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Lecher sagen Investoren den Kampf an

07.07.2021 • 18:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Bürgermeister von Lech, Stefan Jochum, befürchtet einen Ausverkauf der Heimat. <span class="copyright">Hartinger</span>
Der Bürgermeister von Lech, Stefan Jochum, befürchtet einen Ausverkauf der Heimat. Hartinger

Bausperre für Investorenmodelle in der Tourismusgemeinde beschlossen.

Zu einem radikalen Schritt haben sich die Verantwortlichen der Tourismusgemeinde Lech am Arlberg entschlossen. In der Gemeindevertretung wurde am Montagabend einstimmig eine zweijährige Bausperre für alle Investorenmodelle beschlossen. Die steigende Zahl an Projekten in diesem Bereich sei eine Gefahr für die Kommune geworden. „Wenn wir jetzt nicht die Notbremse einlegen, wird unser Dorf nicht mehr lange unser Dorf sein“, begründete der Lecher Bürgermeister Stefan Jochum den Beschluss. Die Bausperre könne jedoch nur ein erste Schritt sein. Notwendig sei eine umfassende politische Lösung für das Problem mit den Investorenmodellen. Jochum, der auch Vorsitzender der Erfa-Gruppe der Tourismusbürgermeister ist, kann sich vorstellen, dass nun auch weitere Kommunen dem Lecher Beispiel folgen werden. Auf diese Weise könne vielleicht eine Trendwende bei den umstrittenen Investorenmodellen geschafft werden. Der Erfa-Gruppe gehören neben Lech auch die Tourismusgemeinden Brand, Damüls, Gaschurn, Klös­terle, Mittelberg, Sulzberg, Tschagguns und Warth an.

“Leere und leblose Chalets”

Schon seit Längerem beobachte man die vielen Häuser, die abends dunkel seien, mit großer Sorge, berichtete der Lecher Bürgermeister. Dort wo früher lebendige Gastronomie- und Hotelbetriebe gestanden seien, fänden sich „heute vielerorts leere und leblose Chalets mit kalten Betten ohne Gäste und Angestellte“. Den Versuch, „tote Häuser“ etwa durch strengere Richtlinien für Zweitwohnsitze zu verhindern, gebe es schon länger, sagte der Pressesprecher der Gemeinde, Marco Neher, zur APA. Allerdings würden Investorenmodelle benutzt, um die Regelungen zu umschiffen. Ein privater Investor kauft ein Haus, teilt es in angebliche Ferienwohnungen, die dann aber nicht vermietet werden, sondern nur wenige Wochen im Jahr vom ursprünglichen Investor oder Käufern der Wohnungen genützt werden. Den Rest der Zeit stehen sie leer.

Die Lecher Gemeindevertretung zog am Montagabend die Notbremse. <span class="copyright">Hartinger</span>
Die Lecher Gemeindevertretung zog am Montagabend die Notbremse. Hartinger

Durch die Investorenmodelle würden die Existenzgrundlagen in der Gemeinde zerstört, meinte der Bürgermeister. Darum müsse dem Ausverkauf der Heimat ein Riegel vorgeschoben werden. Die Bausperre verschaffe nun Spielraum, um in der Gemeinde über die Zukunft zu sprechen, und den Bebauungs- und Flächenwidmungsplan zu überarbeiten: „Diese Zeit haben wir nicht, wenn derweil laufend neue Chalet-Häuser aus dem Boden gestampft werden.“

Kein Mehrwert für Bevölkerung

ein Mehrwert für Bevölkerung. Nadine Kasper, Grünen-Tourismussprecherin im Landtag, begrüßte am Dienstag den „mutigen Schritt in Lech“. Die Preise für das Wohnen in Vorarlberg würden ohnehin bereits explodieren. Durch die Investorenmodelle werde die Situation zusätzlich angeheizt. Dabei hätten die Projekte keinen Mehrwert für die Bevölkerung vor Ort, sondern dienten einzig dem Zweck der Profitmaximierung unter dem Deckmantel der Investition in der Region. Vielmehr gebe es bei den Investorenmodellen nur Verlierer. Die leerstehenden Chalets und Betten würden der Tourismusregion schaden. Und nicht einmal die heimische Baubranche profitiere bei der Errichtung. Denn oftmals werde auf Billigstanbieter gesetzt, die nicht aus der Region stammten.

Lob für die Entscheidung in Lech gab es von Nadine Kasper von den Grünen. <span class="copyright">Grüne</span>
Lob für die Entscheidung in Lech gab es von Nadine Kasper von den Grünen. Grüne

Auch Kasper kann sich vorstellen, dass nun noch andere Tourismusgemeinden im Land nachziehen. Die Bevölkerung wünsche sich vermehrt eine Trendwende hin zu nachhaltigem Tourismus. Dazu müssten Investorenmodelle gestoppt und kleinstrukturierte Familienbetriebe gefördert werden. Die Lecher Entscheidung könne richtungsweisend für die Entwicklung im Vorarlberger Tourismus sein.