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Schnupfige Theaterpremiere – zwischen Bühne, Bett und Vitamin C

21.02.2026 • 10:30 Uhr
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Elegant wie eine Hochleistungssportlerin habe ich mich diesen Winter durch den Viren-Slalom bewegt. Mit Schwung vorbei an der hustenden Supermarktkassiererin, um dann mit viel Kraft am niesenden Arbeitskollegen vorbeizumanövrieren: „Nicht mit mir!“ Ich habe Ingwer gekaut, bis mir die Augen tränten, Vitamin D, C und B wie Smarties gelutscht und mir eingeredet, dass Schlaf wichtiger ist als jede Netflix-Serie. Zugegeben: Letzteres hat nicht immer funktioniert.

Und jetzt, wenige Tage vor einer abendfüllenden Theaterpremiere, rinnt meine Nase wie eine undichte Dachrinne im April (auf den ich mich übrigens freue wie ein Kleinkind auf ein Eisstanizel, weil sich dann der Frühling anbahnt!). Na danke! Dem Körper ist Dramaturgie kein Fremdwort.

Tagsüber halte ich mich wacker. Ich trinke Tee in Badewannenmengen, Vitamin C ist Grundnahrungsmittel und mein Bett mein allerbester Freund. Aber sobald ich an die Bühne denke, schleicht sich diese leise Panik ein: Wie um Himmels willen schneuze ich mich in der Rolle? Gibt es eine elegante Variante des Taschentuchzückens, die nicht nach „Zombieine im Endstadium“ aussieht?

Und die Frage aller Fragen: Welche Medikamente halten mich zwei Stunden aufrecht, ohne dass ich danach gegen eine Kulisse lehne und dort bleibe – bis zur nächsten Aufführung wie ein bereitgestelltes Requisit? Während ich googelnd forsche, möchte ich dann aber auch noch etwas wissen: Was also will mir das Universum sagen? „Mach langsamer.“ – Eher schlecht vor einer Premiere. „Geh nach Bali.“ – Kurzfristig organisatorisch schwierig.

„Sag die Premiere ab und werde Töpferin.“ – Halte ich für unwahrscheinlich, bei meiner Hand-Finger-Koordination, die selbst ein Escher-Bild logisch erscheinen lässt. „Lerne endlich Nein zu sagen.“ – Zu wem? Zum Schnupfen?

Vielleicht ist es banaler. Vielleicht sagt mein Körper nicht „Stopp“, sondern „Hallo“. Hallo Aufregung. Hallo Lampenfieber. Hallo, es ist dir wichtig. Denn genau jetzt, wo es zählt, meldet sich alles: Herz, Hirn – und eben auch die Nase.

Womöglich ist der „IchwillimBettbleiben“-Modus gar kein Wink mit dem Zaunpfahl, sondern nur mein innerer Dramaturg, der die Spannung erhöht. Also gut. Ich werde mich schnäuzen. Diskret. In der Rolle. Ich werde Tee trinken, Tabletten dosieren, schlafen, wann immer es geht – und dann auf die Bühne treten. Nicht als Zombieine. Sondern als Frau mit Taschentuch in der Kostümtasche und dem festen Vorsatz, lebendig zu sein und den Schnupfen nicht die Kontrolle übernehmen zu lassen.

Aber bevor das passiert – lege ich mich nochmals kurz hin. Hatschiiii!