Transparenz schafft Gerechtigkeit

Die EU will mehr Lohngerechtigkeit schaffen. Warum die Entgelttransparenzrichtlinie dafür ein wichtiger Schritt ist.
Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie fordert Unternehmen heraus. Es ist ein recht üblicher Vorgang, dass die EU rechtliche Rahmen setzt, die in den Mitgliedsstaaten umzusetzen sind. So üblich, dass sie zum Feindbild im Zentrum der Bürokratisierungskritik geworden ist.
Ziel ist es, Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen aufzudecken, zu verhindern und bestehende Unterschiede auszugleichen. Frauen sollen bei gleichwertiger Arbeit das Gleiche verdienen wie ihre Kollegen. Schon 2023 wurde der 7. Juni 2026 für eine Umsetzung der EU-Richtlinie in nationales Recht festgelegt.
Drei Jahre waren Zeit. Drei Jahre, das ist die Dauer einer Lehrausbildung. Drei Jahre sind eigentlich genügend lange, um in staatlicher und sozialpartnerschaftlicher Verantwortung festzustellen, worin sich gleiche von gleichwertiger Arbeit unterscheidet, Entwürfe auszudiskutieren und Gesetzesvorlagen abzustimmen. Aber Geschlechtergerechtigkeit und Bürokratie – dieses Gespann provoziert und schafft Widerstände.
Die finanzielle Bewertung von Lohnarbeit ist veränderbar. Ob bewusst oder unbewusst hat sie viel mit dem Geschlecht zu tun. Wer einen Blick auf die „branchenübliche“ Bezahlung wirft und sie mit den Geschlechterverhältnissen in Verbindung bringt, kann es nicht übersehen.
Gleichwertigkeit von Arbeit denkt den Vergleich von Erwerbsarbeit neu. Nicht nur formale – auch informelle Qualifikationen werden verglichen. Körperliche Kraft, psychische und emotionale Belastungen werden in einer Kategorie gemeinsam ins Treffen geführt. Transparenz ist Voraussetzung für Vergleich und sorgt für konkrete Anläse Gerechtigkeit einzufordern.
“Geschlechtergerechtigkeit und Bürokratie – dieses Gespann provoziert und schafft Widerstände.”
Lea Putz-Erath
Es geht also ans Eingemachte. Wenn die Führungsverantwortung der Leiterin des Reinigungsteams unternehmensintern gleich bewertet wird, wie die Führungsverantwortung des Leiters der Vertriebsabteilung, dann verändert sich das Gefüge. Wer den emotionalen Druck und Stress einer Einzelhandelskauffrau im Umgang mit ungeduldigen Kunden mit jenem Preisdruck der Teams im Großeinkauf vergleichbar macht, der gewinnt viele neue Perspektiven. Das ist ein klarer Weg zu mehr Fairness bei der Entlohnung – insbesondere zwischen Frauen und Männer.
