222 Meter breit: Forscher entdecken neuen Krater auf dem Mond

Seit 2024 gibt es auf der erdzugewandten Seite des Mondes einen neuen „riesigen“ Krater.
Im Oktober letzten Jahres wurde am Mond ein bisher unbekannter heller Fleck, der von einem dunklen Ring umgeben war, gesichtet. Kürzlich wurde die Entdeckung im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlicht. Ein Krater mit Durchmesser von 222-Meter Größe bildet sich durchschnittlich einmal in 132 Jahren. Er ist gut 40 Meter tief und wurde vielfach als riesig beschrieben. Daher könnte man erwarten, ihn von freiem Auge oder zumindest mit einem Amateurteleskop zu sehen. Der neue Krater wurde nach dem amerikanischen Geologen und Planetenwissenschaftler Thomas R. McGetchin (1936–979) benannt. McGetchin erforschte Einschlagkrater am Mond und auf anderen Himmelskörpern. Zu seinen Ehren wurde auch ein circa 35 Kilometer großer Asteroid benannt. Die folgende Überlegung ist unrealistisch, da der Asteroid McGetchin im Hauptgürtel liegt und daher nie die Mondbahn kreuzen wird. Aber wenn er auf dem Mond einschlagen würde, wäre der neue Krater einfach mit Amateurgeräten zu sehen. Der 222-Meter-Krater bleibt jedoch unsichtbar. Auf der Website „photographytalk.com“ wird berichtet, dass ein Astrofotograf mit einem 35-Zentimeter-Teleskop (das ist ein ziemlich großes Amateurgerät) die Materialauswürfe, die sich über viele Kilometer erstrecken, als hellen Punkt abgelichtet hat.
Wo liegt McGetchin?
Der Mond zeigt uns immer dieselbe Seite. Er rotiert gleich schnell um die eigene Achse, wie er sich um die Erde dreht. Gestern war Neumond. Ab heute wird täglich mehr von der Osthälfte des Mondes sichtbar. McGetchin liegt auf 1,35 Grad Breite knapp über dem Mondäquator und bei 67,18 Grad östlicher Länge. Fernglas-Beobachter kennen das fast kreisrunde Meer der Gefahren (Mare Crisium). Seine Größe ist mit der Fläche Großbritanniens vergleichbar. Etwas südlicher davon in Äquatornähe liegt das weniger bekannte „Schäumende Meer“ (Mare Spumans) mit einer Fläche so groß wie die Steiermark. Unmittelbar östlich davon ist der neue Krater McGetchin.
Erkundungssonde
Der Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO), eine Erkundungssonde der Mondoberfläche, ist seit 2009 in Betrieb. Aus 50 Kilometer Höhe kann er kleinste Details festhalten. Spätestens seit 2012 sollten die Diskussionen, ob Menschen wirklich am Mond waren, verstummt sein. Damals lieferte die Sonde Aufnahmen der Relikte der Apollo-11-Mission, der ersten Mondlandung. Auf Bildern dieser Sonde gelang es dem Bildverarbeitungs-Spezialisten Robert Wagner, McGetchin zu entdecken. Aus älteren Vergleichsbildern konnte der Einschlag auf den Zeitraum zwischen dem 11. April und dem 22. Mai 2024 eingegrenzt werden. Den Einschlag hätte man wahrscheinlich als Lichtblitz beobachten können. Das Einschlagobjekt, ein Asteroid oder ein Komet, war so groß wie ein mehrstöckiges Wohnhaus. Ein Wärmemessgerät an Bord des LRO hat im Umkreis von über sechs Kilometern um den Einschlagpunkt um neun Grad niedrigere Temperaturen gemessen. Der Einschlag hat den Mondboden aufgelockert und daher kann die Wärme vom Mondinneren leichter entweichen.
Mondoberfläche im Wandel
Jährlich prasseln schätzungsweise 40.000 Tonnen kosmischer Staub und Meteoriten auf das Erde-Mond-System. Während die kleineren Teilchen in der Erdatmosphäre verglühen, hinterlassen sogar Staubkörner auf der Mondoberfläche ihre Spuren. Eine Analyse der LRO-Daten seit 2009 ergab, dass die obersten Zentimeter der Mondoberfläche alle 80.000 Jahre durch Auswurfmaterial völlig umgeformt werden. Sogar eine fehlgeleitete Raketenstufe schlug am 5. August am Mond auf und hinterließ einen rund 30 Meter großen Krater.
Robert Seeberger