Erfolgreicher Start für das Expat Service

Ziel der Initiative ist es, ausländische Fachkräfte dabei zu unterstützen, in Vorarlberg Fuß zu fassen.
Eine Idee mit Leben gefüllt – das wurde in den vergangenen sechs Monaten beim Expat Service Vorarlberg. Etwa 20 Veranstaltungen unterschiedlichster Art wurden durchgeführt. Zudem wurden Expats sowie Unternehmen von Geschäftsführerin Claudia Neumayr und Community Manager Jakob Sieber auf verschiedene Weise unterstützt. Ein „One Stop Shop“ soll das Expat Service für alle Fragen und Anliegen im Bezug auf Menschen sein, die zum Arbeiten oder aus sonstigen Gründen nach Vorarlberg ziehen beziehungsweise gezogen sind. Gestartet wurde die Initiative auf Betreiben der Industriellenvereinigung und der Wirtschaftskammer. Seit der Gründung des Service ist die größte internationale Community in Vorarlberg entstanden und zahlreiche Mitgliedsbetriebe konnten gewonnen werden, berichtet Neumayr.
Anlaufstellen
Die verschiedenen Angebote werden nach Angaben der Geschäftsführerin sehr gut angenommen. Die Wahl-Vorarlberger werden einerseits dabei unterstützt, im Ländle allgemein Fuß zu fassen. Hier geht es etwa um Dinge wie die richtigen Anlaufstellen für die Wohnungssuche, Hilfe bei Behördengängen oder auch Unterstützung dabei, eine Schule für die Kinder zu finden. Der zweite Schwerpunkt des Expat Service liegt im sozialen Bereich. Denn viele internationale Fachkräfte sind in Vorarlberg zwar zufrieden mit ihrem Job und der Lebensqualität, aber oftmals fällt es ihnen schwer soziale Kontakte zu knüpfen.

Die Gründe dafür sind laut Neumayr vielfältig. So kann beispielsweise die Sprache eine Hürde sein. Ebenso haben viele Einheimische ihren fixen Freundeskreis – oftmals schon seit Kindertagen. „Es fehlt eine gewisse Offenheit, die es in anderen Ländern gibt. In den USA oder in südamerikanischen Ländern ist es für viele kein Thema, neue Arbeitskollegen zu sich nach Hause zum Essen einzuladen. Bei uns ist das eher nicht üblich“, verdeutlicht Neumayr mögliche Mentalitätsunterschiede an einem Beispiel. Auch bei Veranstaltungen seien viele Menschen im Ländle eher mit ihrer Freundesgruppe unterwegs, wodurch es für andere schwerer werde, Anschluss zu finden. Doch umgekehrt sieht die Geschäftsführerin, die selbst mehrere Jahre im Ausland gelebt hat, auch Vorteile an der Vorarlberger Mentalität: „Andernorts sind die Menschen vielleicht offener, aber vielfach bleiben die Freundschaften dann nur oberflächlich. In Vorarlberg ist das eher umgekehrt. Es ist nicht einfach, neue Freundschaften zu knüpfen, aber wenn es gelingt, kann man sich auf diese Freunde verlassen.“
Expats
Keine allgemeingültige Definition gibt es für den Begriff Expats. Dieser ist eine Kurzform des englischen Worts „expatriate“ (deutsch: Auswanderer). Gemeint sind damit ausländische Fachkräfte – mit oftmals gehobener Bildung –, die in einem anderen Land leben und arbeiten. Angaben der Wirtschaftskammer zufolge gehen in Österreich knapp zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf Expats zurück. In Vorarlberg hängen schätzungsweise 35.000 Jobs von der Wertschöpfung solcher internationalen Arbietskräfte ab.
Die Veranstaltungen des Expat Service sollen Möglichkeiten bieten, um der sozialen Isolation entgegenzuwirken. Da die internationalen Fachkräfte keine homogene Gruppe sind, achten die Verantwortlichen darauf, ein möglichst abwechslungsreiches Angebot auf die Beine zu stellen. So wurden beispielsweise schon ein Yogakurs und Wanderungen durchgeführt. Kulturinteressierte kamen bei einer Führung bei den Bregenzer Festspielen oder im Kunsthaus auf ihre Kosten. Auch ein spezielles Programm für Familien mit Kindern wurde angeboten. Mittlerweile wurden auch zwei WhatsApp-Gruppen eingerichtet. Eine dient dem Austausch miteinander. In der anderen werden gezielt Veranstaltungshinweise und andere Informationen gepostet.
“Spouse-Gruppe”
Diesen Monat startet zudem ein Deutschkurs, in dem es vor allem um die Konversation im Alltag geht. Geplant ist nach Angaben von Neumayr auch, eine „Spouse-Gruppe“ zu gründen. In dieser soll auch den Ehe- und Lebenspartnern der Expats die Möglichkeit geboten werden, sich in Vorarlberg zu vernetzen. „Denn sie hängen oft ein bisschen in der Luft. Während der Partner etwa bei der Arbeit Möglichkeiten hat, Anschluss zu finden, ist es für sie schwerer“, erläutert die Geschäftsführerin.

Positive Rückmeldungen für das Angebot des Expat Service gibt es nach Angaben der Geschäftsführerin von den Unternehmen. Diese würden sich natürlich auch um ihre internationalen Fachkräfte kümmern, allerdings seien die Möglichkeiten beschränkt, wenn es um deren soziale Integration im Land geht. Gerade in den Personalabteilungen seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgeschlossen dafür, mit dem Expat Service zusammenzuarbeiten. Zurückhaltung gebe es in manchen Unternehmen diesbezüglich jedoch auf der Managementebene. Doch hier wandle sich langsam die Mentalität, berichtet Neumayr.
Eigene Erfahrungen
Unterstützung für die Organisation gibt es auch von Einheimischen, die Expats beim „Ankommen“ im Ländle zur Seite stehen wollen: „Viele von ihnen haben selbst im Ausland gelebt und wissen, wie schwer es sein kann, Anschluss zu finden.“ Genauso gebe es auch viele Wahl-Vorarlbergerinnen und -Vorarlberger, die schon seit mehreren Jahren hier leben und ihre Erfahrungen mit den Neuankömmlingen teilen möchten. Doch nicht nur der soziale Aspekt spielt bei der Arbeit des Expat Service eine Rolle. Vielfach geht es auch um Dinge wie etwa Behördengänge. Die Themenpalette ist in diesem Bereich ebenfalls sehr breit gefächert, und reicht von Fragen im Zusammenhang mit der Rot-Weiß-Rot-Karte bis hin zu Ausbildungsmöglichkeiten für jugendliche Familienmitglieder von Expats. Gerade im Bereich der Behörden sieht Neumayr noch Aufholbedarf. Denn vielfach seien Formulare oder Webseiten von Ämtern nicht auf Englisch verfügbar. Das mache es für die Betroffenen schwierig.
„Es fehlt eine gewisse Offenheit, die es in anderen Ländern gibt.“
Claudia Neumayr, Geschäftführerin des Expat Service Vorarlberg
Ein Fall beschäftigt die Geschäftsführerin derzeit besonders. Denn sie ist auf der Suche nach einem Termin in einer Fahrschule. Es geht darum, einen Führerschein aus einem Nicht-EU-Land umzuschreiben. Dafür muss eine praktische Fahrprüfung absolviert werden, allerdings sind die Fahrschulen im Land derzeit voll ausgelastet: „Es ist nirgendwo ein Termin zu bekommen.“ Auch mit derartigen Rückschlägen müssen die Verantwortlichen des Expat Service umgehen. Hilfreich ist dabei, dass es bei den meisten Anfragen gelingt, eine Lösung für die Betroffenen zu finden.

Ganz allgemein glaubt Neumayr, dass Vorarlberg derzeit anderen Industrieregionen noch ein wenig hinterherhinkt, was die Integration von Expats betrifft. Mit ihrer Arbeit will sie gemeinsam mit ihrem Mitarbeiter jedoch einen Beitrag dazu leisten, dass sich dies ändert. Unterstützung erhalten sie dabei vor allem von den Expats selbst, die mit großer Begeisterung mit von der Partie sind, wenn es darum geht, ihre neue Heimat kennenzulernen und neue Kontakte zu knüpfen.