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Ein Bregenzer entwickelt ungewöhnlichen Schutz für den Ernstfall

03.11.2026 • 14:53 Uhr
Ein Bregenzer entwickelt ungewöhnlichen Schutz für den Ernstfall
Was auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, kann im Ernstfall entscheidend sein. Florian Deuring aus Bregenz setzt auf ein besonderes Schutzkonzept. Hartinger

Was im Mittelalter vor Angriffen schützen sollte, hat ein Bregenzer neu gedacht. Seine Erfindung kommt in überraschenden Berufen zum Einsatz.

Florian Deuring kann sich noch gut an den Moment erinnern, als sein Geschichtslehrer ihm in der Hauptschule das erste Mal vom Buckler, auch Faustschild genannt, erzählte. Ein kleiner Schild, meist mit einem Durchmesser von gerade einmal 30 bis 40 Zentimetern, wurde vom 13. bis ins 17. Jahrhundert zur persönlichen Verteidigung genutzt, um den Träger vor Angriffen aus dem Hinterhalt zu schützen. Deuring war schon damals von dem Konzept beeindruckt, hatte zu dem Zeitpunkt jedoch noch keine Ahnung, welche Bedeutung der Faustschild später in seinem Leben einnehmen würde.

Ein Bregenzer entwickelt ungewöhnlichen Schutz für den Ernstfall
Der Quickshield mit seinem historischen Vorgänger. Hartinger


Viele Jahre später, als der inzwischen erwachsene Kampfsportler mit einem Stock trainierte, erinnerte er sich an den Buckler aus dem Geschichtsunterricht: „In einer Hand führte ich den Stock für Angriffe und die andere war frei, um potenzielle Angriffe abzuwehren. Da kam mir die Idee zu einem modernen Faustschild“, erinnert sich Deuring.

Von Buckler zu Quickshield

Inzwischen wurde aus dieser Idee ein eigenes Geschäft. Dabei kann der Quickshield des Bregenzers bedeutend mehr als sein Vorgänger aus vergangenen Epochen. „Mir war gleich am Anfang bewusst, dass niemand mit einem zusätzlichen Schild am Gürtel umherlaufen möchte“, gibt Deuring zu bedenken. Deshalb dient sein Produkt auch gleichzeitig als kleine Tasche, in der sich Dinge wie etwa eine Taschenlampe, Geldtasche oder dergleichen verstauen lassen. Das Quickshield wird entweder als Umhängetasche oder am Gürtel beziehungsweise am Oberschenkel getragen. Mit Magneten wird es befestigt, damit es im Ernstfall schnell griffbereit ist.

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Deurings Erfindung findet auch Anwendung unter Sozialarbeitern oder Fahrkartenkontrolleure. Hartinger

Im Einsatz

Der Schild selbst besteht aus Polycarbonat mit Glasfaserverstärkung und ist innen gepolstert, um Schläge abzufedern. Während Deuring gegenüber der NEUE die Funktionen des Quickshields erklärt, wird schnell klar, dass es sich hierbei in erster Linie um ein Arbeitsgerät statt eines Produkts für den Ottonormalverbraucher handelt. Das zeigt sich auch beim Kundenstamm von Quickshield: „Dazu gehören Stadtpolizeien, Ordnungsamt, Finanzpolizei“, fällt dem Bregenzer ein. Dabei ist Quickshield auch offizieller Partner der Deutschen Polizeigewerkschaft Berlin. Aber auch weniger offensichtliche Berufsgruppen würden sich für seine Erfindung interessieren. Dazu gehören etwa Sozialarbeiter, Beamte beim Arbeitsamt, Fahrkartenkontrolleure oder Busfahrer. „Mir hat ein Kunde auch bereits berichtet, wie er einen attackierenden Hund mit dem Quickshield abgewehrt hatte. Ein andere hat im Rettungswagen eine Spritze damit zerstört“, erzählt Deuring und fügt hinzu: “Das macht mich dann stolz, zu wissen, dass der Schild gebraucht wird.”

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Quickshield wird teilweise bei der Polizei in Deutschland eingesetzt. Hartinger

Bei Privatpersonen knüpft Deuring seine Empfehlung allerdings an eine Voraussetzung: Sie sollten sich mit Selbstverteidigung beschäftigen und den Umgang mit dem Schild trainieren. Dazu können auch waffenaffine Menschen gehören. Entscheidend sei für ihn aber weniger das Interesse an Waffen als die Bereitschaft, sich auf mögliche Notwehrsituationen vorzubereiten. Wer Kampfsport betreibe oder entsprechende Kurse besuche, könne mit dem Hilfsmittel eher etwas anfangen. Eine pauschale Empfehlung für jeden Privatkunden will der Bregenzer daraus nicht ableiten.

Mit Erfahrung

Dabei spielt auch das unauffällige Erscheinungsbild eine Rolle. Eine Tasche in der Hand werde vom Gegenüber nicht sofort als Schutzausrüstung erkannt, erklärt Deuring. Das könne helfen, sich auf eine bedrohliche Situation vorzubereiten, ohne durch sichtbar bereitgehaltene Ausrüstung zusätzlich zu provozieren. Wie viel Schutz der kleine Schild tatsächlich bieten könne, hänge allerdings auch vom Können seines Trägers ab. „Es ist kein Panzer“, betont der Entwickler.
Für Menschen ohne intensivere Beschäftigung mit Selbstverteidigung bevorzugt Deuring eine andere Möglichkeit: eine leistungsstarke Taschenlampe mit Stroboskopfunktion. Solche Blendtaschenlampen hält er für den privaten Selbstschutz für geeigneter als etwa Pfefferspray. Das rasch blitzende Licht soll einen Angreifer vorübergehend blenden und dadurch eine Gelegenheit schaffen, sich zu entfernen. Im Gespräch betont er dabei auch, dass die Möglichkeit zur Flucht von der eigenen Beweglichkeit abhänge.

Ein Bregenzer entwickelt ungewöhnlichen Schutz für den Ernstfall
Florian Deuring im Gespräch mit der NEUE. Hartinger

Beim Schild versucht er, Schutzfunktion und Alltagstauglichkeit zusammenzubringen. Laut Produktbeschreibung misst der Schild der zivilen Ausführung 19 mal 19 Zentimeter. Die Hülle besteht aus widerstandsfähigem Cordura-Gewebe. Ein Schnelllösesystem am Schultergurt soll ermöglichen, die Tasche samt Schild rasch abzunehmen. Im Inneren lassen sich zusätzliche Taschen und Halterungen befestigen.

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Deuring erfuhr erstmals im Geschichteunterricht von Faustschildern. Hartinger

Bis aus dem Einfall ein solches Produkt wurde, waren mehrere Entwicklungsschritte nötig. Dabei half Deuring sein beruflicher Hintergrund in der Produktionstechnik. Mit Konstruktion, Maschinenbau und Fertigungsverfahren war er bereits vertraut. Die Idee besprach er außerdem mit Kontakten aus Polizei und Personenschutz. Eine besondere Herausforderung sei es gewesen, geeignete Betriebe für die Herstellung der anspruchsvollen Taschen zu finden.

Blick in die Zukunft

Für die weitere Entwicklung schaut der Bregenzer auch über den deutschsprachigen Raum hinaus. Im Gespräch nennt er etwa Polizisten ohne Schusswaffen in England und Ordnungskräfte in Schweden als mögliche Anwender. Dort sieht er Aufgaben, die jenen deutscher Ordnungsbehörden ähneln. Gleichzeitig beschäftigt ihn die Weiterentwicklung seines Produkts. Dass der kleine Faustschild künftig wieder einen festen Platz in der Schutzausrüstung finden werde, davon ist Deuring überzeugt.