Starker Preisunterschied: Warum sich der Blick über die Grenze für sie lohnt

Gleiche Drogeriekette, zwei Länder, ein Einkaufstag: Die Bregenzerin Klara Arslan hat mit der NEUE in Lindau und Hohenems eingekauft. Die Rechnungen zeigen, wie unterschiedlich die Preise einzelner Drogerieprodukte ausfallen
Zahnpasta, Waschmittel, Seife und Duschgel: Was im Einkaufswagen zunächst nach wenigen Euro aussieht, summiert sich an der Kasse schnell. Drogerieprodukte gehören zum regelmäßigen Einkauf. Gerade für Menschen im Vorarlberger Unterland ist der Weg über die deutsche Grenze oft nicht wesentlich weiter als die Fahrt zu einem Geschäft im eigenen Land. Doch macht es für die Geldbörse einen signifikanten Unterschied, auf welcher Seite der Grenze eingekauft wird? Die NEUE hat gemeinsam mit Klara Arslan aus Bregenz den Versuch gemacht. Die junge Mutter von zwei Volksschulkindern kaufte am selben Tag in zwei Filialen derselben Drogeriekette ein: bei Müller im Lindaupark und bei Müller in Hohenems.

Das Ergebnis fällt auf: In Lindau betrug die Rechnung 42,21 Euro, in Hohenems 49,50 Euro. Auf den ersten Blick sind das 7,29 Euro Unterschied – obwohl im deutschen Einkauf zusätzlich ein Universalreiniger um 2,79 Euro enthalten war, der in Österreich nicht erhältlich war.
Ein Blick auf die Bons
Zieht man den Universalreiniger von der deutschen Rechnung ab, bleiben dort 39,42 Euro. Ein vollständig identischer Warenkorb lässt sich daraus allerdings noch nicht ableiten: Auf den Bons stehen bei einem Kinderprodukt unterschiedliche Marken.

Für einen engeren Vergleich hat die NEUE deshalb jene 13 Produkte herausgegriffen, die sich anhand der Bonbezeichnungen einander zuordnen lassen. Die Papiertasche bleibt dabei außen vor. Für diese Auswahl wurden in Lindau 28,79 Euro bezahlt, in Hohenems 32,21 Euro. Das sind 3,42 Euro beziehungsweise rund zwölf Prozent mehr auf österreichischer Seite. Besonders deutlich war der Unterschied bei einem Tetesept-Kids-Sprudelprodukt: In Lindau kostete es 1,45 Euro, in Hohenems 1,95 Euro – ein Aufschlag von rund 34,5 Prozent. Fast gleich groß war die Differenz bei der Palmolive-Flüssigseife: 1,11 Euro in Deutschland standen 1,49 Euro in Österreich gegenüber, rund 34 Prozent mehr.
Der Blink-Geschirrreiniger kostete in Lindau 3,75 Euro, in Hohenems 4,95 Euro. Das entspricht einem Unterschied von 32 Prozent. Beim Nivea-Kids-Duschprodukt waren es 1,95 gegenüber 2,49 Euro, also knapp 28 Prozent mehr. Es ging aber auch andersherum: Die Aronal-Zahncreme kostete in Hohenems 3,95 Euro, in Lindau 4,45 Euro. Die Oral-B-Zahnbürste und das Shampoo von Wahre Schätze hatten auf beiden Rechnungen denselben Preis.
„Das wird mein Kaufverhalten beeinflussen“
Für Klara Arslan war das Ergebnis eine Überraschung. „Mir war bisher nicht bewusst, dass auch bei Drogerieprodukten der Preisunterschied zwischen Österreich und Deutschland so hoch ist“, sagt die Bregenzerin. „Ich bin früher schon gelegentlich nach Deutschland gefahren, um günstigere Lebensmittel zu kaufen. Aber bei Drogerieprodukten war mir die Differenz noch nicht bewusst. Das wird in Zukunft mein Kaufverhalten definitiv beeinflussen.“
Ob sich eine eigene Fahrt nach Deutschland lohnt, hängt allerdings nicht allein vom Preis auf dem Kassabon ab. Wer ohnehin im Nachbarland unterwegs ist oder nahe an der Grenze wohnt, kann einen Preisvorteil leichter nutzen. Bei einer zusätzlichen Fahrt müssen auch Fahrtkosten und Zeit berücksichtigt werden.
AK-Vergleich bestätigt Preisgefälle
Der Einkauf der NEUE ist eine Momentaufnahme in zwei Filialen. Dass gleiche Markenprodukte in Österreich häufig mehr kosten, zeigt aber auch eine aktuelle Erhebung der Arbeiterkammer Wien. Sie verglich Anfang Oktober 97 idente Drogeriewaren in österreichischen und deutschen Super- und Drogeriemärkten. Der österreichische Warenkorb kostete im Durchschnitt 535,52 Euro, der deutsche 438,70 Euro. Das entspricht einem Aufschlag von 22,1 Prozent. Von den 97 Produkten waren 83 in Österreich teurer, zwölf günstiger und zwei gleich teuer.

Die Preisunterschiede sind seit Langem bekannt. Bereits 2018 berichtete die AK bei 108 identen Drogeriewaren in Wien und München von einem Aufschlag von durchschnittlich rund 41 Prozent. In späteren Erhebungen fielen die veröffentlichten Warenkorbwerte meist niedriger aus; 2024 lagen sie allerdings höher als 2023. Da sich die Auswahl der Produkte und Geschäfte über die Jahre verändert hat, lässt sich daraus keine exakte Entwicklung für einen gleich gebliebenen Einkauf ablesen.
Warum sind die Preise unterschiedlich?
Eine häufig genannte Erklärung sind höhere Einkaufspreise für österreichische Händler. Österreich ist ein kleinerer Markt, die abgenommenen Mengen können geringer sein als in Deutschland. Wie stark sich das bei einem einzelnen Produkt auswirkt, lässt sich aus den Kassenbons jedoch nicht erkennen. Hinzu kommen mögliche Beschränkungen beim Einkauf: Händler können Markenwaren nicht immer dort in Europa beziehen, wo sie am günstigsten sind. Die AK fordert deshalb Regeln gegen ungerechtfertigte territoriale Lieferbeschränkungen. Auch Kosten für Personal, Standorte, Transport und Lagerung sowie die Wettbewerbssituation können bei der Preisgestaltung eine Rolle spielen.

Ein Teil des Unterschieds liegt bei gewöhnlichen Drogeriewaren in der Umsatzsteuer: Sie beträgt grundsätzlich 20 Prozent in Österreich und 19 Prozent in Deutschland. Bei gleichem Nettopreis würde das den österreichischen Endpreis allerdings nur um rund 0,84 Prozent erhöhen. Die Differenzen bei Seife, Geschirrreiniger oder Kinderprodukten sind damit allein nicht erklärt. Für Klara Arslan steht nach dem Vergleich jedenfalls fest, dass sie künftig genauer auf die Preise achten wird und beim nächsten Einkauf in Deutschland wohl auch einen Blick ins Drogerieregal wirft.