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Herschels Granatstern

17.01.2026 • 14:00 Uhr
Der Granatstern, ein Überriese
Der Granatstern, ein Überriese. Wikipedia gemeinfrei

Im Sternbild Kepheus ist ein variabler, roter Stern. Er ist ein weit entfernter Überriese.

Heute ist Neumond. Deshalb können wir einige Nächte lang schwächere Sterne vom Mondlicht ungestört beobachten. Richten wir die Aufmerksamkeit auf Kepheus, eines der Zirkumpolar-Sternbilder, das ganzjährig zu sehen ist. Um 19 Uhr steht das Sternbild, dessen Form an die Kinderzeichnung eines Hauses erinnert, 60 Grad hoch im Nordwesten. Ein Sternenquadrat zeichnet die Umrisse des Hauses, darüber markiert ein Stern seinen Spitzgiebel.  Kepheus war in der griechischen Mythologie der König von Äthiopien. Seine Gemahlin Kassiopea begleitet den Kepheus auch als Sternbild am Himmel. Die letzten beiden Sterne des Himmels-W, wie Kassiopeia auch genannt wird, weisen auf Kepheus.

Veränderliche Sterne

Der bedeutendste Stern des Kepheus ist der Überriese Delta Cephei. Er pulsiert und verändert dabei seine Helligkeit innerhalb von 5,37 Tagen. Mit Sternen dieses Typus wurde eine wichtige Methode zur Distanzbestimmung entwickelt. Erst mit Hilfe der Delta Cepheiden erkannt man, dass manche Nebel eigene Galaxien in gigantischen Entfernungen sind. Während Delta Cephei bei der Strichzeichnung die linke untere Ecke des Hauses markiert, befindet sich knapp unterhalb und in etwa der Mitte der Bodenline mit μ Cephei ein weiterer, veränderlicher Überriesenstern im Kepheus.

Herschel

Der deutsch-britische Astronom und Musiker William Herschel (1738 – 1822) ist als Entdecker des Planeten Uranus in die Geschichte eingegangen. Er war ein sehr eifriger und vielseitiger Himmelsbeobachter, der auch eigene Teleskope baute. Gemeinsam mit seiner Schwester Caroline klassifizierte er Nebel und erstellte einen Katalog mit 2500 Einträgen. Auch ein Katalog mit 848 Doppelsternen erstellten die beiden. William Herschel beobachtete das auffällige Rot des Sterns μ Cephei und nannte ihn Granatstern, eine Bezeichnung, die bis heute üblich ist. In dem Buch „Der Sternenhimmel“, das um 1910 im Verlag der Leo-Gesellschaft erschienen ist, wird über die Ursachen der halbregelmäßigen Veränderlichkeit des Granatsterns gerätselt und über die Namensgebung geschrieben. „…der von W. Herschel mit dem Namen Granatstern geschmückte Stern μ Cephei, unter allen dem freien Auge sichtbaren Sternen der Nordhalbkugel der röteste“.

Ein kühler Riesenstern

Die Helligkeit des Granatsterns schwankt in sehr langen Zeiträumen von 850 und 4400 Tagen zwischen 3,5 und 5,0 Magnituden. Eine Beobachtung mit freiem Auge oder Fernglas ist bei dunklem Himmel leicht möglich.  Der Granatstern ist ein Überriese in 3000 Lichtjahren Entfernung. Seine Oberflächentemperatur beträgt nur 3450 Kelvin, das erklärt seine rote Farbe. Er ist trotz seiner großen Entfernung sichtbar, da er 350.000 Mal leuchtkräftiger als die Sonne ist und 25 Sonnenmassen hat.

Die halbregelmäßigen Helligkeitsänderungen in langen Zeiträumen können weder durch seine zwei Begleitsterne, noch durch ein einfache Pulsation wie bei Delta-Cephei erklärt werden. Generationen von Astronomen, darunter auch der ehemalige Bregenzer und Direktor der Vatikansternwarte, Johann Georg Hagen, haben die Veränderungen genau vermessen. Eine Ursache wären unregelmäßige Konvektionsströme nahe der Sternoberfläche. Einige der Schwingungen, die dadurch entstehen, löschen sich gegenseitig aus, andere bleiben. Vielleicht ist Staub um den Stern mitverantwortlich. Noch sind nicht alle Details geklärt. Zum Schluss ein Tipp für Astrofotografen: direkt neben dem Granatstern liegt IC 1396, ein schöner Emissionsnebel, in dem ein offener Sternhaufen eingebettet ist.