Sind die Mieten in Vorarlberg noch leistbar?

Die Indexanpassung bei Mieten ist für viele ein Problem. Die Anfragen bei Mietervereinigung und AK erreichen Rekordzahlen.
Wohnen wird immer teurer. Die hohen Preise schlagen in allen Bereichen durch, sodass sich selbst gemeinnützige Wohnbaugesellschaften immer schwerer tun, auch in Zukunft günstige Mieten anzubieten, wie die Verantwortlichen der Vogewosi im vergangenen Dezember bei einer Pressekonferenz berichteten. Derzeit beträgt der durchschnittliche Mietpreis von Vogewosi-Wohnungen etwas über fünf Euro pro Quadratmeter – ohne Betriebskosten. Um einiges höher liegen die Mieten zumeist allerdings im privaten Bereich. Sind diese an den Verbraucherindex gekoppelt – wie das häufig der Fall ist – gab es zuletzt so manche Erhöhungen.
„Wir haben zuletzt unverhältnismäßig viele Anfragen zur Überprüfung der Indexanpassung erhalten“, berichtet Annette Fritsch, Geschäftsführerin der Vorarlberger Mietervereinigung. Eine Anpassung der Miete sei im vergangenen Jahr teilweise bis zu drei Mal erfolgt – mit Erhöhungen von bis zu elf Prozent. „Das ist aber nur der reine Mietzins. Dazu kamen noch die Erhöhungen bei den Vorschreibungen für die Betriebskosten“, schildert Fritsch eine Situation, die einige Menschen an ihre finanziellen Grenzen bringt.

Extreme Nachfrage
Bei der Mietervereinigung hat man die gestiegene Nachfrage seit Ende vergangenen Jahres gemerkt, im Jänner sei es aber extrem geworden. „Wir haben täglich bis zu fünf Anfragen“, erzählt Fritsch und weiter: „Ich mache den Job seit 20 Jahren, aber so etwas habe ich noch nie erlebt.“
Bei den Anfragen geht es laut der Expertin bei 98 Prozent um Privatvermietungen. „Da kommen Vermieter drauf, dass für sie alles teurer wird, und erhöhen auch die Mieten, nachdem sie das über Jahre nicht gemacht haben, weil der Index so niedrig war“, schildert sie Fälle aus der Praxis. Viel kann die Mietervereinigung in den meisten Fällen nicht machen. „Wir können nachrechnen. Vielleicht hat mal einer die Erhöhung falsch berechnet, aber prinzipiell ist das rechtlich in Ordnung“, so Fritsch. Nachdem bei allem die Preise raufgehen, sei das leider auch bei Mieten der Fall.

„Spürbar mehr“
Die extrem hohen Mietkosten merkt Fritsch auch in ihrer Tätigkeit als Bregenzer Stadträtin. Die Sozialdemokratin ist unter anderem für Wohnungsangelegenheiten zuständig. Auch da gebe es viel mehr Ansuchen um eine Sozialwohnung, berichtet sie: „Das ist spürbar mehr geworden.“ Fritsch schildert den Fall eines Mannes, der sich bei ihr gemeldet hat: „Er arbeitet Vollzeit, ist Alleinverdiener und hat eine Frau und ein Baby. Er hat gesagt, er könne mit einem Verdienst von 2000 Euro netto nicht 1200 Euro Miete zahlen – für eine kleine Zweizimmerwohnung.“
Wie schnell diese Familie eine billigere Wohnung bekommt, ist ungewiss. In der Landeshauptstadt, in der es die weitaus meisten gemeinnützigen Wohnungen im Land gibt, sind knapp 1000 Wohnungssuchende auf der Liste, informiert die Stadträtin. 20 bis 25 Wohnungen können pro Monat vergeben werden – „ein Tropfen auf den heißen Stein.“
Vervierfacht
„Gefühlt sind die Anfragen zur Indexanpassung seit Oktober explodiert“, erzählt auch Karin Hinteregger vom Konsumentenschutz der Arbeiterkammer Vorarlberg. Sie hat sich in der Folge die Zahlen genauer angeschaut. Das Egebnis: „Im Vergleich zu einem normalen Jahr haben sie sich vervierfacht.“ Oder anders formuliert: „In den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres gab es so viele Anfragen wie sonst das ganze Jahr über.“

Das Problem bei diesen Mieterhöhungen sei, dass der Großteil der Anpassungen dem entspreche, was das Gesetz derzeit hergebe, stellt die Konsumentenschützerin fest. Auch wenn derartige Erhöhungen nicht gerechtfertigt seien, sagt sie. Daher sei diesbezüglich aus Sicht der Arbeiterkammer der Gesetzgeber dringend gefragt. Gefordert wird unter anderem, dass in Zeiten hoher Inflation eine einheitliche Regelung zur Wertanpassung des Hauptmietzinses für alle Wohnungsmietverhältnisse einzuführen ist. Zudem sollten die Mieten nicht öfter als zwei Mal im Jahr erhöht werden dürfen, und die Erhöhung soll mit zwei Prozent gedeckelt sein.
Ängste
Auch bei der Arbeiterkammer würden sich verzweifelte Mieter melden, die sich davor fürchten, was noch auf sie zukomme, berichtet Hinteregger. „Die nächste Erhöhung ist absehbar, und auch die Betriebskosten werden steigen.“ Ein großes Problem in Vorarlberg sei auch die Befristung der Mieten, so die Konsumentenschützerin.
Aber von anders gelagerten Anfragen kann Karin Hintergeger auch noch berichten. „Es rufen auch Vermieter an, die fragen, ob sie die Indexanpassung vornehmen müssen“, erzählt sie. Die Antwort: Müssen sie nicht! Diese Vemieter würden sagen, sie seien froh, dass sie ordentliche Mieter hätten, die auf das Objekt schauen, oder auch, dass die Mieter sich die Erhöhung einfach nicht leisten könnten, so die Erfahrungen bei der Arbeiterkammer. „Davon gibt es mehrere und nicht nur einen, die die Miete gar nicht oder nur zum Teil erhöhen“, informiert Hinteregger – allerdings, „die Mehrheit ist es nicht“.