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“Ohne Freiwilligkeit hätte man in Vorarlberg ein massives Problem“

05.11.2026 • 11:23 Uhr
"Ohne Freiwilligkeit hätte man in Vorarlberg ein massives Problem“
Auch Freiwilligenarbeit benötigt Koordination. Daniel Peter übernimmt diese Aufgabe beim Roten Kreuz in Vorarlberg. Rotes Kreuz Vorarlberg (2)

Ob Rettungsdienst, Feuerwehr oder Sportvereine: Ohne Ehrenamtliche würde in Vorarlberg vieles nicht funktionieren. Doch Freiwillige langfristig zu halten, wird zunehmend schwieriger. Daniel Peter vom Roten Kreuz erklärt, wie sich ihre Erwartungen verändert haben.

Heute ist der Internationale Tag des Freiwilligenmanagements. Dieser entstand 1985 durch ein kleines Komitee der Vereinten Nationen. Im Fokus stehen dabei nicht die Ehrenamtlichen selbst, sondern all jene Personen, welche Freiwillige und deren Arbeit im Hintergrund koordinieren und organisieren.

Einer von ihnen ist Daniel Peter, der seit 1998 beim Roten Kreuz Vorarlberg tätig ist. Heute leitet er den Bereich People & Culture und ist für das strategische und operative Personalmanagement der Freiwilligen, Zivildiener und Mitarbeiter im Freiwilligen Sozialjahr verantwortlich. Im Gespräch mit der NEUE erzählt er von seiner Arbeit, den Veränderungen im Ehrenamt und seinen Forderungen an die Politik.

Schnittstelle

“Ich erwarte, dass er sich engagieren will”, bringt Peter während des Gesprächs seine Erwartungshaltung an die Freiwilligen auf den Punkt. Es gebe viele Menschen, die sich freiwillig engagieren möchten, aber nicht wissen, in welchem Bereich. Peter empfiehlt, dass sich jeder, der dieses Gefühl verspürt, an eine Anlaufstelle wendet. “In einem Gespräch findest du heraus, ob es passt oder nicht. Passt es bei uns oder bei einer anderen Organisation?”

Ein Gespräch zeige dann mitunter, ob eine Person in den Rettungsdienst passt oder besser andere Aufgaben erfüllt. Eventuell zeige sich, dass er oder sie sich besser bei der Feuerwehr oder der Caritas einbringen kann. Das Rote Kreuz sei im Land gut vernetzt. Es gehen aber viele potenzielle Freiwillige verloren, da sie sich aus Unsicherheit nicht melden.

Seinen Job als Freiwilligenkoordinator beschreibt Peter als eine Schnittstelle zwischen den internen und externen Stellen. Dabei müssen seine Kollegen und er selbst stets im Blick haben, wie die Strategie der Freiwilligkeit aussieht, was sich in den folgenden Jahren voraussichtlich ändern wird und wo Themenschwerpunkte liegen. Der operative Teil fokussiert Themen wie Gewinnung und Weiterentwicklung von Freiwilligen. Das reiche von Informationsveranstaltungen über das Erstgespräch bis hin zur Vermittlung in die jeweilige Dienststelle und die dazugehörige Ausbildung.

Erwartungen im Wandel

Peter erklärt aber auch, dass es zunehmend schwieriger werde, Freiwillige langfristig zu halten. Im Laufe der Zeit hätten sich die Erwartungen verändert. Während früher ein jährliches Grillfest, eine gemeinsame Weihnachtsfeier und ein Ausflug als Zeichen der Wertschätzung wahrgenommen wurden, seien heute andere Aspekte wichtiger. Das Rote Kreuz achte zwar weiterhin auf Vorteile wie die kostenlose Nutzung der Infrastruktur, Punktesysteme und gemeinsame Unternehmungen, doch allein damit ließen sich die Freiwilligen nicht mehr binden. Mittlerweile stehen Fragen im Vordergrund wie: Wie kann sich jemand weiterentwickeln? Wie sind die persönlichen Rahmenbedingungen? Wie lässt sich das Engagement mit dem beruflichen und privaten Leben vereinbaren?

Dabei klingt erneut durch, was Peter bereits zu Beginn erläutert: Die richtige Person sollte am richtigen Platz eingesetzt werden. Mit wachsender Qualifikation steige auch die Verantwortung. Er nimmt sich und sein Team in die Pflicht: “Da muss man schon aufpassen, dass man den oder die Richtige zum richtigen Einsatz zieht. Auch wir müssen unsere Hausaufgaben machen. Wie setzen wir unsere Fahrzeuge ein? Welches Fahrzeug wird mit welchen Kompetenzen besetzt, damit jeder zum richtigen Einsatz fährt? Rettungssanitäter zum niederschwelligen Einsatz, Notfallsanitäter zum höherwertigen Einsatz, damit sie (die Freiwilligen) selbst motiviert sind.”

Junge Menschen mit Mehrleistungen

Im Durchschnitt leisten Freiwillige beim Roten Kreuz 20 Dienste pro Jahr. Einige junge Leute machen allerdings einmal pro Woche Dienst, vereinzelt sogar zweimal. Für Peter sei es schön zu sehen, dass viele nach dem Zivildienst oder dem Freiwilligen Sozialjahr weiterhin ehrenamtlich tätig sind. Das zeige, dass ihnen die Tätigkeit enorm viel Spaß mache. Peter betont aber auch: „Ohne Freiwilligkeit hätte man in Vorarlberg ein massives Problem an allen Ecken und Enden. Es ist egal, ob es um den Sport geht oder soziale Teile, Rettungsdienst, Feuerwehr, Pfadfinder.“

Peter richtet auch einen Appell an die Politik: „Freiwillige Leistungen müssen sichtbar gemacht werden beziehungsweise weiterhin sichtbar gemacht und öffentlich anerkannt werden.“ Zudem müsse der Dienst abgesichert werden. Als Beispiel nennt er freiwillige Nachtfahrten unter der Woche, bei denen die Unterstützung durch Freiwillige besonders wichtig sei. Kurzfristige Ausfälle könnten durch das bestehende Personal aufgefangen werden.

Zentrale Anlaufstelle

Anlässlich des Internationalen Tages des Freiwilligenmanagements sprach die NEUE auch mit der Servicestelle für Freiwilliges Engagement und Ehrenamt des Landes Vorarlberg. Diese hat sich in den vergangenen eineinhalb Jahren neu aufgestellt und wurde im Sommer 2025 in das Veranstaltungsmanagement integriert. Die Servicestelle bietet Information, Beratung und Hilfestellung bei organisatorischen, rechtlichen und praktischen Fragen. Darüberhinaus unterstütze sie bei Aufbau und Weiterentwicklung des Freiwilligenmanagements.

„Das Ehrenamt ist ein unverzichtbarer Pfeiler unserer Gesellschaft. Es verbindet Generationen, stärkt das Miteinander und trägt maßgeblich zur Lebensqualität in Vorarlberg bei. Über die Hälfte der Menschen in Vorarlberg engagiert sich ehrenamtlich. Mindestens genauso wichtig sind aber auch jene Personen, die im Hintergrund dafür sorgen, dass dieses Engagement überhaupt funktioniert. Freiwilligenarbeit findet nicht nur in Organisationen und Vereinen statt. Auch informelle, flexible und projektbezogene Formen des Engagements gewinnen zunehmend an Bedeutung und ermöglichen gesellschaftliche Teilhabe“, heißt es von Seiten der Servicestelle auf Anfrage der NEUE.

Die Bilanz der Neuorganisation fällt laut Servicestelle sehr positiv aus. Gleichzeitig entwickle sich das Freiwilligenmanagement laufend weiter. Neue Formen des Engagements, veränderte Erwartungen und der gesellschaftliche Wandel brächten Herausforderungen mit sich, bei denen die Servicestelle Unterstützung bieten möchte. Besonders wichtig seien dabei die Anerkennung der Freiwilligenkoordination, ausreichende Ressourcen und Weiterbildungsangebote. Auch die Möglichkeiten zur Vernetzung und zum gegenseitigen Austausch sollten weiter gestärkt werden.