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“Es geht wieder aufwärts”

07.07.2020 • 06:00 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Georg Knill setzte sich in einer Kampfabstimmung als IV-Präsident durch. <span class="copyright">Hartinger</span>
Georg Knill setzte sich in einer Kampfabstimmung als IV-Präsident durch. Hartinger

IV-Präsident Georg Knill stand bei Ländle-Besuch Rede und Antwort.

Sie sind in Vorarlberg beim Sommerempfang der Industriellenvereinigung und bei deren Präsident Martin Ohneberg zu Gast. Haben Sie mit ihm schon eine Friedenspfeife geraucht?

Georg Knill: Es hat nie eine „Kriegspfeife“ gegeben, wenn man das so nennen kann. Ich kenne Martin Ohneberg seit über 20 Jahren aus der Jungen Industrie. Wir haben schon viel gemeinsam gemacht und in den vergangenen vier Jahren schon intensiv im Bundesvorstand miteinander gearbeitet. Wir hatten eine Wahlauseinandersetzung, die mit dem bekannten Ergebnis geendet hat. Ich habe mich mit Martin Ohneberg in der vergangenen Woche in Wien getroffen und er hat mich dankenswerterweise nach Vorarlberg eingeladen. Wir arbeiten gemeinsam an den großen Herausforderungen, die vor uns liegen, und wir ziehen an einem Strang.

Die Kampfabstimmung wurde zum Thema der öffentlichen Debatte, weil es die erste seit langer Zeit war. Macht aber nicht genau dieser Wettbewerb der Ideen das Unternehmertum aus?

Knill: Der Prozess war für die Organisation gut und wertvoll. Es war mit Abstand die demokratischste Wahl, die die Industriellenvereinigung in ihrer 160-jährigen Geschichte erlebt hat. Alle Beteiligten – auch die Mitglieder des Bundesvorstandes – haben sich mit der Zukunft der Organisation und des Wirtschaftsstandortes Österreich ausei­nandergesetzt. Somit war es ein guter Prozess und wir werden versuchen, das auch in die Statuten zu übernehmen. Denn das tut der Organisation gut.

Zur Person

Georg Knill wurde am 2. Jänner 1973 in der Steiermark geboren, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Im Juni wurde er zum Präsident der österreichischen Industriellenvereinigung gewählt. Seit 2007 ist er geschäftsführender Gesellschafter der Knill Gruppe. Die Geschichte des Familienbetriebs reicht über 300 Jahre zurück. Zur Gruppe gehört auch das Schlinser Unternehmen Lorünser.

Wie sehen Sie die Zukunft der IV?

Knill: Die Stärke und Kraft der IV liegt in der Überparteilichkeit und in der Freiwilligkeit. Unsere Mitglieder engagieren sich aus Überzeugung. Solange wir bundesweit mehr als 4500 Mitglieder haben, wird es eine starke und kraftvolle IV geben.

Auf welche Schwerpunkte setzen Sie?

Knill: Es war immer ein zentrales Ansinnen, einen starken, wettbewerbsfähigen Standort Österreich zu haben. Dazu gehören viele Teilbereiche, wie etwa die Bildung. Wir brauchen qualifizierte Fachkräfte, Innovation und Technologie. All diese Bereiche sind in unseren inhaltlichen Themensettings der nächsten Jahre enthalten.

Bei der Präsidentenwahl sind drei Männer gegeneinander angetreten. Wann wird es die erste Frau an der Spitze der IV geben?

Knill: Das wird wahrscheinlich noch ein bisschen dauern, wobei es nicht um die Frage des Geschlechts geht, sondern um das Paket im Ganzen. Wir beschäftigen uns in der Industriellenvereinigung schon seit Jahren mit dem Thema, wie wir mehr Frauen in technische Berufe bekommen. Wir brauchen in den Unternehmen eine starke Basis, damit Frauen auch verstärkt in Führungspositionen kommen. Wenn das erreicht ist, wird sich automatisch die Frauenquote in Aufsichtsratsgremien oder auch bei uns in den Gremien erhöhen. Das ist ein Prozess, den wir aktiv mitgestalten und der uns wichtig ist. Nur eine Quote zu fordern, ist zu wenig, wir müssen am System arbeiten.

Georg Knill (Bildmitte) mit seinen Vizepräsidenten Philipp von Lattorff und Sabine Herlitschka. <span class="copyright">APA</span>
Georg Knill (Bildmitte) mit seinen Vizepräsidenten Philipp von Lattorff und Sabine Herlitschka. APA

Ein bedeutendes Thema ist die Corona-Pandemie und die daraus folgende Wirtschaftskrise. Wie kommt man wieder aus diesem Tal heraus?

Knill: Die Gesundheitskrise hat zu einer globalen Wirtschaftsrezession geführt. Für heuer wird ein Wirtschaftsrückgang von vier Prozent erwartet – in Österreich sind es 7,6 Prozent. Das „Erfreuliche“ ist, dass der Tiefpunkt der Krise hinter uns liegt. Wir haben das „Tal der Tränen“ durchschritten und es geht wieder aufwärts. Allerdings wird der Aufschwung deutlich länger dauern als der Abschwung. Es wird wahrscheinlich zwei, drei Jahre dauern, um wieder auf das Niveau von 2019 zu kommen. Für die stark exportorientierte österreichische Industrie ist die Reisefreiheit ein zentrales Element – nicht nur in Europa, sondern auch gegenüber Drittstaaten wie den USA, China, Russland oder Japan. Da sehen wir, dass die Gesundheitskrise bei Weitem noch nicht eingedämmt ist. Über den Sommer müssen wir daher immer noch mit eingeschränkten Reisemöglichkeiten rechnen. Wir kommen nicht zu unseren Kunden und unsere Kunden kommen nicht zu uns. Das ist hinderlich für einen rascheren Aufschwung.

In diesem Zusammenhang wird oft über das Thema Digitalisierung gesprochen. Welche Rolle spielt aber der persönliche Kontakt?

Knill: In der Organisation selbst, aber auch in täglichen Geschäftsbeziehungen ist der persönliche Kontakt unumgänglich. Man sieht ja auch, dass sich die Menschen nach mehreren Wochen und Monaten im Homeoffice nach dem persönlichen Austausch sehnen. Natürlich hat die Digitalisierung jetzt einen Schub erlebt, aber das direkte Gespräch wird nie ersetzt werden. Wir sind soziale Wesen und brauchen den sozialen Kontakt.

Die Politik muss auch Unbequemes tun.

Georg Knill, IV-Präsident

Welche Lehren kann man aus der Krise ziehen?

Knill: Man sieht, was aus der Not heraus plötzlich alles möglich ist – Distance-Learning beispielsweise. Das war komplettes Neuland. In anderen Ländern ist das der Regelbetrieb. In Österreich hat es jetzt bei der Digitalisierung einen Schub gegeben, aber es braucht noch mehr. Denn gemessen am europäischen Digitalisierungsindex Desi („Digital Economy and Society Index“) sind wir nur Mittelmaß und wir müssen in die Top-Liga kommen. Wir brauchen auch einen wesentlichen Schub im „digitalen Amt“, also in der Verwaltung.

Ist da auch die Politik gefordert, die langjährige Forderung der IV nach einer effizienteren Verwaltung umzusetzen?

Knill: Es muss jetzt an zwei zentralen Stellrädern gedreht werden. Es braucht ein investitionsgetriebenes Wachstum. Hier hat die Bundesregierung erste wichtige Schritte gesetzt. Der zweite Bereich ist die Effizienz. Wir verstehen unter Effizienz nicht die Einschränkung des Leistungsspektrums, sondern mit deutlich weniger Mitteln soll der gleiche Output erzielt werden. Es gibt verschiedenste Studien, die aufzeigen, dass es ein enormes Potenzial gibt, in der Verwaltung effizienter zu werden. Die Umsetzung ist aber keine bequeme Aufgabe. Allerdings muss die Politik auch Unbequemes tun. 

Wie zuversichtlich blicken Sie in die Zukunft?

Knill: Da referenziere ich auf meine eigene Unternehmensgeschichte. Ich bin in zwölfter Generation für ein Familienunternehmen tätig, das bereits über 300 Jahre lang in Österreich aktiv ist. Wir haben damals Schwerter für die K.-u.-k.-Monarchie geliefert und heute machen wir optische Glasfaseranlagen. Wir haben also in diesen 300 Jahren bei vielen Krisen durchaus gewisse Transformationen erfolgreich bewältigt. Von daher sehe ich Österreich und vor allem die österreichische Industrie extrem gut aufgestellt. Denn diese hat ebenfalls schon viele Transformationen zum Wohle und Wohlstand der Menschen durchgemacht.

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