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Hitzestau in den Ozeanen bedroht Fischerei

22.08.2022 • 17:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hitzestau in den Ozeanen bedroht Fischerei
(c) Castiglioni

Großteil der Tierarten ist durch den Klimawandel gefährdet.

Wassertemperaturen von fast 30 Grad werden in diesem Sommer im Mittelmeer vor Sizilien gemessen und heizen die Sorgen vor negativen Folgen für die Meeresfauna an. Auch wenn der mediterrane Hitzestau heuer deutlich stärker als üblich ausfällt, steckt dahinter ein schleichender, weltweiter Trend. Die Ozeane wärmen sich klimawandelbedingt auf – und das bedroht besonders in ärmeren, tropischen Ländern die künftige Ernährungssicherheit, wie eine Studie eines internationalen Forscherteams zeigt.

Grund ist der weltweite Treibhausgasausstoß, der nicht nur die Temperaturen der Atmosphäre und der Landoberflächen des Planeten steigen lässt. 90 Prozent der zusätzlichen Hitze wurden laut dem jüngsten Weltklimabericht des IPCC bisher von den Weltmeeren geschluckt, was nicht ohne Folgen bleibt. Nach den Messungen der US-Klimabehörde NOAA hat sich der Wärmeenergiegehalt in den obersten 2000 Metern der Ozeane seit Mitte der 1950er-Jahre um 337 Zettajoule erhöht. Das ist eine Zahl mit 21 Nullen, die für mehr als das Achtfache des weltweiten Energieverbrauchs im selben Zeitraum steht.

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Marine Ökosysteme kollabieren

Die Veränderung im Temperaturhaushalt der Meere nimmt zunehmend Einfluss auf die Lebenswelt unterhalb der Wasseroberfläche. Marine Ökosysteme drohen zusammenzubrechen, was vor allem stark von Fischerei abhängige südliche Länder treffen würde, heißt es in der am Montag im Fachjournal “Nature Climate Change” erschienenen Studie. Die Forscher haben für knapp 25.000 Arten einen “Klimarisiko-Index” erstellt, indem sie zwei Klimaszenarien des IPCC heranzogen. Einmal wird angenommen, dass das Ziel von maximal 2 Grad globaler Erwärmung bis 2100 erreicht wird, das andere Szenario geht davon aus, dass die Emissionen ungebremst weiterlaufen und sich die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts in der Folge um vier bis sechs Grad aufheizt.

In diesem schlimmsten Fall würden laut der Studie 87 Prozent der marinen Arten im Großteil ihres Verbreitungsgebiets stark gefährdet, vor allem in Küstenregionen mit hoher Biodiversität und starkem Fokus auf Fischerei wie der Karibik oder Indonesien. “Dabei ist die Gefährdung nicht zwangsläufig als ein Aussterben der Arten zu interpretieren. Sie beinhaltet auch negative Einflüsse auf Reproduktion und Wachstum und schließlich auf die Entwicklung der Populationsgrößen”, erläutert Christian Möllmann vom Institut für marine Ökosystem- und Fischereiwissenschaften an der Universität Hamburg. Folglich sei es sinnvoll, in den als besonders gefährdet erkannten Gebieten Meeresschutzgebiete einzurichten. “Das kann die Arten vor weiteren anthropogenen Einflüssen schützen und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels erhöhen”, sagt Möllmann.

Folgen gibt es selbst im besten Fall

Derartige Maßnahmen dürften auch bei Einhaltung des 2-Grad-Ziels unerlässlich bleiben. Denn die Studie kommt zum Schluss, dass dann immer noch mehr als die Hälfte der betrachteten 25.000 Arten in zumindest der Hälfte ihres Verbreitungsgebiets stark gefährdet sein dürften. Vor allem große Meerestiere wie Haie oder Meeressäuger werden demnach in Mitleidenschaft gezogen. Von einem “dramatischen Ergebnis” spricht diesbezüglich Sebastian Ferse vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung in Bremen. Der Forscher gibt zu bedenken, dass weitere, in der Studie gar nicht betrachtete Faktoren wie der steigende pH-Wert im Meereswasser die Wirkungen noch verstärken könnten.

Zusätzlicher Effekt: Die zunehmende Temperatur der Ozeane ist eine der Hauptzutaten für das Ansteigen des Meeresspiegels. Dieser liegt inzwischen um 20 Zentimeter höher als zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wie es damit weitergeht, hängt stark von den künftigen Treibhausgasemissionen ab.

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