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„Man wächst mit den Kindern“

31.01.2026 • 08:03 Uhr
„Man wächst mit den Kindern“
Alexandra Smekal betreut zwei kleine Mädchen im Bezirk Bregenz. Hartinger

Unternehmerin Alexandra Smekal ist ehrenamtliche Kinderbetreuerin im Kinderdorf. Ein Einsatz, der Verantwortung und Vertrauen erfordert.

Alexandra Smekal ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Sie führt ihre eigene Agentur im Finanzwesen, ist sportlich aktiv und genießt ihr Leben in vollen Zügen. Kinder hat sie keine, eine bewusste Entscheidung, wie sie offen erzählt.
„Das Kinderkriegen ist an mir vorbeigegangen. Ich hätte damals zugegeben auch keine Zeit dafür gehabt“, sagt Smekal im Gespräch mit der NEUE. Ganz ohne Kinderbezug ist ihr Alltag dennoch nicht. Besonders ihre Neffen liegen ihr am Herzen. „Ich verwöhne sie unfassbar gerne, sehe sie aber leider viel zu selten. Der Großteil meiner Familie lebt in Tirol.“

Eigene Kinder

Der Wunsch, dennoch etwas für Kinder zu tun, war jedoch schon lange da. Vor nicht ganz zwei Jahren erzählte ihr eine Bekannte, sie müsse „später noch zu ihren Kindern“. Smekal wurde damals hellhörig, wusste sie doch, dass die Bekannte doch eigentlich keine eigenen Kinder hatte. „So bin ich erstmals auf das Ehrenamt im Kinderdorf aufmerksam geworden“, erzählt sie.
Ihr Interesse war geweckt, und sie entschloss sich, selbst aktiv zu werden. Kurze Zeit später bewarb sie sich selbst um eine ehrenamtliche Tätigkeit beim Vorarlberger Kinderdorf.

„Man wächst mit den Kindern“
Alexandra Smekal im Gespräch mit der NEUE. Hartinger

Verantwortung. Schnell stellte sich heraus, dass das Engagement weit mehr bedeutet, als gelegentlich auf Kinder aufzupassen. Der Weg zur ehrenamtlichen Betreuung sei bewusst umfangreich gestaltet, berichtet sie. In Gesprächen mit den Verantwortlichen werden familiäre Erfahrungen, die persönliche Motivation und der berufliche und strafrechtliche Hintergrund genau geprüft. Dazu kommen Schulungen sowie regelmäßige Austauschtreffen. „Es geht immer um das Kindeswohl. Wenn jemand Fremdes auf Kinder aufpasst, muss das zu hundert Prozent passen“, betont Smekal.
Mitte Oktober 2024 war es für sie dann schließlich so weit: Smekal übernahm erstmals die Betreuung zweier kleiner Mädchen und unterstützte deren Mutter in einer familiären Ausnahmesituation. Die erste Begegnung mit den Kindern beschreibt sie als besonders emotional. „Sie sind sofort auf mich zugekommen, zuerst vorsichtig, dann sehr offen. Alle Beteiligten haben sich schnell wohlgefühlt.“

Bedarf nach Betreuung

Heute sieht Smekal die beiden Mädchen etwa alle 14 Tage für ein paar Stunden am Wochenende. Die Gründe, warum Familien diese kostenfreie Unterstützung in Anspruch nehmen, sind vielfältig. Dazu gehören unter anderem finanzielle Engpässe, fehlende Großeltern oder plötzliche Schicksalsschläge. Was die Familien besonders am Konzept schätzen, sei die Motivation der Ehrenamtlichen. „Man spürt, dass die Betreuung aus Überzeugung und aus Liebe zu den Kindern passiert“, ist Smekal überzeugt.

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Derzeit warten mehr Familien auf Betreuungunterstützung als Ehrenamtliche zur Verfügung stehen. Hartinger

Für die 52-Jährige ist das Ehrenamt mehr als eine zusätzliche Aufgabe. „Es ist kein Job, sondern etwas, das mir sehr viel zurückgibt“, sagt sie. Die Verantwortung, das Vertrauen der Familie und die Beziehung zu den Kindern hätten ihren Blick auf vieles verändert. Oder wie sie es selbst zusammenfasst: „Man wächst da hinein und möchte es nicht mehr missen.“