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Die Macht des Wortes

HEUTE • 09:00 Uhr
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Symbol für das wahre Licht, das in die Welt kam. Shutterstock

In unseren wöchentlichen Evangelienkommentaren geben Geistliche, Religionslehrerinnen, Theologinnen und andere ihre Gedanken zum Sonntagsevangelium weiter. Heute mit Erich Baldauf, Pfarrer in Hard und Bibelreferent der Diözese.

Sonntagsevangelium

Aus dem Evangelium nach Johannes: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne es wurde nichts, was geworden ist. In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden – allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. Johannes 1,1-5.9-14

Die Macht des Wortes

Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas, mit der Geburt in einem Stall, mit den singenden Engeln und dem Besuch der Hirten beim Neugeborenen, berührt die Herzen. Wenn wir dagegen den Evangelisten Johannes hören oder lesen, der sich mit derselben Thematik, der Menschwerdung Jesu, befasst, löst das bei vielen zunächst Ratlosigkeit aus. Der Johannesprolog, wie er genannt wird, wirkt nüchtern und schwer verständlich. Er berührt erst das Herz, wenn er mehrmals gelesen, vielleicht besser: „verdaut“ wird.

Ein Kommentar in der Kürze kann vielleicht aus der Fülle der Themen und Bezüge auf zwei oder drei Aspekte hinweisen, die für ein spirituelles Leben Nahrung werden: Mehrmals arbeitet Johannes mit Doppeldeutigkeiten, so auch gleich am Beginn: Im Anfang war das Wort. Das „Wort“ kann als Bezug zu Jesus verstanden werden. Er ist das Wort, das von Gott kommt – er mit seinem Leben, mit seiner Botschaft und den Heilungen. Zugleich gilt es als Grundmotiv des Lebens: Gott wird im Wort gegenwärtig. Es braucht das Wort, damit ein Verstehen möglich wird, damit Menschen zueinanderfinden, damit sich Ideen entwickeln und Neues geschaffen werden kann. Es gibt auch keine Lösungen von Problemen, solange sie nicht ins Wort gebracht werden. Der Evangelist Johannes weist mit der ersten Zeile seines Evangeliums darauf hin, wie wichtig der achtsame Umgang mit dem Wort ist. Worte schaffen Wirklichkeit, Atmosphäre – die Welt, in der wir selbst und andere zu leben haben. Im Anfang war das Wort. Das wahre Licht kam in die Welt. Es ist ein Statement des Evangelisten Johannes. In Jesus Christus das wahre Licht zu sehen, das stellen heute viele in Frage – und es war nicht anders, als der Autor die Zeilen schrieb. Johannes verwendet dann das weitere Evangelium, um dieses wahre Licht zu beschreiben. Dieses Licht zeigt sich im Tun Jesu, in den Reden, in den Heilungen bis hin zum Tod am Kreuz. Er verzichtete darauf, anderen den Kopf zu waschen, sondern wusch ihnen die Füße. Jesus war kein Blender und kein Verführer, der sich selbst ins Licht gestellt hätte. Sein Licht ist eine Liebe, die niemanden verurteilt oder ausgrenzt. Das wahre Licht kam in die Welt – und wirkt immer noch in der Welt.

Pfarrer Erich Baldauf mit Aschegefäß oder so in der Kirche
Erich Baldauf ist Pfarrer in Hard und Bibelreferent der Diözese.