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Gegenseitige Inspiration und Raum für Tischler

10.10.2020 • 19:18 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die sechs Tischler des Comaking Space. Die Küche aus Beton und Holz hat Werner Tauscher (r.) mitentwickelt.<span class="copyright"> Klaus Hartinger</span>
Die sechs Tischler des Comaking Space. Die Küche aus Beton und Holz hat Werner Tauscher (r.) mitentwickelt. Klaus Hartinger

Strukturen müssen flexibler sein, dachte sich Werner Tauscher.

Als sich der Tischler Werner Tauscher wieder einmal mit seinem Geschäftspartner Andy Keel zusammensetzte, brüteten sie gemeinsam über zwei Herausforderungen: Zum einen brauchten sie zum Bau von Küchen oder Innenausbauten regelmäßig einen großen Maschinenpark – der nach Ende des Auftrags aber erst einmal wieder ungenutzt herumstand und kostete. Zum anderen zogen sie teils Großprojekte an Land, für deren Umsetzung sie weitere Tischler benötigten – aber erst einmal nur für dieses Projekt.
Ein flexibleres Beschäftigungsmodell und eine gemeinsame Nutzung der Infrastruktur schienen als Lösung auf der Hand zu liegen. Also tüftelten Tauscher und Keel an ihrem nächsten gemeinsamen Großprojekt. Es wurde das „Comaking Space“ im Dornbirner Industriegebiet Bobletten.

Räumlichkeiten

Derzeit teilen sich dort sechs Schreiner die Räumlichkeiten. „Die Stadt hat diese Produktionshalle an mich vermietet“, erklärt der 47-jährige Tauscher. Mit seiner Firma Timberline Wood Works ist er der Hauptmieter, die fünf weiteren Tischler mit ihren Firmen, darunter eine Tischlerei der Bregenzer Festspiele, sind Untermieter.
Rote Linien auf dem Boden erinnern ein kleines bisschen an Turnhallen und markieren jeweils 40 Quadratmeter Fläche in der Halle. Diese Bankräume dienen den eingemieteten Handwerkern als Fläche unter anderem für den Zusammenbau von Möbelstücken. Es gibt einen neu eingerichteten Lackierraum für sämtliche Lack- und Oberflächenbehandlungen sowie einen Deckenkran, mit dem große Holzplatten oder andere schwere Gegenstände quer durch die Halle bewegt werden können. Neben der Anlieferung ist auch die Auslieferung ein gemeinsamer Bereich.

Tauscher hat das Konzept des Comaking Space ausgeklügelt – und den Überblick. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Tauscher hat das Konzept des Comaking Space ausgeklügelt – und den Überblick. Klaus Hartinger

Wer hier arbeitet, ist in ständigem Austausch, von Expertise, ebenso aber auch von Arbeitskraft. „Wir treffen uns einmal im Monat. Da sagen dann alle, was für Einzel- und Großprojekte bei ihnen anstehen und wer dafür noch zusätzlich Arbeitskräfte braucht beziehungsweise wer umgekehrt seine Arbeitskraft anbieten kann. Wir lassen hier niemanden im Regen stehen“, beschreibt der Ideengeber die Atmosphäre beim Comaking Space.
Während das Coworking sich im Büroalltag als Geschäftsmodell bereits fest etabliert hat, ist Tauscher mit seinem Kollegen im handwerklichen Bereich noch Vorreiter.

Kontakte und Material

Dennoch funktioniert das Modell auch in seinem Bereich. Gewisse Maschinen gibt es bei ihm in zweifacher Ausführung. Arbeiten an der CNC-Fräse muss der jeweilige Tischler vorher ankündigen. Der zuständige Schreiner von Tauschers Firma Timberline Wood Works kann die Fräse entsprechend bedienen und führt die Arbeiten dann aus. „Wobei wir intern andere Stundensätze abrechnen als die, die wir nach außen geben.“
Der Höchster versteckt seine Preise nicht, 1500 Euro kostet die Miete den eingemieteten Tischler im Monat. Dafür kann er seinen Bankraum individuell bestücken, Kantenleimer, sämtliche Kleingeräte, Deckenkran, Spritzraum nutzen. Und die Chance der Vernetzung ergreifen, um sich nicht nur fachlich, sondern auch menschlich weiterzuentwickeln. Vorteile bringt zum Beispiel rein finanziell der gemeinsame Materialeinkauf. Darüber hinaus können Gründer in der Startup-Phase durch eine Ko­operation mit der Firma Startupland begleitet werden.

Björn Weratschnig (r.) bei der Feinarbeit. Er schätzt das Arbeiten im Comaking Space. <span class="copyright">Klaus Hartinger<span class="copyright"></span></span>
Björn Weratschnig (r.) bei der Feinarbeit. Er schätzt das Arbeiten im Comaking Space. Klaus Hartinger

Verschiedene Produkte

Der 47-Jährige zählt eigene Projekte auf, die seit der Installation des Comaking Space Dornbirn im vergangenen Jahr möglich geworden sind – und zwar nur deshalb: die Inneneinrichtungen mehrerer Bürogebäude. Die Inneneinrichtung eines Hallenbads. Die Inneneinrichtungen zweier Volksschulen. Außerdem hat er zusammen mit seinem Geschäftspartner Keel und dessen Beton-Inneneinrichtungsfirma Dade Design concrete works eine Küchenzeile mit einem Korpus aus Nussholz, einer Betonarbeitsplatte mit integriertem Waschbecken und Echtbeton-Fronten entwickelt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und wird derzeit weltweit in High-End-Küchen verbaut. Die Küchenzeile steht derzeit in der Produktionshalle, da Mitte September die Architekturtage im Comaking Space stattfanden – bald soll sie ihren Platz im Eingangsbereich erhalten. Denn der Empfangsraum soll sich zur Ausstellungsfläche wandeln. Mit neuem Parkettboden und Werkstücken aller sechs Schreiner, die in der Halle derzeit tätig sind.

Geniale Idee

Björn Weratschnig, einer der Comaker, hat, wie alle, gerade zu tun, nimmt sich aber trotzdem die Zeit, das Comaking Space-Konzept zu beurteilen: „Die Idee ist genial. Das ist die Zukunft. Jeder hier ist sein eigener Chef, aber wir inspirieren uns gegenseitig. Für jeden ist Platz da, jeder kann tun, was er am liebsten tut. Und der freundschaftliche Wettstreit um die besten Arbeiten hält wach.“
Etwas, das Tischlermeister Tauscher gerne hört. Sein Konzept des Comakings verbreitet er bereits erfolgreich, auch ins Ausland.
Weitere Infos unter: www.epu.wko.at

Information

Werner Tauscher

Gründer und Leiter des Comaking Space

Dornbirn

Tel. 0699/19735555

E-Mail: office@

comaking-space.com

Web: www.comaking-space.com