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Ein Bauernhof und viele Ideen

06.06.2020 • 19:12 Uhr / 7 Minuten Lesezeit

So vielseitig wie der Besitzer ist auch der Dorner Hof in Sibratsgfäll.

Den Bewohnern des Bregenzerwaldes wird nachgesagt, dass sie innovativ und gleichzeitig traditionsbewusst sind. Sie gelten als eigenständig, geradlinig und stolz auf ihre Wurzeln. Eine Beschreibung, die auf den Sibratsgfäller Markus Dorner perfekt zutrifft.
„Der Bregenzerwald ist ein Juwel. Die Region hat gut funktionierende Strukturen und ist damit sehr gut gegen Krisen gewappnet“, sagt der 43-jährige Unternehmer über seine Heimat.

Firmen und Vereine können Exkursionen buchen. Diese dauern rund 2,5 Stunden. <span class="copyright">Hartinger</span>
Firmen und Vereine können Exkursionen buchen. Diese dauern rund 2,5 Stunden. Hartinger

Als Dorner den Hof vor knapp 20 Jahren von seinen Eltern übernahm, war der Betrieb auf Milchwirtschaft ausgerichtet. Gemeinsam mit seiner Frau Tanja traf er den Entschluss auf die Produktion von hochqualitativem Fleisch umzustellen. „Milch ist im Überfluss da. Der Markt ist völlig übersättigt. Außerdem ist der Direktvertrieb bei Milch sehr schwierig“, begründet der Bregenzerwälder die Entscheidung.

<br>Markus und Tanja Dorner führen den Hof in vierter Generation. <span class="copyright">Hartinger</span>

Markus und Tanja Dorner führen den Hof in vierter Generation. Hartinger

Artgerechte Haltung

Aktuell sind rund 25 Rinder der Rassen Charolais, Fleckvieh, Tuxer, Limousin, D´Aquitain und Holstein Friesian auf dem Dorner Hof. Sie weiden auf den saftigen Wiesen entlang der Subersach. Im Winter sind die Tiere in einem geräumigen Laufstall untergebracht und werden ausschließlich mit Heu von den eigenen Weiden gefüttert. Sie werden artgerecht und nach den strengen Regeln der ökologischen Landwirtschaft gehalten.

Viel Wert wird auch auf eine professionelle und möglichst stressfreie Schlachtung gelegt. Die Bio-Fleisch-Pakete sowie Wurstwaren, etwa Salami und Kaminwurzen, werden direkt ab Hof an Private oder an die gehobene Gastronomie vertrieben. „Die Konsumenten sind begeistert“, freut sich Dorner über viele positive Rückmeldungen und ergänzt: „Wir haben die Umstellung von Milch auf Bio-Fleisch bis dato nicht bereut.“

Kräutergarten: Für eine Teeproduzentin werden Bio-Kräuter angebaut. <span class="copyright">Hartinger</span>
Kräutergarten: Für eine Teeproduzentin werden Bio-Kräuter angebaut. Hartinger

Die Bio-Zertifizierung erfolgte kurz nach der Übernahme des Hofes durch Markus und seine Frau Tanja. Dabei hatten seine Eltern Josef und Gertrud Dorner bereits viel Vorarbeit geleis­tet. „Es war ein Leichtes für mich den Betrieb umzustellen, da meine Eltern bereits seit 15 Jahren nach ökologischen Standards gewirtschaftet haben“, berichtet der Hausherr stolz.

Fahrbarer Hühnerstall

Sehr gefragt sind auch die Bio-Eier vom Dorner Hof. Sie stammen von 220 Hühnern, die gemeinsam mit fünf Hähnen in einem mobilen Hühnerstall untergebracht sind. „Dabei handelt es sich um ein ausgeklügeltes, autarkes System, das mit einer Photovoltaik­anlage ausgestattet ist“, erklärt Tanja Dorner. Das „Hühnermobil“ wird jede Woche umgestellt, sodass die Hühner stets Zugang zu frischem grünen Gras haben. Die Bio-Eier aus Sibratsgfäll sind im Hofladen erhältlich und werden zu Nudeln oder Eierlikör verarbeitet. In der von Bruder August geführten benachbarten Bäckerei Dorner sind die Hühnereier ebenfalls eine wertvolle Zutat. Unter anderem kommen sie in den Teig der köstlichen Hildegard-Gewürzkekse, die im ganzen Land bekannt sind.

Bauernhof für Interessierte

Kräftig investiert wurde in den vergangenen Jahren nicht nur in das Hühnermobil – Kostenpunkt rund 40.000 Euro – sondern auch in den Aus- und Umbau von drei Ferienwohnungen. Mit Dienstleistungen wie „Schule am Bauernhof“ sowie Führungen für Betriebe und Vereine möchten die Dorners Interessierten das Thema nachhaltige Landwirtschaft näherbringen.

Markus Dorner (43) Tanja Dorner (41) wohnen mit ihren beiden Kinder Leonie (11) und Noah (8) in Andelsbuch. <span class="copyright">Hartinger</span>
Markus Dorner (43) Tanja Dorner (41) wohnen mit ihren beiden Kinder Leonie (11) und Noah (8) in Andelsbuch. Hartinger

Energie aus und für Sibratsgfäll

Ein weiteres Standbein der Familie Dorner ist die Energieerzeugung. Seit 2011 ist auf dem Anwesen ein privates Biomasseheizwerk in Betrieb. Elf Objekte, darunter die Sennerei, das Gemeindeamt und die Schule, werden mit Energie aus dem Dorner Hof versorgt.
„Das Material dafür stammt zu 100 Prozent aus Sibratsgfäll. Der Umkreis erstreckt sich auf fünf Kilometer. Die Wertschöpfung bleibt somit im Dorf“, erklären die Betreiber. In Arbeit ist derzeit ein Gewächshaus, das mit der Abwärme des Heizwerks ganzjährig betrieben werden kann. Im Laufe des Sommers soll weiters eine Photovoltaikanlage auf dem Hof und dem Heizwerk errichtet werden. Das Projekt wird durch eine Bürgerbeteiligungsaktion finanziert. Eigener Bienenhonig und Bio-Kräuter, die eigens für eine Tee-Produzentin angebaut werden, runden die Produktpalette ab.

Familie packt mit an

Angesichts dieser Vielfalt überrascht es, dass Tanja und Markus Dorner Nebenerwerbsbauern sind. Markus ist Inhaber eines Beratungszentrums für Finanzdienstleis­tungen in Egg mit Schwerpunkt Versicherungen, Veranlagungen und Finanzierung. Tanja arbeitet dort als Buchhalterin und im Bereich Rechnungswesen. Um den steigenden Anforderungen auf dem Hof gerecht zu werden, wurde vor eineinhalb Jahren Marc Beck als Partner mit ins Boot geholt. Glücklicherweise ist der Familienzusammenhalt groß und so helfen neben den Eltern auch noch die beiden Brüder August und Bernhard mit, wenn Not am Mann ist.

<br>Mit Marc Beck hat sich Familie Dorner einen Partner mit ins Boot geholt. <span class="copyright">Hartinger</span>

Mit Marc Beck hat sich Familie Dorner einen Partner mit ins Boot geholt. Hartinger

Auf dem Dorner Hof sind auch in den nächsten Jahren Neuerungen geplant. Über die Pläne für die Zukunft hält man sich allerdings noch bedeckt. Bei jedem neuen Projekt wird genau hinterfragt, ob dieses zu den Prinzipien des landwirtschaftlichen Betriebs passt: „Es muss ökologisch und biologisch sein, enkeltauglich und krisenstabil“, skizziert Markus Dorner. Seiner Meinung nach wäre es sehr wichtig, dass in Vorarlberg in Zukunft wieder eine breitere Landwirtschaft betrieben wird. „Mein Wunsch an die Politik wäre, dass man wieder damit beginnt Vielfältigkeit zu fördern“, appelliert er an die Verantwortlichen. Viel Wissen sei verloren gegangen, weil jahrelang nur die Milchproduktion gezählt habe, ist sich der 43-Jährige sicher.