_Homepage

Rönsberghof in Schlins: Drei Generationen, ein Hof

25.10.2026 • 15:00 Uhr
Rönsberghof in Schlins: Drei Generationen, ein Hof
Erich Sonderegger und Bianka Hartmann bewirtschaften gemeinsam den Rönsberghof in Schlins. Hartinger

Auf dem Rönsberghof in Schlins leben drei Generationen unter einem Dach.

Auf dem Rönsberghof in Schlins ist immer etwas los, denn hier leben drei Generationen unter einem Dach. Die Patchworkfamilie von Bianka Hartmann (45) und Erich Sonderegger (57) besteht aus dem Paar und insgesamt neun Kindern. Die erwachsenen Kinder sind bereits ausgezogen, auf dem Hof sind Bianka und Erich mit Melina (17), Ramona (16), Pascal (14), Sophia (8) und Rosalie (7) zu Hause. Auch Erichs Vater Werner (85) und sein Onkel Engelbert (95) leben auf dem Bauernhof. Die Familie bewirtschaftet gemeinsam 33 Hektar Wiesen und Weiden sowie fünf Hektar, auf denen Futtermais angebaut wird. Hier betreibt sie einen Milchviehbetrieb mit Nachzucht, aktuell haben sie 52 Milchkühe und 40 Jungtiere. Während die Milchkühe das ganze Jahr über auf dem Bauernhof sind, verbringt das Jungvieh den Sommer auf der Alp.

Rönsberghof in Schlins: Drei Generationen, ein Hof
Auch die Pferde gehören zum Leben auf dem Rönsberghof: Bianka Hartmann und Erich Sonderegger teilen ihre Leidenschaft für die Landwirtschaft und die Tiere.

Leidenschaft für die Landwirtschaft

Während sich Bianka Hartmann als Quereinsteigerin bezeichnet, wuchs ihr Mann Erich auf dem elterlichen Hof auf und somit von klein auf in die Landwirtschaft hinein. Gemeinsam mit Bianka führt er den Hof bereits in dritter Generation. Er machte zunächst eine Ausbildung zum Mechaniker und übernahm den elterlichen Betrieb in den 1990er Jahren. In dieser Zeit erweiterte er den bestehenden Stall und errichtete einen Laufstall. Die gelernte Bürokauffrau kam vor zehn Jahren der Liebe wegen auf den Bauernhof und erlernte den Beruf der Bäuerin, der bald zur Berufung wurde, von Grund auf. Sie erinnert sich an die Anfangszeit auf dem Hof: „Ich habe hier vieles einfach erst mal ausprobiert. Dabei bin ich darauf gekommen, dass das meine Leidenschaft ist und ich die Arbeit sehr gern mache.“ Auch ließen sich als Landwirtin Beruf und Familie gut miteinander vereinbaren. Dies sei besonders mit kleinen Kindern ein Vorteil.

Ein eigener Traktor zum Geburtstag

Um ihren Mann bei der Arbeit besser unterstützten zu können, machte sie den Traktor- und den Anhängerführerschein. Mittlerweile ist das Traktor-fahren eine ihrer Lieblingstätigkeiten: „Ich fahre sehr gerne mit dem Traktor, das macht mir am meisten Spaß“, erzählt die gebürtige Dünserin. So verwundert es auch nicht, dass sie zu ihrem 43. Geburtstag einen Traktor geschenkt bekam. Doch nicht nur das Fahren mit schwerem Gerät bereitet ihr Freude, auch der Umgang mit den Tieren ist eine erfüllende Tätigkeit. Sehr schön sei es, mitzuerleben, wenn eine Kuh ein Kälbchen auf die Welt bringt und dieses dann beim Aufwachsen zu begleiten.

Rönsberghof in Schlins: Drei Generationen, ein Hof
Traktorfahren gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen von Bianka. Zu ihrem 43. Geburtstag bekam die Bäuerin sogar einen eigenen Traktor geschenkt.

Vor fünf Jahren investierte die Familie in einen Melkroboter. Das sei eine enorme Erleichterung gewesen, berichtet Bianka und habe ihr zu viel mehr Flexibilität verholfen, vor allem damals, als ihre Kinder noch klein waren. Die Aufgaben auf dem Hof sind aufgeteilt: Bianka kümmert sich um die Melkerei, Erich übernimmt das Futtter. Die Außenwirtschaft erledigt das Paar gemeinsam. So hat jeder seine Aufgaben und trotzdem kann man sich aufeinander verlassen und zieht gemeinsam an einem Strang. Beim Heuen, Zäunen und Viehtreiben helfen die Kinder mit. „Einen Hof führen kann man nur miteinander. Da muss die ganze Familie zusammenhelfen“, ist die Mutter von sechs Kindern überzeugt. Wenn ein großes Stück Wiese eingezäunt werden müsse, oder auch beim Heuern ist man froh über jede helfende Hand. Sie wünscht sich, dass ihre Arbeit mehr Wertschätzung erfährt – auch was das Preis-Leistungs-Verhältnis betrifft. Denn nur, wenn die Landwirtschaft wirtschaftlich rentabel bleibt, kann auch die jüngere Generation dazu motiviert werden, einen Hof zu übernehmen.

Rönsberghof in Schlins: Drei Generationen, ein Hof
Mit viel Liebe kümmert sich Bianka Hartmann um die Tiere auf dem Rönsberghof.

Urlaub ist für die Bauernfamilie eine Seltenheit

Dass ein landwirtschaftlicher Betrieb viel Einsatz verlangt, zeigt sich auch beim Thema Urlaub. Nach drei Jahren fuhr die Familie diesen Sommer wieder einmal auf Urlaub. Dies war nur möglich, weil sich ein Freund der Familie derweil um den Hof kümmerte, wofür er extra eine Woche Urlaub nahm. Für Bianca Hartmann ist Urlaub aber auch, wenn sie Zeit für ihre Kinder hat. Die Kinder müssen schon in jungen Jahren flexibel und selbständig sein, da sie viel Zeit draußen auf den Feldern und im Stall verbringt.

Rönsberghof in Schlins: Drei Generationen, ein Hof
Ein seltener Moment der Ruhe: Bianka und Erich vor der gemütlichen Hofkulisse.

Zusätzlich zu ihrer Arbeit auf dem Hof engagiert sich die Landwirtin als Ortsbäuerin von Schlins und seit zwei Jahren als Gebietsbäuerin des Oberlands, das sieben Gemeinden umfasst. Dabei kümmert sie sich vor allem um die Öffentlichkeitsarbeit. Zu ihren Aufgaben gehört, den Menschen die Tätigkeiten von Bäuerinnen bei Veranstaltungen und über Social-Media-Kanäle näherzubringen. Anfangs sei dies schon eine Herausforderung gewesen, erzählt sie, doch mit der Zeit wachse man in die Aufgaben hinein. Sie freut sich über das ihr entgegengebrachte Vertrauen der Landwirtinnen: „Für mich war das eine große Wertschätzung, dass ich zur Gebietsbäuerin gewählt wurde. Besonders auch deshalb, weil ich damals noch nicht so lange in der Landwirtschaft tätig war.“ Die Bäuerinnen bereiten für verschiedene Veranstaltungen Jause, Kuchen und Kaffee vor. Derzeit findet ein Aktionstag in mehreren Volksschulen statt, bei dem die Landwirtinnen eine gesunde Jause für die Kinder zubereiten und ihnen erklären, woher die Lebensmittel kommen und was zum Beruf einer Bäuerin gehört. Manchmal bekommt der Rönsberghof Besuch von der örtlichen Volksschule und vom Kindergarten – auch das ist eine Möglichkeit für Bianka, den Jüngsten das Leben auf dem Bauernhof näherzubringen und ihre Freude daran mit ihnen zu teilen.

Christine Moosmann-Hämmerle