arbeitet dort, wo andere nicht einmal hinaufschauen wollen
Von hier oben steuert Zsolt Nemeth tonnenschwere Lasten. Stiplovsek

Was war ihr bisher spannendster Einsatz?
Nemeth: In meiner Heimat Ungarn habe ich einmal einen 125 Meter hohen Kran führen dürfen, der beim Bau einer großen Brücke in Budapest zum Einsatz gekommen ist. 

Was für eine Ausbildung braucht man, um so ein Gerät bedienen zu dürfen?
Nemeth:
Dafür reicht ein normaler Kranschein für Turmdrehkräne. Natürlich ist auf einer neuen Baustelle immer eine kurze Einweisung notwendig, wenn man mit dem jeweiligen Modell nicht vertraut ist. Nach fünf bis sechs Jahren als Zimmermann habe ich mich für diese Zusatzausbildung entschieden.  Wenn ich in so einen Kran steige, fühlt es sich für mich so ähnlich an, wie wenn man ein neues Auto bekommen hat. Es ist ein riesengroßes Männerspielzeug und ich muss sagen, dass ich mich da oben, mit Ausblick bis zum Bodensee, richtig wohlfühle.