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Gesundheitsvorsorge am Gartenzaun

03.03.2023 • 18:18 Uhr
Die beiden Community Nurses holen die Menschen sprichwörtlich vor ihrer Haustüre ab. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Die beiden Community Nurses holen die Menschen sprichwörtlich vor ihrer Haustüre ab. Klaus Hartinger

In Dornbirn gibt es Community Nurses, welche sich vor allem um pflegende Angehörige, alleinstehende Personen über 65 und Menschen mit Migrationshintergrund kümmern.

Zwei Frauen, bekleidet mit schwarzen Anoraks, auf denen ein kleines Logo der Stadt Dornbirn prangt, gehen die Straße Schorenquelle in Richtung Kirche Schoren entlang. Es ist ruhig an diesem Donnerstagvormittag, kein Mensch ist zu sehen. Erst in einem Garten kurz vor dem Gotteshaus treffen die beiden Frauen auf jemanden: einen Mann mit seinem kleinen Kind. Freundlich grüßen sie ihn und erklären ihm, wer sie sind: Community Nurses der Stadt Dornbirn. „Wir sind für die Menschen in Schoren da“, beschreibt Julia Grabher-Schwaninger ihre und Manuela Wehingers Tätigkeit. Es entwickelt sich ein kurzes Gespräch, in dem die zwei Frauen herausfinden, dass in der türkischstämmigen Familie der Bedarf nach Deutschkursen besteht. Sie sagen dem Mann, dass sie bei der Suche eines Kurses behilflich wären, überreichen ihm einen Flyer mit ihren Kontaktadressen und verabschieden sich.

Am 1. März 2022 startete in Dornbirn das Projekt „Community Nurses“ mit einer mehrmonatigen Planungsphase. Seit Februar dieses Jahres sind die beiden Community Nurses in Dornbirn-Schoren unterwegs oder geben Sprechstunden im „Treffpunkt an der Ach“, einem Begegnungsraum der Stadt Dornbirn.

Projektleiterin Andrea Roskosch-Schenker, Julia Grabher-Schwaninger und Manuela Wehinger sowie Praktikantin Anna Imgrunt. <span class="copyright">klaus Hartinger</span>
Projektleiterin Andrea Roskosch-Schenker, Julia Grabher-Schwaninger und Manuela Wehinger sowie Praktikantin Anna Imgrunt. klaus Hartinger

Unterschiedlich ausgerichtet

In ganz Österreich gibt es Community Nurses, in Vorarlberg neben Dornbirn in Bregenz, Wolfurt und im Raum Bludenz. Ihre Aufgaben können in den einzelnen Gemeinden sehr unterschiedlich sein. In Dornbirn-Schoren setzen sich die Community Nurses für mehrerlei ein, der übergeordnete Zweck von allem ist aber immer die Gesundheitsprävention. Dabei soll die Gesundheit hauptsächlich mit der Stärkung des sozialen Miteinanders und durch Maßnahmen gegen Einsamkeit erhalten und gefördert werden. Denn: „Einsamkeit macht krank. Achtsamkeit und Teilhabe an gemeinschaftlichen Aktivitäten hingegen schützen vor Einsamkeit, Krankheit und Pflegebedürftigkeit“, erklärt Projektleiterin Andrea Roskosch-Schenker.

“Achtsamkeit und Teilhabe an gemeinschaftlichen Aktivitäten schützen vor Krankheit”

Andrea Roskosch-Schenker, Projektleiterin

Kostenlos und vertraulich.

Den Fokus legen die Community Nurses auf alleinstehende Menschen über 65, pflegende Angehörige und Personen mit Migrationshintergrund. Aber auch alle anderen können sich an die beiden Frauen wenden. Ihre Angebote sind kostenlos, vertraulich und unverbindlich. Die Community Nurses treten unkompliziert mit den Bewohnern in Kontakt: Neben den erwähnten Sprechstunden haben sie Präsenz-Spots. Dabei halten sie sich an einem bestimmten Ort in Schoren auf, etwa im Hermann-Gmeiner-Park oder der Trafik in der Lustenauer Straße, und sprechen dort die Menschen an. Zudem gibt es Schoren-Runden, bei denen sie durch den Bezirk gehen.

er NEUE. Manuela Wehinger und Julia Grabher-Schwaninger erreichen die Südtiroler Siedlung und sprechen einen Mann, der gerade aus einer Garage herauskommt, an. Nachdem sie sich vorgestellt haben, fragt er die beiden von der Stadt angestellten Frauen: „Sind bald Wahlen?“ Zu Beginn seien einige Menschen skeptisch, wenn sie auf der Straße angesprochen werden, erzählt Manuela Wehinger später. Sie glauben zum Beispiel, dass die Community Nurses ihnen etwas verkaufen wollen. Diese Bedenken können die beiden aber rasch zerstreuen und oft sind die Menschen dann sehr offen. Zudem kennen einige die Frauen bereits und freuen sich, sie zu treffen.

Die Community Nurses bei ihrer Schoren-Runde. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Die Community Nurses bei ihrer Schoren-Runde. Klaus Hartinger

Bei dem kurzen Gespräch in der Südtiroler Siedlung hat sich herausgestellt, dass die Bewohner der Anlage selten oder kaum zusammenkommen. Dabei könnte man in dem Hof gut Feste veranstalten, Schach oder Boccia spielen. Die Community Nurses würden helfen, das umzusetzen und lassen auch hier ihre Kontaktdaten da. Denn ein Mehr an Miteinander entspricht genau dem, was sie erreichen möchten.

Unterstützungsangebote

Nicht immer sind es aber solch größere Projekte, mit denen sich die Community Nurses beschäftigen, manchmal reicht es, wenn sie einem Menschen Informationen darüber geben, wo er oder sie Unterstützungsangebote bekommt. Das kann unterschiedlichste Bereiche betreffen, zum Beispiel gesundheitliche, aber auch arbeitsrechtliche, wie Projektleiterin Andrea Ros­kosch-Schenker erklärt: „Ein Mensch mit Behinderung, der von einer ehrenamtlichen Helferin unterstützt wird, möchte sie anstellen und hat die Community Nurses gefragt, wie er vorgehen soll.“

Die Community Nurses sind ein EU-gefördertes Projekt, bei dem anhand des Bevölkerungsschlüssels Vollzeitäquivalente errechnet wurden. In Dornbirn beschlossen die Verantwortlichen, übersichtlich und klein zu beginnen, und haben sich deshalb für die Begrenzung auf Schoren entschieden. Eine Vorgabe der EU war, dass die Mitarbeitenden diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger mit zweijähriger Erfahrung sein müssen. Das ist für Projektleiterin Andrea Roskosch-Schenker sinnvoll, denn: „Es geht um Gesundheitsprävention, und ausgebildete Fachkräfte erkennen Krankheitsbilder rasch.“ Community Nurse Julia Grabher-Schwaninger ergänzt: „Wir können durch unsere Erfahrung auf den ersten Blick gut einschätzen, was das Thema des jeweiligen Menschen ist.“

Ein Gespräch in der Südtiroler Siedlung.<span class="copyright"> Klaus Hartinger </span>
Ein Gespräch in der Südtiroler Siedlung. Klaus Hartinger

Starke Partner

Im Gesundheitssystem sind die Community Nurses vor dem Case Management und dem Krankenpflegeverein einzustufen, da es bei ihnen nicht primär um Krankheit und Pflege geht. Mit den beiden genannten Einrichtungen arbeiten die Community Nurses aber zusammen, genauso wie mit einem weiteren, starken Systempartnernetz bestehend aus Ärzten, dem Mobilen Hilfsdienst, Vereinen, der Pfarre oder dem Kaplan-Bonetti-Haus. Das Projekt ist bis Ende 2024 befris­tet, dann wird es evaluiert und die Entscheidung getroffen, ob es weitergeführt wird..

Haupttätigkeiten

• Koordination und Vermittlung insbesondere von präventiven Angeboten

• informative und beratende Gespräche zur Förderung der Gesundheit

• Zusammenbringen der Bürgerinnen und Bürger

• Förderung eines achtsamen Umgangs miteinander innerhalb des Stadtteils