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Lehrermangel bleibt größte Herausforderung

07.07.2022 • 20:17 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
In Vorarlberg gibt es 6700 Lehrpersonen, mehr als zwei Dutzend Stellen sind fürs kommende Schuljahr noch unbesetzt. <span class="copyright">DPA</span>
In Vorarlberg gibt es 6700 Lehrpersonen, mehr als zwei Dutzend Stellen sind fürs kommende Schuljahr noch unbesetzt. DPA

Auch im kommenden Schuljahr wird der Personalmangel das beherrschende Thema sein. In höheren Schulen und Pflichtschulen fehlen mehr als 30 Lehrer.

Einen Rück- und Ausblick in Sachen Schule gaben am Donnerstag Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink und Bildungsdirektorin Evelyn Marte-Stefani. Als größte Herausforderungen nannten sie das Zusammentreffen von Präsenzunterricht und Distance Learning, den administrativen Mehraufwand rund um die Coronaschultests und die pandemiebedingten Ausfälle beim Schulpersonal.
Über allem steht jedoch der grassierende Lehrermangel, der die Schulen auch im nächsten Jahr gehörig fordern wird.

Bildungsdirektorin Evelyn Marte-Stefani sprach mit Barbara Schöbi-Fink über Herausforderungen im Bildungswesen. <span class="copyright">EVELYN MARTE-STEFANI</span>
Bildungsdirektorin Evelyn Marte-Stefani sprach mit Barbara Schöbi-Fink über Herausforderungen im Bildungswesen. EVELYN MARTE-STEFANI

1,17 Millionen PCR-Tests

Maskenpflicht, PCR-Tests, Quarantäne – auch wenn die Situation nicht mehr gar so angespannt war wie im ersten Coronajahr, war das heurige Schuljahr weit weg von der Normalität. So wurden im Schuljahr 2021/22 sage und schreibe 1,17 Millionen PCR-Tests und 2,1 Millionen Antigentests durchgeführt, wobei knapp 5000 Schüler und rund 360 Lehrer bzw. Verwaltungsmitarbeiter positiv getestet wurden. Auf dem Höhepunkt der Pandemie Ende Jänner befanden sich 124 Schulklassen gleichzeitig im Distance Learning, Schulschließungen gab es keine.
Für Schüler, die pandemiebedingt ins Hintertreffen geraten sind, gab es Förderungen. Für Abschlussklassen und 1. Klassen höherer Schulen standen aus EU-Mitteln zwei Förderstunden pro Klasse zur Verfügung, für die Pflichtschulklassen und restlichen Klassen der höheren Schulen wurden Förderstunden aus nationalen Töpfen finanziert. Den Volksschulen wurden pro Klasse zwei Wochenstunden und den übrigen Klassen eineinhalb Wochenstunden zuteil. Von diesen Kontingenten wurden laut Bildungsdirektion 75 Prozent abgerufen.

Verstärkt hat sich während der Pandemie der Bedarf nach psychosozialer Unterstützung. Aus diesem Grund wurde in diesem Schuljahr die Pädagogische Beratung an den Schulen umgesetzt. Das Land werde dem zunehmenden Bedarf weiter Rechnung tragen und die Schulsozialarbeit verstärken, heißt es. Derzeit sind im Bereich Schulpsychologie, Schulsozialarbeit und Pädagogische Beratung 83 Personen im Einsatz.

Reifeprüfung

Sehen lassen kann sich das Abschneiden der Vorarlberger Maturanten. Insgesamt 1635 Schüler sind in diesem Schuljahr zur Reifeprüfung angetreten, davon haben 1508 – das sind 92 Prozent – alle Prüfungen bestanden. Jeweils 20 Prozent konnten darüber hinaus einen ausgezeichneten beziehungsweise guten Erfolg verbuchen.
Für Bildungsdirektorin Evelyn Marte-Stefani ist das ein „erfreuliches Ergebnis.“ Zudem lobt sie die Themenvielfalt bei den Vorwissenschaftlichen Arbeiten. Diese mussten heuer erstmals wieder verpflichtend vor einer Kommission präsentiert werden.

Sommerschule bald ganztägig

Rund 1450 Schüler haben sich auf Empfehlung ihrer Lehrer zur Sommerschule angemeldet, die heuer zum dritten Mal in den letzten beiden Ferienwochen stattfinden wird. Der Unterricht erfolgt an 56 Standorten. Der Unterricht ist freiwillig und kostenlos. Für den Unterricht haben sich 40 Lehramtsstudierende und 2000 Lehrpersonen gemeldet. Studierende bekommen die Praxisstunden angerechnet und 30 Euro pro Stunde. Lehrpersonen können zwischen 50 Euro pro Stunde und einer Stunde weniger Unterricht im nächs­ten Schuljahr wählen.

Landesrätin Schöbi-Fink weist darauf hin, dass die Sommerschule in den nächsten Jahren zu einer ganztägigen Schulform ausgebaut werden soll. Ein entsprechendes Pilotprojekt läuft heuer in den Gemeinden Höchst und Altach. „Wir werden uns dort anschauen, was die Gemeinden und Schulen brauchen“, so Schöbi-Fink. Schon im nächsten Jahr soll die Sommerschule an „ganz vielen Standorten“ angeboten werden können. Die Landesrätin hält das Angebot für wichtig. „Es wird jenen Schülern, die ein nicht so erfolgreiches Schuljahr hinter sich haben, die Möglichkeit geboten, sich wieder zu fangen, aufzuholen und besser ausgerüstet in das neue Schuljahr zu starten.“

Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink kann sich eine ganztägige Sommerschule vorstellen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink kann sich eine ganztägige Sommerschule vorstellen. Hartinger

Mehr Pädagogen braucht das Land

Bereits seit Jahren gibt es in einigen Fächern zu wenig Lehrer, eine Pensionierungswelle und die Pandemie haben die Lage weiter verschärft. In Vorarlberg sind 16 Stellen an Höheren Schulen noch nicht besetzt, ebenso viele sind es an den Allgemeinen Pflichtschulen (sechs an Volksschulen, zehn an Mittelschulen).

Mietzuschuss und Klimaticket

So wie in anderen Bundesländern auch, muss Vorarlberg jetzt immer stärker auf Noch-Studierende, reaktivierte Lehrer-Pensionisten und Quereinsteiger zurückgreifen. Aber nicht nur innnerhalb des Bundeslands wird emsig um Personal geworben. Lehrern, die wegen des Jobs herziehen, zahlt das Land 180 Euro Mietzuschuss und ein Klimaticket. Zudem nimmt das Land mehr Geld für die administrative Entlastung der Pflichtschulpädagogen in die Hand. Laut Schöbi-Fink wurden die Förderungen nahezu verdoppelt. Es stünden den Bildungseinrichtungen mittlerweile über 2,2 Millionen Euro zur Verfügung. Auch verweist die Landesrätin auf eine neu eingerichtete Projektstelle, die sich mit Rekrutierungsmaßnahmen beschäftigt.

283 Schüler aus Ukraine

Seit Ende Februar sind auch Vorarlbergs Schulen mit den Auswirkungen des Ukraine-Krieges konfrontiert. Laut Bildungsdirektorin Marte-Stefani wurden seither 283 Kinder und Jugendliche an Schulen in mehr als 70 Gemeinden aufgenommen. Die meisten besuchen eine Regelklasse einer Volks- beziehungs­weise Sonderschule (127) oder in der Sekundarstufe (132), der Rest verteilt sich auf Schulen der Sekundarstufe II (24). Es wurden sechs zusätzliche Deutschförderklassen eingerichtet und sechs Pädagogen mit ukrainischen Wurzeln angestellt.

Tablets kommen nur langsam in österreichische Klassenzimmer. <span class="copyright">APA</span>
Tablets kommen nur langsam in österreichische Klassenzimmer. APA

Schleppender Digitalausbau

Aufgrund notwendiger Ausschreibungen und Funktionsmängeln kam es zu Verzögerungen bei der Umsetzung der Digitalisierungsoffensive der Regierung.
Rund ein Jahr später als geplant sollen die Schüler im kommenden September ihre fehlenden kostengünstigen Windows-Tablets nun bekommen. Knapp die Hälfte von 70 an der Initiative teilnehmenden Schulen hatte sich für diese Variante entschieden. An jene Schulen, die iPads und Notebooks geordert hatten, wurden rund 3700 Geräte ausgegeben.

Mehr Schüler zuhause

Die Zahl der Schüler im häuslichen Unterricht ist zu Beginn des Schuljahres 2021/22 sprunghaft angestiegen. In Vorarlberg wurden 370 schulpflichtige Kinder angemeldet, im Vorjahr waren es 116. Rund 170 Schüler sind im Laufe des Jahres wieder in die Schule zurückgekehrt. Von den verbliebenen 200 Schülern haben 14 Prozent die Externis­tenprüfung nicht bestanden, 12 Prozent sind nicht angetreten. Sie müssen die Schulstufe in einer öffentlichen Schule wiederholen.