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Fotografieren als Technik und Kunst

16.05.2026 • 08:30 Uhr
Fotografieren als Technik und Kunst
Karl-Rudolf Huber hat sich als Fotograf auf professionelle Bild- und Visualproduktionen spezialisiert. Huber Images

Karl-Rudolf Huber aus Bludesch fotografiert und photoshoppt für sein Leben gern.

Seit ich fotografiere, arbeite ich nicht mehr“, sagt Karl-Rudolf Huber. Dieser Satz gilt für die vergangenen 22 Jahre, denn gegründet hat der Fotograf im Jahr 2004. Damals ging der gelernte Automechaniker durch eine private Krise. Sein ehemaliger Lehr-Chef riet ihm, einen zweitägigen Motivationskurs zu besuchen, wo sich die Teilnehmenden der Frage stellten: „Was möchte ich im Leben wirklich machen?“ „Fotografieren!“, schoss dem Automechaniker durch den Kopf. Neun Monate später gründete er. „Ich weiß, wie lange eine Tüte Chips hält, wenn man kein Geld für was zu beißen hat“, sagt Huber und klingt dabei keineswegs bitter.
Eine weitere Krise war auch für ihn die Corona-Pandemie. „Ich habe meinen Vermieter angerufen und gesagt, dass ich nicht weiß, wie ich die nächste Miete fürs Studio zahlen soll.“ Sein Studio liegt hinter der OMV-Tankstelle in Bludesch – er hat es immer noch. „Irgendwie ist immer in letzter Minute doch noch ein Auftrag reingekommen“, erinnert sich der 59-Jährige. Zu keinem Zeitpunkt, auch damals nicht, hat er bezweifelt, dass die Fotografie sein Weg ist.

Fotografieren als Technik und Kunst
Auch eine Helikopterlandung in alpinem Gelände gehört zu den Arbeiten des Fotografen.

International unterwegs

Sein Erfolg gibt ihm recht. Mit seinen Fotografien spielt er international mit, ist mal in Australien unterwegs oder in New York. Beispielhaft erzählt er von einem Fotoauftrag, der ihn neulich ins deutsche Bremerhaven geführt hat. Es ging darum, zwei Firmen und einen E-Lkw auf der Autobahnfahrt nach oben in Szene zu setzen. Zwei Kunden gleichzeitig bedienen und den Lkw auf seiner Fahrt vorteilhaft fotografieren und filmen, das war allein logistisch eine Herausforderung: Mit der Drohne fotografierte Huber von oben. Von einer Raststätte aus hielt er außerdem das vorbeifahrende Fahrzeug fest, wobei er inständig hoffte, dass rings um den Lkw in diesem Moment nicht allzu viel Verkehr wäre. Außerdem mussten zusätzlich das Wetter und die Lichtsituation passen. Mit einem Kollegen reihte er sich schließlich vor dem fahrenden E-Lkw ein und fuhr mit offener Heckklappe, durch die sein Kollege hinten raus fotografierte.

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Spektakulärer Dreh auf der Autobahn: Für Aufnahmen von Lkw war neben Technik vor allem perfektes Timing gefragt.

Das Timing, die Abstimmung, die Technik, die Umstände – bei einem solchen Auftrag muss einfach alles stimmen. „Und dann muss erst noch der Kunde sagen, ob ihm das Material gefällt“, bemerkt der Fotograf.
Damit das der Fall ist, bearbeitet er die Fotos nach. Ein bis zwei Stunden sitzt er dabei an einem Bild. Er mag die Hintergründe dunkel und die Lichtsituation dramatisch, seine Bilder sind Kunstwerke. Trotzdem bestimmen die Kundinnen und Kunden, was gemacht wird. Für einen Social-Media-Werbeclip eines Unternehmens die passenden Bilder zu den getexteten Worten zu finden, das ist immer häufiger Hubers Aufgabe. Wobei er sagt, dass die Aufmerksamkeitsspanne der Anschauenden immer kürzer geworden ist und inzwischen bei nicht mehr viel mehr als 30 Sekunden liegt.

Organisation ist alles

Er erzählt vom immensen Organisationsaufwand, zum Beispiel, wenn eine Firma Drohnenfotos haben möchte: „Wenn ich Bilder aus der Vogelperspektive machen will, darf ich auf keinen Fall übers Nachbargrundstück fliegen, das kann rechtlich Riesenärger geben. An solche Dinge denkt mein Kunde nicht unbedingt.“ Der Druck auf den Auslöser schließlich ist das Geringste – und entscheidet doch über Top oder Flop.

Fotografieren als Technik und Kunst
Ein inszeniertes Porträt in Schwarzweiß mit feiner Lichtführung und textiler Dynamik.

Huber macht auch Porträts, am liebsten fotografiert er aber „alles, was mit Stahl zu tun hat“. Da blitzt der Automechaniker in ihm auf. Fotografieren beginnt bei ihm oft mit der Bitte an Mitarbeiter, dies oder jenes in der Montagehalle aufzuräumen, einen Kratzer im Prototyp wegzupolieren oder noch ein fehlendes Blech anzuschrauben. Huber fotografiert digital, denkt aber analog: „Ich mache das Bild erst, wenn ich es zu Ende gedacht habe“, verrät er. Er sieht mehr, als da ist. Nicht zuletzt erschafft er seine Bilder mit seiner Vorstellungskraft. Erst danach kommt die KI: „Fotomanipulationen sind meine Leidenschaft. ,Out of cam’ gibt es bei mir nicht. Ich bearbeite die Fotos so, dass sie mir gefallen. Wenn sie dann noch meinen Kunden gefallen, haben wir eine Win-Win-Situation, und hinter mir liegt ein weiterer Tag, an dem ich nicht gearbeitet, sondern nur fotografiert habe“, erzählt Huber gut gelaunt.

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Karl-Rudolf Huber macht aus Industriefotografie ausdrucksstarke Bildwelten.

Wenn er sich vorbeugt, knarzt das Studio-Sofa, auf dem er sitzt. Und er beugt sich oft vor, zum Beispiel, um Fotos zu zeigen oder um von Reisen zu erzählen, die er fotografisch begleitet hat. „Fotos mit dem Smartphone aus der Hosentasche sind heute im Handumdrehen gemacht. Aber letztlich sehen sie dann auch spontan aus. Das hat seinen eigenen Charme. Meine Bilder leben aber davon, dass davor und auch danach noch eine Menge Gedankenarbeit hineinfließt. Dabei geht es nicht darum, was mit einer Technik möglich ist, sondern darum, sie ganz gezielt einzusetzen“, erklärt der erfahrene Fotograf.
So kann er beispielsweise seine Bilder schon während des Shootings seinen Kunden zeigen, um sie mit ins Boot zu holen und sein Konzept anzupassen. Karl-Rudolf Huber liebt die Menschen, und wenn er fotografiert, blickt er ihnen durch die Linse hindurch in die Augen. Die derart Fotografierten wiederum sehen durch die Kamera hindurch ihn, sodass Huber, wenn er auf den Auslöser drückt, damit das Zwischenmenschliche einer Auge-in-Auge-Begegnung optimal festhalten kann.

Weitere Infos unter:
www.epu.wko.at

kontakt

Huber Images
Karl-Rudolf Huber
Schöpf Areal, Hauptstraße 65, Bludesch
Tel. 0664/4251724
Mail: info@huber-images.at
Web: huber-images.at