Feentanz zwischen nordischen Wäldern und Bündner Bergen

Der Chor „cantus firmus surselva“ und das Streichquartett „le phénix“ verbanden in einem fein verwobenen Konzert nordische Klänge mit rätoromanischen Weisen.
Seit jeher fühlen sich die Rätoromanen mit dem Norden verbunden. Warum weiß niemand. Ist es die Liebe zu den Bergen? Oder die Tiefe der Wälder? Die Melancholie oder doch die ausschweifenden Sommernachtsfeste?“ So sinnierend stellte Clau Scherrer für dieses Konzert ein fein gewebtes Programm zusammen, wo sein Chor vom exzellenten Streichquartett „le phénix“ mit Heidi-Maria Makkonen und Susanne Saksenvik (Violinen), Olivia Schenkel (Viola) und Mathias Kleiböhmer (Cello) begleitet wurde. Scherrer kombinierte dabei Musik aus dem Norden mit Musik seiner Bündner Heimat auf eine Art, dass ein Werk dem anderen die Hand gab, ein Klang in den anderen wechselte und eine Stimmung in die andere überging.
Zart und klangvoll
Nach einem gesprochenen Meditationstext, mit dem die Hörerschaft auf eine Fantasiereise ins waldige Feenland eingeladen worden war, eröffnete „cantus firmus surselva“ mit hellem, strahlkräftigen Chorklang das Konzert. Sauber ausgestimmt und in großen Bögen phrasierend machte der Chor gleich von Anfang klar, dass dieser Abend ein großer Genuss werden würde. Vom hinteren Teil der Apsis ausgehend, bespielte das Vokal-Ensemble schließlich den ganzen Altarraum in immer neuen Positionen und schaffte dadurch eine raffinierte optische Entsprechung zum raumgreifenden Klang. Nicht nur das Publikum war von den perfekt einstudierten, perfekt austarierten und perfekt vorgetragenen Chorwerken sofort in den Bann geschlagen, sondern auch die vier Streicher, die während ihrer Spielpausen die feine Chormusik sichtlich genossen.

Perfekte Übergänge
Perfekte Übergänge. Ohne ein einziges weiteres Anstimmen reichten sich nun die beiden Ensembles scheinbar mühelos die Stäbe dieses ausgeklügelten musikalischen Staffellaufes hin und her, musizierten immer wieder auch gemeinsam und Clau Scherrer agierte bei der Gesamtleitung stets nobel und zurückhaltend wie ein Klangmagier, der mit eleganten und nie aufdringlichen Gesten einen makellosen Chorklang wie aus einem imaginären Zauberhut herauszuziehen schien, den er unsichtbar vor sich aufs Pult gestellt hatte und den nur Menschen mit offenen Ohren und feiner Vorstellungskraft wahrnehmen können.
Und tatsächlich entspann sich so eine wunderbare Reise vom Norden in die Bergwelt Graubündens, von den nordischen Tonsetzern zu den Bündner Komponisten, vom nordischen Liederschatz zu den rätoromanischen Weisen. Das Publikum folgte dem ausgesteckten Weg fasziniert, ließ sich von der feinnervigen Streichermusik und vom satten Klang der Stimmen berühren und dankte am Ende unter den beschworenen Sternen („sut steilas“) mit großem Jubel und geschlossenen Standing Ovations. „Selten so einen eindrücklichen Abend miterlebt“, war den beglückten Gesichtern nach dem gut besuchten Konzert abzulesen.
Thomas Thurnher