Ein Haus voller Geschichten

Das Angelika-Kauffmann-Museum in Schwarzenberg widmet sich einer großen Künstlerin und hält Heimatgeschichte lebendig.
Das Angelika-Kauffmann-Museum und das Heimatmuseum von Schwarzenberg sind in einem mehr als 450 Jahre alten Haus untergebracht. Das ehemalige Bauernhaus steht unter Denkmalschutz und wird auch Kleberhaus genannt. Es diente dem damaligen Schwarzenberger Bürgermeister Kleber als Wohnhaus. Da er keine Nachkommen hatte, ging das Haus Ende des 19. Jahrhunderts an die Gemeinde Schwarzenberg, die es ursprünglich als Armenhaus nutzte. Bereits im Jahr 1928 errichtete die Gemeinde darin ein Heimatmuseum.

Der ehemalige Wohntrakt des Gebäudes, der das Heimatmuseum beherbergt, blieb seither weitgehend unverändert. Die Räume vermitteln das alltägliche Leben in einem typischen, wenn auch wohlhabenden Bauernhaus. Auch einige Stücke, wie etwa Porzellan mit Bezug zu Angelika Kauffmann sind hier zu sehen. Im oberen Stock wird das Thema Schwabenkinder thematisiert, ein für Schwarzenberg wichtiges sozialgeschichtliches Kapitel. Hier wird das Leben der Kinder zu Hause und in der Fremde beleuchtet. „Unser Haus zeigt viele verschiedene Aspekte der Geschichte. Von regionalgeschichtlichen Themen bis hin zu Angelika Kauffmann, die auch viel mit der Schwarzenberger Geschichte zu tun hat und doch in die Welt hinauszog“, erläutert Museumsleiterin Marina Stiehle.
Zeitlebens mit Ort verbunden
Angelika Kauffmann (1741-1807) zählt zu den bedeutendsten Künstlerinnen ihrer Zeit. Geboren in Chur wurde Kauffmann von ihrem aus Schwarzenberg stammenden Vater Joseph Johann Kauffmann schon früh in der Malerei gefördert und feierte später große Erfolge in London und Rom. Nach dem Tod der Mutter 1757 zog Angelika mit ihrem Vater nach Schwarzenberg. In der Schwarzenberger Kirche sind noch heute von ihr gemalte Fresken der Apostel sowie ein Spätwerk, das Bild des Hochaltares zu sehen. Die Künstlerin blieb Schwarzenberg auch in der Ferne zeitlebens verbunden.

Im Jahr 2007 entstand das Angelika-Kauffmann-Museum und ein Verein zur Förderung des Museums wurde gegründet. Der Förderverein unterstützt das Museum finanziell und mit fachlicher Expertise. Im ehemaligen Stall wurde ein neues Gebäude eingezogen, das optimale klimatische und sicherheitstechnische Bedingungen für die wertvollen Ausstellungsstücke garantiert. Seither bietet das Museum jährlich eine Ausstellung zum Leben und Wirken der berühmten Malerin. Zu sehen sind Leihgaben von Museen und von Privatsammlern, darunter Ölgemälde und Druckgrafiken, Originalliteratur, Skizzen und Briefe. Gemeinsam mit dem Kurator erstellt das Museum wissenschaftliche Publikationen, welche die Ausstellungen begleiten. Den Jüngsten wird Angelika Kauffmann in einem Kinderbuch nähergebracht, das neben dem Leben der Künstlerin auch Begriffe wie Porträt oder Atelier vermittelt und durch Malaufgaben und Rätsel zum Mitmachen einlädt.

Da der alte Teil des Hauses nicht beheizbar ist, muss das Museum während der drei kältesten Monate geschlossen bleiben. In dieser Zeit finden Veranstaltungen der Gemeinde im Kunstraum statt, etwa „Schwarzenberg im Advent“. Außerdem wird jährlich für einige Wochen im Rahmen des „salon angelika“ zeitgenössische Kunst ausgestellt. Das Museum ist zudem ein wirtschaftlicher Faktor im Dorf und wird von Gästen gerne besucht. Kinderprogramme wie Reiseziel Museum oder die lange Nacht der Museen ziehen auch das heimische Publikum an.

Für Marina Stiehle ist das Haus längst eine Herzensangelegenheit: „Mir ist es ein großes Anliegen, dass wir das Haus noch lange behalten können. Ich glaube, dass ein Haus wie wir es führen sehr identitätsstiftend sein kann, gerade auch in Verbindung mit dem Heimatmuseum. Wir möchten unser Erbe für die Zukunft erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich machen.“ Zum 20-jährigen Jubiläum des Museums im kommenden Jahr ist auch ein Rückblick geplant, der die schönsten Highlights der letzten 20 Jahre aufzeigt.
Von Christine Moosmann-Hämmerle
Infos
Die aktuelle Ausstellung: „Erlesen. Angelika Kauffmann und die Literatur“ läuft noch bis 31. Oktober 2026. Sie widmet sich den literarischen Quellen, die Kauffmann für ihre Bilder nutzte, und zeigt dazu Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken, Bücher, Briefe, Skizzen und Ölstudien. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis
17 Uhr. Während der Schubertiade täglich geöffnet.
„Lebensraum Vorarlberg“ ist
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