Aktivisten waren laut und leise fürs Klima

700 Demonstranten protestierten gestern vor dem Landhaus in Bregenz. Sie kritisierten fehlende Maßnahmen fürs Klima und schrien und schwiegen.
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Gestern waren am Vorplatz des Landhauses in Bregenz sowohl Musik aus den Boxen, schrille „Klimaschutz“-Rufe und Jubel zu hören. Auch Buh-Rufe wurden laut, als die Funkenhexe, welche als Klimakleberin am Funken von Vandans verkleidet war, in den Reden auf der Bühne zur Sprache kam. Etwa 700 Demonstranten hatten sich laut Angaben der Polizei für die Bewegung Fridays for Future (FFF) friedlich in Bregenz versammelt. Kurzzeitig wurde die Menge auch still. Die Klimaaktivisten legten eine Schweigeminute ein. Denn sie waren überzeugt: Es wurde in der Vergangenheit bereits alles Wichtige gesagt.
Gerade deswegen äußerten die Anwesenden Frust, weil obwohl „die Fakten auf dem Tisch liegen“, keine entsprechenden Maßnahmen durch die Landespolitik getroffen worden seien. Das, was sich in Sachen Klimaschutz im Land bisher tun würde, sei laut Sophia Hagleitner von FFF „nach wie vor zu wenig“. Sie fordert, dass mehr für die Reduktion der CO2-Emissionen getan wird und warnte, dass es irgendwann zu spät sei.

S18, Tunnelspinne und Tempo
Vertreten war FFF auch durch Sophia Simon, die die Baupläne für die S 18 kritisierte. Statt mehr Platz für Autos auf neuen Straßen zu schaffen, forderte sie Überlegungen, wie die Pkw von der Straße weggebracht werden könnten. Die Stichworte S 18, Tunnelspinne und Tempolimits fielen von mehreren Schülern und Erwachsenen und erhitzt die Gemüter. Schülerin Emilia Kaufmann aus Frastanz nannte „Tempo 100 auf Autobahnen“ etwa als eine einfach umsetzbare Maßnahme. Die 16-Jährige war mit ihrer gesamten Schulklasse anwesend. Ihr Lehrer Joachim Tschann hatte die Idee der Schülerin unterstützt, zur Klimademo zu gehen. Er empfindet es als wichtig, junge Leute für Klimaschutzmaßnahmen zu sensibilisieren. „Denn es geht um ihre Zukunft. Es mag sein, dass sich das für unsere Generation noch ausgeht, die jetzt alles bestimmt, während die jungen Leute keine politischen Funktionen haben. Die Politik ignoriert dieses für Junge so wichtige Thema“, ergänzt der 36-Jährige. Und ein Anliegen ist das Klima für viele Jungen, wie die Teilnehmerzahl gestern zeigte.

Die 15-jährige Sarah Klocker aus Höchst forderte deswegen von der Politik Gehör. „Denn wir müssen mit den Konsequenzen leben“, beteuerte sie. Kritik an der Politik übte auch Theresa Faißt: „Wir sind da, um der Politik zu zeigen, dass es wirklich höchste Zeit ist, etwas zu ändern.“ Dass diese den Ernst der Lage noch nicht verstanden hätte, begründet die 16-Jährige mit dem Bau der Tunnelspinne.

Von Seiten der Politik wurde am Freitag auch mit Verständnis für die Sorgen der Jungen reagiert. Der anwesende Mobilitätslandesrat Daniel Zadra (Grüne) etwa sprach sich für raschere, große Veränderungsschritte und das Aussprechen der Wahrheit von allen Parteien und das Ende von Scheinklimaschutz aus. Der alleinige Umstieg auf Elektromotoren empfand er als nicht ausreichend. „Große Autobahnprojekte müssen der Vergangenheit angehören“, so Zadra.

Mehrere Generationen
Neben den Schülern setzten sich auch Erwachsene für die Anliegen der Jungen ein. Etwa Antje Wagner von Parents for Future ließ sich von ihrer Tochter dazu motivieren. Für die 47-Jährige war es unabdingar, dass die Klimaziele eingehalten werden. Nach ihrer Meinung könnte man für den Klimaschutz in Bezug auf Verkehrspolitik, Bauen, Wärmeerzeugung oder erneuerbare Energien mehr machen. „Das könnte man schon seit Jahren, aber bisher wird nichts getan“, kritisiert die Dornbirnerin.

Um dies ins Rollen zu bringen, empfand es Sebastian Mischitz als wichtig, auf die Straße zu gehen. Er forderte die Umsetzung von „simplen Maßnahmen“, wie eine Reduktion des Tempolimits und der Emissionen oder das Einhalten des Klimaabkommens. Der 33-Jährige sagte dazu: „Es wäre schade, wenn es in ein paar Jahrzehnten nicht mehr so schön auf dem Planeten wäre.“
Mit dabei: Melanie Matt