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Was Ralph Hasenhüttl noch vorhat

20.06.2022 • 14:36 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ralph Hasenhüttl weist Southampton den Weg
Ralph Hasenhüttl weist Southampton den Weg (c) IMAGO/Shutterstock (IMAGO/James Marsh/Shutterstock)

Österreicher hält daran fest, in zwei Jahren Schluss zu machen.

Probier’s mal mit Gemütlichkeit. Selbst die härteste Fußball-Liga des Planeten kann in der inoffiziellen Nachspielzeit in den Entspannungsmodus hinübergleiten. So gehört es in der Premier League zum guten Ton, dass der Trainer der Gastgeber seinen zu Besuch weilenden Konkurrenten nach dem Match zu einem Drink bittet. Auch Ralph Hasenhüttl pflegt auf diese Weise die Tradition des gepflegten Kontakts unter Berufskollegen im Rahmen des englischen Fairnessgebots. Der legere Doppelpass geht runter wie Öl, “besonders mit den deutschsprachigen Trainern.” Vor allem mit Liverpool-Ikone Jürgen Klopp versteht sich der österreichische Manager von Southampton blendend. Aber auch Manchester-City-Meistercoach Pep Guardiola gehört zu den Favoriten des Steirers.

Auf sportlicher Ebene sind die Berührungspunkte mit den Spitzenklubs naturgemäß wesentlich geringer ausgeprägt. Die Abstände in der Mehrklassengesellschaft sind gewaltig und kaum zu überwinden. Southampton bewegte sich in der vergangenen Saison meist im unteren Mittelfeld und kam am Ende auf Rang 15 zu liegen. In den letzten Runden der Meisterschaft blieben nach einem grandiosen Erfolg über Arsenal die Punkte auf der Strecke. An der Abstiegslinie streifte der Klub aber nie wirklich an, weil sich die “Saints” schon rechtzeitig in die Schutzzone zurückgezogen hatten.

Doch die aktuelle Position ist nicht der Weisheit letzter Schluss und entspricht schon gar nicht Hasenhüttls Vorstellungen. Der Steirer hofft auf einen Qualitätssprung im Spielersektor. “Ein Platz unter den Top Ten” wäre für die kommende Saison wünschenswert, da würde sich das internationale Geschäft nicht mehr in einer unerreichbaren Dimension befinden. Dafür müsste jedoch der Kader eine spürbare leistungsmäßige Aufwertung erfahren. Der seit Jahresbeginn über das Wohl und Weh des Vereins bestimmende serbische Medienzampano Dragan Solak soll es richten. Die Mittel dafür stünden dem Klubeigentümer zur Verfügung. Hasenhüttl kommt gut aus mit Solak und hofft auf die erforderlichen Investitionen. “Aber es wird immer schwieriger, weiter nach oben zu kommen”, sagt der 54-Jährige und verweist auf den Saudi-Deal von Newcastle. “Das ist der nächste Verein, der es mit den Großklubs aufnehmen will.”

Rangnick sehr gute Lösung

Die österreichische Teamchef-Lösung beurteilt Hasenhüttl sehr positiv. Schließlich kennt der Ralph den Ralf Rangnick in- und auswendig. 2016 hatte der Steirer den Deutschen bei Leipzig als Trainer beerbt und musste dann zwei Jahre mit Rangnick als Sportdirektor kooperieren. Das war in dieser durchaus spannenden Konstellation nicht immer einfach, doch die Beziehung hielt zwei Jahre, ehe 2018 die einvernehmliche Trennung erfolgte und Hasenhüttl in der englischen Hafenstadt anheuerte. “Er hat große Ambitionen und kann das sicher auf die Mannschaft übertragen. Ob es dann auch erfolgreich ist, wird man sehen”, meint der mit den britischen Medien “sehr gut” auskommende österreichische Erfolgstrainer, für den der Teamchefposten selbst “nie ein Thema” war.

Hasenhüttl hält trotz potenzieller weiterer Aufstiegsmöglichkeiten auch innerhalb der Premier League zum gegenwärtigen Zeitpunkt daran fest, 2024, nach Ablauf des Vertrages in Southampton, den Trainerjob generell ad acta zu legen. Die ihm derzeit zur Verfügung stehenden fünf Urlaubswochen reichen nicht aus für ergiebiges Freizeitverhalten. Zu intensiv ist auch in dieser Zeit die Auseinandersetzung mit dem Fußball. Ob es definitiv beim Rückzug bleibt? “Das weiß man nie.”

Am 18. Juli kommt es zum Aufeinandertreffen mit Sohn Patrick, wenn im Wörthersee-Stadion ein Test zwischen Austria Klagenfurt und Southampton über die Bühne geht. Hasenhüttl Junior (25) steht bei den Kärntnern unter Vertrag, verpasste die letzte Saison aber verletzungs- bzw. krankheitsbedingt.