Madagaskar und der Kampf gegen die Armut

Die ökonomische Lage Madagaskars ist prekär. Der Inselstaat im Indischen Ozean gehört zu den ärmsten Regionen der Welt; rund zwei Drittel der Bevölkerung lebt unter der internationalen Armutsgrenze.
Der Zugang zu klassischen Bankdienstleistungen zählt zu den niedrigsten in Subsahara-Afrika: Nur rund 18 Prozent der Erwachsenen verfügen über ein Bankkonto oder eine Mobile-Money-Lösung. In dieser Versorgungslücke hat sich der Mikrofinanzsektor zu einem entscheidenden Stabilitätsfaktor entwickelt, wie die Experten der Erste Asset Management betonen.
Der soziale und wirtschaftliche Druck ist enorm: Im Herbst 2025 protestierten tausende junge Menschen gegen anhaltende Missstände. Die jahrelange Kapazitätsschrumpfung in Energie- und Wasserversorgung hatte einen kritischen Punkt erreicht; tägliche Stromabschaltungen und Ausfälle in der Wasserversorgung legten Haushalte, Betriebe und die exportorientierte Industrie nahezu lahm. Bereits 2018 zeigte ein Weltbank-Bericht, dass nur 15 Prozent der Bevölkerung Zugang zu Elektrizität haben. Die staatliche Versorgungsfirma JIRAMA, deren Sanierung mit Millionenbeträgen des Internationalen Währungsfonds unterstützt wurde, erwies sich als hochverschuldet, ineffizient und politisch überlastet. Parallel leidet die Bevölkerung seit 1997 unter einer dauerhaft hohen Inflation von durchschnittlich 8,5 Prozent.
Vor diesem Hintergrund bietet eine Mikrofinanzierung oft die einzige Möglichkeit, Einkommensaktivitäten aufzubauen, kurzfristige Liquiditätsengpässe zu überbrücken oder nach Naturkatastrophen wirtschaftliche Resilienz wiederherzustellen. Mikrofinanzkredite sind Kleinstkredite – meist nicht mehr als einige hundert Euro –, die Menschen mit sehr geringem Einkommen dabei unterstützen sollen, ein stabiles Auskommen zu schaffen. Im Jahr 2023 stellten die 16 landesweit aktiven Mikrofinanzinstitutionen insgesamt rund 240 Millionen US‑Dollar an Finanzierung bereit und erreichten damit etwa 2,5 Millionen Kunden.
Doch auch die Mikrofinanzbranche steht unter Druck. Fachkräftemangel, begrenzte Digitalisierung und zunehmende klimabedingte Risiken erschweren eine nachhaltige Weiterentwicklung. Nur wenn Madagaskar konsequent die Ursachen seiner Fragilität angeht – von der maroden Infrastruktur über das schwache Versorgungssystem bis hin zur mangelnden finanziellen Einbindung breiter Bevölkerungsgruppen –, besteht die Chance, den Kreislauf aus Armut, Instabilität und wirtschaftlicher Verwundbarkeit zu durchbrechen.
