Es braucht nicht viel – die richtigen Worte

Anfang der Woche meinte mein Unterleib, mich mittels erheblicher Schmerzen darauf aufmerksam machen zu müssen, dass er noch existiert und infolgedessen eine gewisse Unsicherheit darüber aufkeimte, was genau da eigentlich in mir vor sich ging.
Wen fragt man in so einer Situation – außer Dr. Google? Selbstverständlich den Hausarzt. Der war allerdings nicht da, und auch jener Facharzt, in dessen Zuständigkeitsbereich mein Leiden möglicherweise gefallen wäre, befand sich im wohlverdienten Entspannungsurlaub.
Nun denn, es gibt ja noch die 1450: die Gesundheitshotline, die Übersprungshandlungen verhindern und damit auch die Spitalsambulanzen entlasten soll. Die freundliche Ärztin am Telefon ging sämtliche Symptome mit mir durch und kam schließlich zu einem eindeutigen Schluss: ab ins Spital. Na wunderbar, das habe ich gerade noch gebraucht. Aber ich mag auch nicht mit meiner Gesundheit spielen und hörte auf den Rat.
Die Person bei der Anmeldung fragte mich, was ich denn habe und ich gab bereitwillig Auskunft. Ob ich denn wisse, welcher Abteilung mein Leiden zuzuordnen sei, denn eine davon wäre in diesem Spital nicht ansässig. Ich entschuldigte mich und erklärte, dass ich das leider nicht einordnen könne. „Dann denken Sie einmal darüber nach und melden sich anschließend mit der E-Card an.“
Nun ja – das war sicher nicht böse gemeint, aber: Selbst mit sehr viel Nachdenken und intensivem In-mich-Hineinhorchen hätte ich nicht feststellen können, ob meine Blase, meine Frauenorgane, mein unterer Verdauungstrakt oder vielleicht doch ein kaputter Rücken diese Schmerzen verursachten. Als Patientin kann man sich eher selten eine zuverlässige Selbstdiagnose stellen. Ein entzündeter Blinddarm kann sich wie Regelschmerzen anfühlen, ein verdrehter Eierstock wie ein heftiges Magenproblem mit Erbrechen.
Ein Satz wie: „Haben Sie die Möglichkeit, ins nächste Spital zu gelangen? Dort kann man Sie diesbezüglich besser untersuchen als bei uns. Brauchen sie ein Taxi, oder ist jemand bei Ihnen?“ wäre – glaube ich – eine geschicktere Wortwahl gewesen.
Da ich in meiner damaligen Situation nicht bereit war, all das höflich auszuformulieren, ging ich wieder, setzte mich ins Taxi und ließ mich in ein anderes Krankenhaus bringen – begleitet von einem wirklich netten kleinen Gespräch mit der Taxifahrerin. Manchmal braucht es gar nicht viel – nur passende Worte – damit sich jemand in einer unangenehmen Situation ein bisschen besser aufgehoben fühlt.