Das Sternenjahr 2026: Die Himmelsereignisse im Überblick

Die Sonnenfinsternis im August macht das Himmelsjahr 2026 einzigartig. Ebenfalls im August sehen wir von Vorarlberg aus eine partielle Mondfinsternis. Voraussichtlich im April werden erstmals seit 54 Jahren wieder Menschen zum Mond fliegen. Schöne Planetenkonstellationen und Sternschnuppen runden das Programm ab. Kometen und Polarlichter können Überraschungen bescheren.
Von Robert Seeberger
neue-redaktion@neue.at
Astronomische Vorhersagen für ein ganzes Jahr sind sehr treffsicher. Denn Finsternisse, Mond- und Planetenpositionen können exakt vorhergesagt werden. Bei der Prognose von Raumfahrtmissionen schwingt eine gewisse technische Unsicherheit und die fragliche Finanzierung mit. Ungewiss ist die genaue Rate von Sternschnuppenschauern. Polarlichter und helle Kometen sind stets Glanzpunkte. Doch diese Himmelsshows sind nur vage vorhersehbar.

Sonnenfinsternis in den Abendstunden
Sonnenfinsternisse, vor allem totale, sind äußerst seltene Phänomene. In Österreich war die letzte 1999 zu sehen, die nächste folgt erst 2081. Über Vorarlberg waren 1999 „nur“ 98 Prozent der Sonnenscheibe durch den Mond verdeckt. Damals ist es während der Finsternis merklich dunkler und kühler geworden. Es war ein beeindruckendes Erlebnis. Auch am 12. August wird es ähnlich sein. Bei einer Sonnenfinsternis stehen Erde, Mond und Sonne in einer Linie aufgefädelt. Der Neumond muss sich im Bereich der Ekliptik aufhalten. Wegen der Bahnneigung des Mondes kann er bis zu fünf Grad oberhalb oder unterhalb der Ekliptik stehen. Daher sind Sonnenfinsternisse selten. Die Kernschattenspitze des Mondes ist nur wenige 100 Kilometer breit und nur auf diesem schmalen Streifen, der über die Erdoberfläche streicht, ist die Finsternis total. Daher sind solche Ereignisse an einem fixen Ort extrem selten.
Ein Beobachter sieht, wie sich der Mond vor die Sonne schiebt und sie in unterschiedlichem Ausmaß verdunkelt. Der Sonne ist 400-mal größer als der Mond und zufällig auch 400-mal weiter von uns entfernt. Daher sind die Winkeldurchmesser der beiden Himmelskörper mit ungefähr einem halben Grad gleich groß und die Mondscheibe kann die Sonne komplett abdecken. Bei Mondferne und Sonnennähe bleibt bei der Bedeckung ein freier Außenbereich übrig, dann spricht von einer ringförmigen Sonnenfinsternis.
Vorarlberg liegt am 12. August außerhalb des Totalitätsstreifens. Dieser verläuft Großteils über die Arktis, den Atlantik und das Mittelmeer. Zwischen Galizien und Valencia in Spanien trifft der Streifen europäisches Festland. Eine Reise ist angesagt, wenn man die feinen Effekte wie das Perlschnurphänomen, die Korona, die fliegenden Schatten und die Sterne neben der verfinsterten Sonne erleben möchte. In Vorarlberg beginnt die Finsternis um 19:24 Sommerzeit nur elf Grad über dem Westhorizont. Um 20 Uhr 17 sind 90 Prozent der Sonnenfläche verfinstert, 20 Minuten später ist Sonnenuntergang.
Partielle Mondfinsternis frühmorgens
Zwei Wochen später ist der Mond noch immer in der Nähe der Ekliptik, sodass es zu einer partiellen Mondfinsternis kommt. In den Morgenstunden des 28. August verfärbt und verdunkelt der Erdschatten den Vollmond. 94 Prozent sind verdunkelt, während der Mond um zirka 6.30 Uhr untergeht. Schöne Eindrücke zeigen sich am Himmel, wenn der Mond in der Nähe der Plejaden ist. Am 11. Juli gesellt sich auch der Mars dazu. Am 29. März bedeckt der Mond den hellen Stern Regulus im Löwen. Es ist ein Versuch wert, am 14. September untertags die Mondbedeckung der Venus, die dann extrem hell ist, zu verfolgen. Wegen der elliptischen Umlaufbahn variiert die Entfernung des Mondes. Der kleinste Vollmond ist am 31. Mai und der größte, manchmal sagt man auch Supermond dazu, ist am 24. Dezember.
Aufbruch zum Mond
In diesem Jahr ist nach 54 Jahren, als mit Apollo-17 Astronauten am Mond waren, ein neuerlicher Besuch geplant. Artemis ist ein NASA-Projekt mit Beteiligung der europäischen, kanadischen und japanischen Weltraumagenturen. Das Ziel ist die Rückkehr zum Mond, die Errichtung einer Station und mittelfristig die Weiterreise zum Mars. Artemis-I umrundete den Mond im Jahre 2022 ohne Menschen an Bord. Im April 2023 wurde die vierköpfige Crew für Artemis-II festgelegt: Reid Wiseman,Victor Glover (beide NASA), Christina Koch (erste Frau im Mondorbit) und Jeremy Hansen (erster Kanadier im Team). Der Start ist schon mehrfach verschoben worden, derzeit ist er mit April 2026 fixiert. Dann wird ähnlich wie bei den Apollomissionen der Mond umrundet werden. Ein Jahr später sollen wieder Menschen am Mond landen. Es ist gut vorstellbar, dass dabei ein ähnlicher Hype wie Ende der 1960er-Jahre entstehen wird.

Die Planeten
Am 28. Februar kann man nach Sonnenuntergang Merkur, Venus, Saturn und Jupiter sehen. Uranus und Neptun gesellen sich dazu, sie sind aber nur mit Optiken zu sehen. Mitte November zeigt sich am Morgenhimmel eine Planetenparade von Merkur, Venus, Mars und Jupiter. Merkur ist wegen seiner Nähe zur Sonne schwer zu beobachten. Kurz nach Sonnenuntergang ist er im zweiten Februardrittel sichtbar. Die Venus ist von Februar bis Anfang Oktober „Morgenstern“. Ab November steht sie am Abendhimmel. Der Mars ist erst wieder im Februar 2027 die ganze Nacht zu sehen. Jupiter strahlt zu Jahresbeginn und Saturn Anfang August die ganze Nacht über.
Zwei besondere Tage
Am 28. März öffnen die Sternwarten und Astronomie-Vereine ihre Tore für die Öffentlichkeit. Österreich beteiligt sich nicht daran, aber vielleicht geht sich ein Besuch in Grenznähe aus. Oder man beobachtet selbst die Highlights dieses Abends. An der Tag-Nacht-Grenze des Mondes ragt ein Henkel in den Schwarzen Himmel. Eine bogenförmige Bergkette des lunaren Juragebirges wird von der Sonne beschienen, während die Regenbogenbucht noch im Schatten ist. Ein Fernglas oder ein kleines Teleskop genügt, um den Goldenen Henkel zu bestaunen. Venus in der Dämmerung und Jupiter sind weitere Attraktionen des Astronomietages. Am 11. September wird in der „Earth Night“ auf die Lichtverschmutzung aufmerksam gemacht und aufgefordert, alle Außenlichter abzuschalten. Je mehr Menschen sich daran halten, umso fantastischer werden die Bedingungen für Sternbeobachter in dieser Nacht werden.

Sternschnuppennächte
Das unverhoffte Aufblitzen von Sternschnuppen unterschiedlicher Helligkeit, Farbe und Geschwindigkeit beeindruckt. Die bekannten Perseiden, auch Laurentiustränen genannt, haben heuer ihr Maximum in der Neumond-Nacht vom 12. auf 13. August. Das sind ideale Bedingungen. Auch für die Beobachtung der Geminiden am 13. Dezember herrschen nach Monduntergang ab 20.30 Uhr perfekte Voraussetzungen. Ein Tipp: Ein flüchtiger Blick aus dem Fenster oder Beobachtungsversuche bei künstlicher Beleuchtung werden keinen Erfolg bringen. Bei klarem Himmel und völliger Dunkelheit, idealerweise in höheren Lagen sind die prognostizierten Raten von einer Sternschnuppe pro Minute realistisch.
Kometen
Kometen tauchen unverhofft auf und faszinieren durch ihre langen Staub- und Ionenschweife. Aufgrund ihrer Bahnen wird die Helligkeit bei der größten Annäherung an die Sonne und die Erde vorherberechnet. Aber da kann es Überraschungen geben. Im September 2025 wurde C/2025 R3 PanSTARRS entdeckt. Im April könnte er mit dem Fernglas oder sogar von freiem Auge sichtbar werden. Es kann auch sein, dass ein bislang unentdeckter Komet 2026 seinen großen Auftritt hat. Wir müssen uns überraschen lassen und werden an dieser Stelle zeitig berichten.
Die aktive Sonne
Im Jahr 2025 war die Sonne äußerst aktiv. Das zeigte sich durch die hohe Zahl an Sonnenflecken, die mit einem Spezialfilter vor dem Fernrohr beobachtet wurden. Zudem gab es koronale Massenauswürfe, bei der geladene Teilchen in Richtung Erde geschleudert werden. Treffen sie auf die Atmosphäre, regen sie die Luftmoleküle an und erzeugen farbige Polarlichter, die gelegentlich auch in unseren Breiten sichtbar sind. Die erhöhte Aktivität macht solche Nächte etwas wahrscheinlicher. Zur Planung ist die Website der deutschen Polarlichtvorhersage sehr gut geeignet, sie gibt Wahrscheinlichkeiten für Polarlichter in mittleren geografischen Breiten an.