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Warum man sich jetzt impfen lassen sollte

05.05.2022 • 09:37 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
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APA/HERBERT PFARRHOFER

Zecken werden bereits bei niedrigen Plusgraden aktiv. Daher sollte jetzt an die FSME-Impfung gedacht werden.

Österreicher gelten als Weltmeister bei den Zeckenimpfungen, wurden jedoch während der Pandemie nachlässig beim Auffrischen gegen den Frühsommer-Meningoenzephalitis Erreger (FSME). Es sind zwar 80 Prozent der Menschen grundimmunisiert, einen korrekten Impfschutz haben aber nur um die 60 Prozent, informierten dieser Tage Experten. Im Vorjahr mussten 128 Menschen in Österreich mit FSME in den Spitälern aufgenommen werden.

In Vorarlberg gab es von 2009 bis 2022 insgesamt 57 Fälle. 2020 waren elf Personen erkrankt, 2021 sechs. Heuer ist noch kein Fall bekannt. Die einzige Möglichkeit sich vor FSME zu schützen, ist eine korrekte Grundimmunisierung und zeitgerechte Auffrischungen, weiß Wolfgang Grabher, Vorstand Abteilung Sanitätsangelegenheiten beim Amt der Vorarlberger Landesregierung.

1. Wie wird FSME übertragen?

Wolfgang Grabher: Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder Zeckenenzephalitis (Enzephalitis = Gehirnentzündung) ist eine Infektionskrankheit, die durch das FSME-Virus hervorgerufen wird. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt hauptsächlich durch den Stich einer infizierten Zecke. Außerdem kann das Virus auch beim Verzehr von Rohmilchprodukten, insbesondere aus Ziegen- oder Schafsmilch, übertragen werden. Erkrankte selbst sind für andere Menschen nicht ansteckend.

2. Welche Symptome machen sich bemerkbar?

Grabher: Nicht jeder Stich einer infizierten Zecke führt auch zu einer Infektion. Zwischen drei und 28 Tagen (im Durchschnitt acht Tage) nach dem Stich kann es zu einer ersten Krankheitsphase mit grippeartigen Symptomen, Erbrechen, Schwindelgefühl und mäßigem Fieber kommen. Darauf folgt eine relativ beschwerdefreie Phase von etwa einer Woche, nach der es zu einem Befall des zentralen Nervensystems mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Lichtscheu, Schwindel, Konzentrations- und Gehstörungen für Wochen oder sogar Monaten kommen kann.

Bei etwa einem Drittel dieser Patientinnen und Patienten treten Lähmungen in Armen, Beinen oder der Gesichtsnerven auf und es kommt zu bleibenden Behinderungen. In zirka einem Prozent der Fälle mit neurologischen Anzeichen führt die Krankheit zum Tod. Eine ursächliche Behandlung der Erkrankung ist nicht möglich, es können lediglich Symptome behandelt werden.

Zecken lauern in Gebüschen oder in hohem Gras und können Krankheiten wie FSME übertragen. <span class="copyright">apA/Patrick Pleul</span>
Zecken lauern in Gebüschen oder in hohem Gras und können Krankheiten wie FSME übertragen. apA/Patrick Pleul

3. Wie Zecken am besten entfernen?

Grabher: Anhaftende Zecken sollen so rasch wie möglich aus der Haut entfernt werden, am besten mit einer Pinzette. Dabei soll die Zecke so nah an der Haut wie möglich gefasst und gerade herausgezogen werden. Die Einstichstelle sollte danach mit einem Hautdesinfektionsmittel abgewischt werden. An schwer zugänglichen oder sehr empfindlichen Hautbereichen haftende Zecken (beispielsweise Genitalbereich, Gehörgang oder Augenlider) sollten durch eine Fachärztin oder einen Facharzt, nötigenfalls unter mikroskopischer Hilfe, entfernt werden. Keinesfalls sollten Zecken „abgebrannt“ oder mit Öl, Klebstoff oder anderen Substanzen betupft werden.

4. Wann zum Arzt? Direkt nach einem Zeckenstich?

Grabher: Ein Besuch des Arztes zur Zeckenentfernung ist nur dann erforderlich, wenn nicht die gesamte Zecke entfernt werden kann, der Stich an einer unerreichbaren Stelle ist oder es zu einer Entzündung kommt. Wenn keine FSME-Impfung vorhanden ist, ist ein Beginn der Grundimmunisierung erst vier Wochen nach dem Zeckenstich möglich. Ein umgehender Arztbesuch ist auch dann sinnvoll, wenn nur eine Dosis FSME-Impfstoff vor dem Stich verabreicht wurde. Dann sollte bis zu 48 Stunden nach dem Zeckenstich die zweite Dosis verabreicht werden.

5. Wer gehört zur Risikogruppe?

Grabher: Das sind alle Personen, die sich in der Natur aufhalten. Zecken halten sich bevorzugt in Wäldern, in hohem Gras und Gebüsch sowie in losem Laub auf. Sie sind auf allen Grünflächen vorhanden und kommen auch auf Kulturflächen, wie dem eigenen Garten, vor.

6. Ist Vorarlberg FSME-Hochrisikogebiet?

Grabher: In Vorarlberg sind die Talschaften Walgau, Oberes Rheintal als Hochrisiko-Gebiete eingestuft, da die Mehrzahl der Erkrankungen in diesen Gebieten festgestellt wurde. Zecken tragen jedoch auch in anderen Gebieten den FSME-Erreger in sich, weshalb dies als Einschränkung für eine FSME-Impfung nicht sinnvoll ist.

7. Wie ist das FSME-Impfschema?

Grabher: Ein bis zwei Monate nach der ersten Dosis erfolgt die zweite. Die Dritte nach neun bis zwölf Monaten. Die erste Auffrischungsimpfung wird dann nach drei Jahren empfohlen. Weitere Auffrischungen jeweils nach fünf Jahren, ab dem 60. Lebensjahr jeweils nach drei Jahren.

8. Wie viel Zeit sollte zwischen Covid- und FSME-Impfungen vergehen?

Grabher: Covid- und FSME-Impfung müssen zueinander keinen Abstand halten, können am selben Tag oder mit wenigen Tagen Abstand verabreicht werden, da es sich bei beiden um sogenannte Tot-Impfstoffe handelt.

9. Gibt es ein ungünstiges Zusammenspiel von Sars-CoV-2 und FSME?

Grabher: Sehr wohl kann das Vorliegen einer FSME-Erkrankung einen schweren Verlauf von SARS-CoV-2 begünstigen.

10. Wie lautet das Fazit: FSME-Impfung ja oder nein?
Grabher: Ja! Die FSME-Impfung ist für alle Personen sinnvoll.