Sternexplosion im Drachen

Die 40 Millionen Lichtjahre entfernte Supernova SN2026kid ist auch für Amateure erreichbar.
Um diese Jahreszeit wird es erst sehr spät richtig dunkel. Um 23 Uhr steht das Sternbild Drache hoch am Nordhimmel. Am 22. April gelang dem japanischen Amateur-Astronomen Yasuo Sano eine besondere Entdeckung. Er fand in der 40 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie NGC 5907 den Ausbruch einer Supernova. Was ist der Stellenwert dieser Entdeckung und wie können wir die Galaxie beobachten?
Astronomische Kataloge
Himmelsbeobachter, die mit einem guten Fernglas ausgerüstet sind, identifizieren Sternbilder und die sogenannten Messier-Objekte. Das Potpourri von 110 helleren, schönen galaktischen Nebeln, Sternhaufen und Galaxien ist ein gutes Beobachtungsziel. Prominente Beispiele sind der Orionnebel, M42 und die Andromedagalaxie, M31. Der NGC Katalog (New General Catalog) enthält mit seinen 7840 Einträgen wesentlich lichtschwächere Objekte. Er wurde Ende des 19. Jahrhunderts veröffentlicht. In den gängigen Sternführern werden alle Messier-Objekte und nur sehr wenige NGC-Objekte zur Beobachtung empfohlen. Das Sternbild Drache, das sich derzeit gegen 23 Uhr hoch am Himmel zwischen nord- und nordöstlicher Richtung erstreckt, enthält trotz seiner Ausdehnung nur wenige für Amateurastronomen interessante Objekte. Meist wird nur der Katzenaugennebel, ein Planetarischer Nebel, erwähnt.
Messerschneiden-Galaxie
NGC 5907 ist eine Spiralgalaxie im Sternbild Drache. Ihre Helligkeit von 10,4 mag unterschreitet die Grenzhelligkeit von freisichtigen Beobachtungen um über vier Magnituden. Auch mit einem guten Fernglas ist sie schwer zu fassen. Für Teleskopbeobachter sind hier die Koordinaten mit 15h 15m 54s Rektaszension und +56° 19´44″ Deklination angegeben. Eine Relativangabe wie x Grad neben dem Stern y würde nicht zum Ziel führen. Wir blicken direkt auf die Kante der Spiralgalaxie, daher ist sie zwar gut ein Dritel des Vollmondes lang, aber extrem dünn. Wegen dieser Form wird sie auch Messerschneiden-Galaxie oder Splittergalaxie genannt. Ihr Durchmesser ist mit 150.000 Lichtjahren etwas größer als der unserer Milchstraße. Wegen ihrer Entfernung von gut 40 Millionen Lichtjahren – das ist 20-mal weiter als die Strecke zur Andromedagalaxie – und wegen ihrer Kantenlage ist sie so leuchtschwach. Sie wurde 1788 vom Astronomen Wilhelm Herschel entdeckt. Viele Amateurastronomen, auch in Vorarlberg haben sich auf die Astrofotografie spezialisiert. Mehrere Stunden Aufnahmezeit liefern fantastische Bilder. Sogar mit den neuen, kleinen „Smart-Teleskopen“, die seit einigen Jahren auf dem Markt sind, ist NGC 5907 in Reichweite, wovon sich der Autor dieser Zeilen selbst überzeugt hat.
Supernovae
Somit kann man die Galaxie doch als Objekt für Amateure nennen. Mehrere Astrofotografen hatten in den letzten Wochen einen neuen Stern in der Galaxie gesehen. Seinen raschen Helligkeitsanstieg und der jetzt langsame Abfall kann direkt verfolgt werden. Die Lichtkurve spricht für eine Supernova vom Typ II. Das bedeutet: Ein Stern mit mindestens achtfacher Sonnenmasse ist nach einem Kernkollaps am Ende seines Lebens explodiert und dabei extrem hell geworden. Die Supernova erhielt die Bezeichnung SN2026kid für das Entdeckerjahr und einen Buchstabencode, der angibt, um die wievielte Supernova-Entdeckung (in allen Galaxien) es sich 2026 handelt. Mit Supernovae lassen sich Entfernungen zu Galaxien recht gut bestimmen. Allerdings ist der Typ II dafür nicht ideal. Dennoch könnte die Entdeckung von Yasuo Sano Astrofotografen anspornen, nach Sternexplosionen in fernen Galaxien zu suchen.