Heute ist Vollmond: So lassen sich Krater und Mondmeere am besten beobachten

Das ist eine Gelegenheit, Meere, Krater und Gebirge des Mondes gesamthaft zu beobachten.
Am heutigen Sonntag wird die Mondoberfläche senkrecht von der Sonne beschienen. Um 10.45 Uhr ist Vollmond, die Erde steht zwischen der Sonne und dem Mond. Er dreht sich nicht in derselben Ebene um die Erde wie die Planeten um die Sonne. Gäbe es diese Neigung der Mondbahn nicht, hätten wir jeden Monat eine Mond- und eine Sonnenfinsternis. Tatsächlich sind Finsternisse seltene Schauspiele. Am 12. August dürfen wir eine partielle Sonnenfinsternis und in der Nacht von 27. auf 28. August eine partielle Mondfinsternis über Vorarlberg erwarten.
Oft wird gesagt, der Vollmond sei die beste Beobachtungszeit, weil alle der Erde zugewandten Strukturen von der Sonne beleuchtet werden. Heute Abend sind Mondmeere, Mondkrater und Mondgebirge sichtbar. Einige der hellsten Strukturen, die für Beobachter mit freiem Auge oder Fernglas interessant sind, werden hier beschrieben. Aber viel mehr Monddetails werden bei zu- und abnehmendem Mond an der Licht-Schatten-Grenze sichtbar. Denn in diesen Bereichen werfen selbst kleinste Erhebungen lange Schatten.
Meere ohne Wasser
Der Vollmond ist heute von circa 22 Uhr bis morgen um fünf Uhr über dem Horizont. Die gesamte erdzugewandte Seite ist sichtbar. Mit freiem Auge sind dunkle Flecken und helle Gebiete zu sehen. Die dunklen, glatten Gebiete werden Meere genannt. Sie sind staubtrocken und die Folge großer Asteroideneinschläge. Dunkles Magma gelangte aus dem Mondinneren an die Oberfläche. Die hellen Gebiete sind älter und von Kratern übersät. Im unteren Teil der Mondscheibe fällt der Strahlenkrater Tycho auf. Er hat einen Durchmesser von 85 Kilometern, ist fast fünf Kilometer tief und in seiner Mitte erhebt sich ein 1600 Meter hoher Zentralberg. Nach dem Einschlag wurde Material strahlenförmig in alle Richtungen ausgeworfen.
Das Meer der Krisen ist ein fast rundes, 600 Kilometer großes Gebilde am rechten oberen Rand der Mondscheibe. Sein Abstand zum Mondrand ändert sich periodisch und weist darauf hin, dass der Mond ein bisschen „wackelt“ und so etwas von seiner Rückseite preisgibt. Circa 60 Prozent der Mondoberfläche sind zu sehen. Das große Meer links des Meeres der Krisen ist das Meer der Ruhe, an dessen unterem Rand 1969 die ersten beiden Menschen Mondboden betraten. Alle sechs bemannten Apollo-Landungen fanden in Äquatornähe oder bei geringen lunaren Breiten statt. Weiter nach links schließen die großen Meere der Heiterkeit und das Regenmeer an. Nutzt man ein Fernglas, werden immer mehr Krater wie Kopernikus und Kepler sichtbar, die beide Strahlenkrater sind.
Kraterentstehung
Praktisch alle Mondkrater sind durch Einschläge entstanden. Da der Mond keine Lufthülle hat, hinterlassen auch kleinste Steinchen Löcher am Mondboden. Bei der Kollision mit der Erde verglühen sie als Sternschnuppen in der Atmosphäre. Eine grobe Abschätzung besagt, dass Mondkrater fünf- bis zehnmal größer sind als der Meteorit, der sie geformt hat. Natürlich hängt der Durchmesser der Krater auch von der Geschwindigkeit und dem Einfallswinkel des Asteroiden ab.
Die Größe von Meeren und Gebirgszügen lässt sich durch Vergleich mit dem Monddurchmesser von 3475 Kilometern abschätzen. Das Meer der Ruhe ist so groß wie das Schwarze Meer. Auf Ausdrucken von Mondfotografien kann man sogar die Abmessungen großer Krater durch Vergleich mit dem Monddurchmesser ermitteln. Nach einer kurzen Orientierung, weil Teleskope manchmal auf dem Kopf stehende Bilder liefern, kann die spannende persönliche Erforschung des Mondes beginnen.
Robert Seeberger