Kommentar zur Lage der Nation: “Da schmilzt das Eis von meiner Seel’ …

Anlässlich des Nationalfeiertags ein paar Gedanken zur aktuellen Situation in der Alpenrepublik vom Chefredakteur der NEUE.
Wie von an Gletscher im April …“ Zeilen aus der inoffiziellen Nationalhymne „I Am From Austria“ von Rainhard Fendrich. Passend zum Nationalfeiertag, gleich auf mehreren Ebenen.
In Österreich sterben die Gletscher. Oder werden, wie bereits 2023 beim Rettenbachferner, abgetragen. Um den Auftakt des Ski-Weltcups in Sölden damals zu sichern, was zu massiven Protesten von Naturschützern führte.
Aktuell sorgen die Bilder aus dem Pitztal für Empörung, dort wird der Mittelbergferner mit einem Bagger malträtiert, um einen Notweg für den Skibetrieb zu sichern.
Auch in Vorarlberg ist man fleißig, wenn es um das „Beackern“ der Natur geht, oder besser um das schrittweise Entfernen von eigentlich ehern geltenden Passagen im Naturschutzgesetz.
Man kann über viel diskutieren und es bedarf vielerlei notwendiger Änderungen, damit wir uns im internationalen Wettbewerb nicht zu Tode reglementieren. Die Natur lässt sich aber ungern einschränken und angesichts der immer augenscheinlicher werdenden Auswirkungen des Klimawandels gilt hier besonders scharfes Augenmerk. Oder Augenmaß, mit Hausverstand.
Dieser scheint nämlich wie das Eis auf den heimischen Gletschern völlig verloren zu gehen. Kein Wunder, dass die Bevölkerung immer deutlicher die aktuelle Regierung ablehnt. Die Bürgerinnen und Bürger Österreichs fühlen sich schlichtweg enttäuscht. Zu viel wurde ihnen versprochen, zu wenig schnell wird umgesetzt, zu hoch ist der Druck von Inflation, schwindender Wettbewerbsfähigkeit, internationalem Vergleich, mangelnder Durchsetzungsfähigkeit und einem Alltag, in dem man ständig daran erinnert wird, wieso früher alles besser war.
Und da wäre sie wieder, die Frage nach Handlungsfähigkeit. Situationen wie jene in Dornbirn, als 13-jährige Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund und einem über 300 Delikte umfassenden Strafenkatalog, der nicht zu ahnden ist, Senioren krankenhausreif prügeln, macht uns das zurecht fassungslos. Wenn uns die Rechtsstaatlichkeit in solchen Fällen die Hände bindet, haben wir grundsätzliche Probleme, die weit über eine Herabsetzung von Strafmündigkeit, Umerziehungsfragen oder Abschiebung gehen.
Es ist nämlich eine Frage des Charakters, des Anstands und der Moral. „So sind wir nicht“ lautet ein inzwischen historisches Zitat unseres Präsidenten Alexander van der Bellen. Vielleicht aber schon?
Auch wenn die Lage der Nation am Nationalfeiertags in vielerlei Hinsicht kritisch betrachtet werden kann, möchte ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wiederum die Worte von Rainhard Fendrich als Abschluss dieser Zeilen mit auf den Weg geben, als ein unerschütterliches Bekenntnis zu unserer aller Heimat:
„Dei´ hohe Zeit
ist lang vorüber,
und auch die Höll´
hast hinter dir,
vom Ruhm und Glanz
ist wenig über,
sag´ mir wer zieht noch den Hut vor dir, außer mir.
I kenn´ die Leut´, i kenn´ die Ratten,
die Dummheit, die zum Himmel schreit,
i steh´ zu dir bei Licht und Schatten, jederzeit.“
(Rainhard Fendrich, “I Am From Austria”)