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Bibiza im ausverkauften Conrad Sohm: “Musik ist immer politisch!”

14.10.2026 • 15:35 Uhr
Bibiza Interview
Bibiza im Gespräch mit der NEUE vor seinem Auftritt im Conrad Sohm. Begle

Der Wiener Musiker Bibiza sprach vor seinem Auftritt im Dornbirner Conrad Sohm mit der NEUE über seine Liebe zur Livemusik, die schwierige wirtschaftliche Situation von Musikern, politische Botschaften und Vergleiche mit Falco.

Vom Hip-Hop-Künstler zum Frontmann einer Rockband: Der Wiener Musiker Bibiza hat sich in den vergangenen Jahren musikalisch neu erfunden. Am 13. Oktober gastierte er erneut im Dornbirner Conrad Sohm. Im Vorfeld sprach er mit der NEUE über seine musikalischen Anfänge, die Faszination des Wiener Nachtlebens und darüber, warum er lieber mit seinen Texten als mit politischen Reden Stellung bezieht.

NEUE Vorarlberger Tageszeitung: Erinnern Sie sich noch an Ihre erste bewusste Begegnung mit Musik?

Bibiza: Das war sicher, als ich drei, vier oder vielleicht fünf Jahre alt war. Im Auto von meinem Papa haben wir immer Musik gehört. Smashing Pumpkins, Green Day, Red Hot Chili Peppers, Eminem, solche Sachen. Später hatte ich einen kleinen iPod mit ungefähr 40 Liedern, die mir mein Bruder draufgeladen hatte. Irgendwann waren mir die zu wenig und ich habe angefangen, auf iTunes einzelne Songs um 1,29 Euro zu kaufen. Und natürlich habe ich auch viel Musik von YouTube heruntergeladen.

Bibiza Konzert
Bibiza bot dem Publikum eine erstklassige Show. Begle

NEUE Vorarlberger Tageszeitung: Früher verdienten Musiker mit Plattenverkäufen Geld, heute dominieren Streamingdienste. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Bibiza: Ich lebe hauptsächlich von Liveauftritten. Ich habe das Glück, dass das so gut funktioniert. Wenn es nicht funktionieren würde, müsste ich auch schauen, wie ich über die Runden komme. Streaming kann man eigentlich vergessen. Eine Million Streams auf Spotify bringen ungefähr 3500 Euro. Davon gehen noch Steuern, Anteile für Produzenten, Label und Management weg. Da bleibt nicht viel übrig. Dazu kommen Vertriebsdeals mit Vorschüssen, die erst zurückgezahlt werden müssen, bevor man seinen Anteil bekommt. Da muss man schon extrem viel streamen, damit sich das ausgeht.

NEUE Vorarlberger Tageszeitung: Sie sind mittlerweile mit einer Band unterwegs. Wie hat sich dadurch Ihr Verhältnis zur Bühne verändert?

Bibiza: Es macht einfach viel mehr Spaß. Man macht gemeinsam Livemusik, statt mit Playback aufzutreten. Wenn die Band gut ist, fühlt man sich auf der Bühne auch sicherer. Ich hatte zwischendurch wieder einmal einen Auftritt mit DJ, weil sich eine ganze Band finanziell nicht ausgezahlt hätte. Da haben mir die Leute links und rechts auf der Bühne schon gefehlt. Mit einer Band zu spielen, ist einfach viel wertiger.

Bibiza Konzert
Ausverkaufter Prachtclub beim Auftritt des Wiener Musikers. Begle

NEUE Vorarlberger Tageszeitung: Wie ist diese Band eigentlich entstanden?

Bibiza: Enzo Gaier, unser Gitarrist, ist derjenige, den ich am längsten kenne. Er hat mich beim Übergang vom Hip-Hop-Produzenten zum Gitarrenmusiker begleitet. Er ist ein Multitalent und kann eigentlich alle Instrumente spielen. Wir haben gemeinsam viel Musik gemacht, die immer gitarrenlastiger wurde. Für ein Releasekonzert haben wir dann innerhalb von drei Tagen eine Band zusammengestellt. Das ging wirklich sehr schnell. Ursprünglich dachte ich, ich mache das ein Jahr lang und gehe dann wieder zurück zum Rap. Aber im Entwicklungsprozess wurde ich vom Gegenteil überzeugt.

NEUE Vorarlberger Tageszeitung: Bedeutet die Band auch einen Abschied vom Hip-Hop?

Bibiza: Überhaupt nicht. Ich mache ja immer noch irgendwie Rap. Ich würde mich auch nicht als Vollblutsänger bezeichnen. Ich schreibe Texte und performe sie so, wie es für mich funktioniert. Früher war ich voll im Hip-Hop zu Hause. Da waren 808s angesagt und Bands waren uncool. Das war zumindest meine pubertierende Meinung damals. Aber dieser Gedanke ist mittlerweile verschwunden. Mit einer Band kann man eigentlich alles machen.

Bibiza Konzert
Bibiza hat seinen Gefallen an Auftritten in Vorarlberg gefunden. Begle

NEUE Vorarlberger Tageszeitung: Sie haben bereits mit Künstlern aus unterschiedlichen musikalischen Richtungen zusammengearbeitet. Wie wichtig sind Ihnen solche Kollaborationen?

Bibiza: Das macht extrem viel Spaß. Ich mache das sehr gerne, wenn es passt. Musikalisch kann das auch etwas ganz anderes sein. Viel wichtiger ist mir, dass ich mit dem Charakter der Person gut klarkomme. Wenn die Attitüde und das Rock ‘n’ Roll-Verständnis stimmen, kann man alles miteinander verschmelzen lassen. Auf meinen Alben wollte ich bisher allerdings immer meine eigene Geschichte erzählen. Deshalb habe ich dort keine Features zugelassen. Die mache ich lieber außerhalb meiner großen Projekte.

NEUE Vorarlberger Tageszeitung: Einige Ihrer musikalischen Wegbegleiter beziehen politisch deutlich Stellung. Wie politisch muss Musik Ihrer Meinung nach sein?

Bibiza: Musik ist immer politisch. Ich finde aber nicht, dass jeder Musiker auf der Bühne stehen und politische Parolen von sich geben muss. Ich finde es cool, wenn das gemacht wird, wenn es für die richtige Seite ist. Aber ich finde nicht, dass jeder, der einen kreativen Beruf hat, unbedingt zu allem eine Meinung äußern muss. Wenn man einmal damit anfängt, gerät man schnell in ein Hamsterrad, in dem man sich ständig zu allem äußern muss. Sonst wirkt es irgendwann nicht mehr schlüssig.

Bibiza Interview
Bibiza im Gespräch mit der NEUE. Begle

NEUE Vorarlberger Tageszeitung: Sie selbst halten sich mit politischen Ansagen eher zurück. Warum?

Bibiza: Ich glaube, dass ich in meiner Musik sehr politisch bin. Meine Texte sagen ziemlich genau, wie ich zu bestimmten Dingen stehe. Aber ich fühle mich auch noch ein bisschen zu jung, um auf der Bühne große politische Reden zu halten. Ich finde das manchmal sehr belehrend, wenn jemand mit Mitte oder Ende 20 den Messias spielt. Vielleicht verändert sich das, wenn ich älter werde. Wenn mich etwas akut beschäftigt oder stört, werde ich mich sicher auch dazu äußern. Aber alles, was erzwungen ist, kommt nicht authentisch rüber.

Bibiza Konzert
Die Fans erlebten ihren Star aus nächster Nähe. Begle

NEUE Vorarlberger Tageszeitung: Wien spielt in Ihren Liedern eine zentrale Rolle. Sie besingen Straßen, Plätze und das Nachtleben. Was bedeutet Ihnen diese Stadt?

Bibiza: Wien ist meine Heimat. Besonders beim Album „Wiener Schickeria“ war ich in einer Phase, in der ich das alles zum ersten Mal so richtig erlebt habe. Ich bin damals intensiv ins Nachtleben eingetaucht. Das war eine aufregende Zeit, alles war neu und frisch. Deshalb sind auch so viele Songs über bestimmte Straßen und Orte entstanden. Ich glaube, dass Musiker besonders inspiriert sind, wenn sie etwas zum ersten Mal erleben. Heute könnte ich dieses Album in dieser Form nicht mehr machen. Technisch schon, aber ich würde es nicht mehr so fühlen, weil mich diese Dinge nicht mehr so beschäftigen.

NEUE Vorarlberger Tageszeitung: In Wien erlebt auch das Wienerlied eine Renaissance. Würden Sie Ihre Musik als moderne Interpretation davon bezeichnen?

Bibiza: Auf jeden Fall. Es ist vielleicht ein bisschen poppiger und größer gedacht. Aber ich liebe das Wienerlied. Ich liebe zum Beispiel Georg Danzer.

NEUE Vorarlberger Tageszeitung: Ein anderer Wiener Musiker, mit dem Sie häufig verglichen werden, ist Falco. Wie gehen Sie mit diesen Vergleichen um?

Bibiza: Das ist mir komplett egal. Ich finde es sehr lustig und würde es als Kompliment sehen. Vielleicht sind es die schwarzen Haare. Ich habe definitiv Songs, die Falco sehr ähnlich sind. Aber ich habe noch viel mehr Songs, die überhaupt nichts mit ihm zu tun haben. Vor allem die neuen Sachen sind deutlich alternativer und grungiger, als Falco es je war. Wenn man die Vergleiche ziehen möchte, muss man eher das Album „Wiener Schickeria“ hernehmen.

Bibiza Konzert
Volles Haus im Prachtclub. Begle

NEUE Vorarlberger Tageszeitung: Sie haben bereits vor 8000 Menschen gespielt, mit dem Conrad Sohm stand wieder ein deutlich kleinerer Klub auf dem Programm. Was reizt Sie an solchen Auftritten?

Bibiza: In einem kleinen Klub ist alles viel lauter und direkter. Die Leute stehen 30, 40 oder 50 Zentimeter vor einem und schauen einen direkt an. Ich mag das sehr gerne. Natürlich muss man sich immer umgewöhnen. Beides hat Vor- und Nachteile. Unser letztes Album passt mit seinen großen Gesten, den Gitarren und dem Glamour eigentlich eher auf große Bühnen. Wir haben es uns ein bisschen wie ein Stadionalbum vorgestellt. Aber ich liebe auch diese kleinen, heißen und verschwitzten Konzerte. Da ist immer Abriss, Vollgas.

NEUE Vorarlberger Tageszeitung: Sie waren schon mehrfach in Vorarlberg zu Gast, unter anderem im Spielboden, beim Szene Openair und im Conrad Sohm. Wie gefällt es Ihnen hier?

Bibiza: Extrem geil. Schön. Ende der Welt und Mitte von Europa. (Lacht) Es ist wunderschön hier, mit dem Bach und der Natur. Wir waren auch in der Schlucht spazieren. Ich liebe Vorarlberg.

NEUE Vorarlberger Tageszeitung: Unterscheidet sich das Vorarlberger Publikum von Ihren Fans in Wien?

Bibiza: Eigentlich nicht. Die Stimmung ist überall ziemlich ähnlich. Früher hatten wir bei Tourneen immer drei, vier oder fünf Städte, in denen es besonders gut war. Bei dieser Tour waren die Leute aber überall extrem gut drauf. Ich freue mich auf Vorarlberg. Wir sind jetzt am Ende der Tour und haben noch drei Shows in Österreich. Ich habe sehr viel Bock!

Bibiza Support Act, Kevin Cool
Kevin Cool heizte als Support-Act die Gäste an. Begle

NEUE Vorarlberger Tageszeitung: Zum Abschluss: Mit welchem Künstler würden Sie gerne einmal zusammenarbeiten?

Bibiza: Ich würde gerne mit Faber einen Song machen. Ich glaube, das würde gut passen. Vielleicht passiert das ja irgendwann. Freddie Mercury wäre natürlich auch geil gewesen. Oder Billy Corgan von den Smashing Pumpkins. Es gibt so viele großartige Musiker. Ich finde auch Wanda und Bilderbuch nach wie vor sehr cool.

(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)