Das Latschendrama mit Happy End

Diesen Sommer habe meinen ersten Bergurlaub absolviert. Zwischen Almen und schroff-grauen Felsenwänden haben Lieblingsmensch und ich den Duft der Natur genossen und uns auch bewegungstechnisch neu erfunden. Das Treppensteigen in unser Apartment nach vollbrachter Wanderung hat uns ungeschönt gezeigt, dass unsere Muskulatur nur für den aufrechten Gang vom Küchentisch zur Couch ausgelegt ist. Die neue Bewegungsfreude quittierte diese nämlich mit einem kräftigen Muskelkater in Waden und Oberschenkeln. Vor allem nach unserem ersten, hochmotivierten Wanderausflug am Rüfikopf in Lech.
Mit der Gondel ging es auf 2.350 Meter. Oben angekommen gönnten wir unseren Gliedmaßen eine Aufwärmrunde und wanderten auf den Spuren des Urzeitmeeres. Begeistert von der gewaltigen Aussicht und der Stille, die nur vom Fiepsen der Murmeltiere unterbrochen wurde, beschlossen wir, den Berg noch länger zu genießen und zu Fuß hinunterzugehen.
Herr Lieblingsmensch marschierte voller Tatendrang vorneweg, ich mit Freude über meinen vermeintlich unfassbar fitten Körper hinterher. Nach einer Stunde Abstieg im – ich schwöre – rechten Winkel lösten sich zeitgleich beide Sohlen meiner Wanderschuhe. Jeder Schritt fühlte sich nun an, als wäre ich mit Badeschlapfen eines asiatischen Billigherstellers unterwegs. Zwanzig Minuten später verabschiedeten sich beide Sohlen endgültig. Von da an balancierte ich sohlenlos über Wurzeln und Steine.
Lieblingsmensch grummelte inzwischen durch die Latschen den serpentinenartigen Stolperpfad hinunter: „Des hört jo nia uf! Dia Hüser do dun kommend ka biz nöher!“ Die gefühlten 57 Grad Außentemperatur trugen auch nicht gerade zur allgemeinen Heiterkeit bei. Ich rutschte – still leidend, Frau will sich ja keine Blöße geben – sohlenlos den Berg hinunter, während sich Herr Lieblingsmensch von einem Latschenschatten zum nächsten hantelte.
Irgendwann – etwa vier Stunden später – kamen wir tatsächlich an. „Also morga mach i sowas nüm!“, stellte Lieblingsmensch fest, während er sich wenig behände auf einen Stuhl sinken ließ und zum Rüfikopf hinaufblickte. Da saßen wir: erschöpft, müde, durstig.
Fünfzehn Minuten später, nach einer ehrfürchtigen Stille, in der wir in unsere Körper hineinhorchten, um zu klären, ob sie uns weiterhin durchs Leben tragen konnten, stand fest: „Aber es war scho irgendwie richtig lässig!“
Am nächsten Tag holte ich mir neue Schuhe. In die Bergwelt hatten wir uns längst verliebt.