Schon mehr als 820 Todesopfer bei Erdbeben in Marokko

Bei einem schweren Erdbeben in Marokko sind mindestens 820 Menschen ums Leben gekommen. Österreicher wurden laut Außenministerium nicht verletzt. Wirtschaftsminister Kocher verschiebt geplante Marokko-Reise.
Bei einem schweren Erdbeben in Marokko sind mindestens 820 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 150 Verletzte wurden zur Behandlung in Krankenhäuser gebracht. Die meisten Schäden seien außerhalb der Städte entstanden. Bilder und Videos aus sozialen Netzwerken zeigen zerstörte Gebäude in Städten und auf den Straßen sitzende Menschen. Medienberichten zufolge wurden auch historische Wahrzeichen beschädigt.
Die US-Erdbebenwarte USGS teilte mit, das Beben habe eine Stärke von 6,8 gehabt und sich in einer Tiefe von 18,5 Kilometern gut 70 Kilometer südwestlich von Marrakesch und 60 Kilometer nordöstlich der Stadt Taroudant ereignet. Das Epizentrum habe im Atlasgebirge gelegen. Das Geofon des Helmholtz-Zentrums Potsdam gab die Stärke des Bebens mit 6,9 an. Kurze Zeit später meldete die US-Behörde ein Nachbeben der Stärke 4,9.
Erdbeben in der Region eher selten
Laut Augenzeugenberichten löste das Erdbeben in Marrakesch, Agadir und anderen Städten bei Bewohnern Panik aus. Wie die Zeitung “Le Matin” berichtete, war das Beben auch in Rabat und Casablanca zu spüren.
Marokkaner posteten Videos, auf denen zu Schutt zerfallene Gebäude und beschädigte Teile der berühmten roten Mauern zu sehen sind, die die Altstadt von Marrakesch umgeben – ein Unesco-Weltkulturerbe. Andere Videos zeigen schreiende Menschen, die Restaurants in der Stadt verließen. Das Beben war Berichten zufolge auch in Portugal und Algerien zu spüren.

Nasser Jabour, Leiter einer Abteilung des Nationalen Instituts für Geophysik, bestätigte, dass die Nachbeben weniger stark seien. Das Beben sei in einem Umkreis von 400 Kilometern zu spüren gewesen, sagte er der marokkanischen Nachrichtenagentur MAP. Es sei das erste Mal seit einem Jahrhundert, dass ein derart starkes Erdbeben in Marokko registriert worden sei.
Erdbeben in Nordafrika sind relativ selten. 1960 hatte sich laut dem Sender Al Arabiya in der Nähe von Agadir ein Beben der Stärke 5,8 ereignet, bei dem Tausende Menschen ums Leben kamen.
EU bot Hilfe an
Die Europäische Union hat indes Marokko Hilfe angeboten. “Die EU ist bereit, Marokko in diesen schwierigen Momenten zu unterstützen”, schrieb EU-Ratspräsident Charles Michel am Samstagmorgen via X (Twitter). Die Nachrichten aus dem Land seien schrecklich. Er sei in Gedanken bei allen, die von der Tragödie betroffen seien, und bei den Rettungskräften. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen äußerte ebenso ihr Mitgefühl. Sie sei angesichts des schrecklichen Erdbebens mit ganzem Herzen beim marokkanischen Volk, teilte die deutsche Spitzenpolitikerin mit.
Hilfsmission aus Österreich noch offen
Informationen über Betroffene aus Österreich lägen derzeit nicht vor, teilte das Außenministerium der APA am Samstagvormittag mit. Aktuell seien jedoch rund 30 Personen reiseregistriert, hieß es weiter. Laut Ministerium befinden sich aktuell rund 215 Auslandsösterreicherinnen und Auslandsösterreicher in Marokko. “Sie wurden noch in der Nacht per SMS und Email kontaktiert und werden aktuell von der Botschaft durchgerufen”, sagte eine Sprecherin.
Ob Österreich eine Hilfsmission schickt, sei derzeit noch offen. Die Bundesregierung sei “selbstverständlich bereit, Marokko bestmöglich zu unterstützen”, wurde mitgeteilt. Hilfsersuchen sei jedoch noch keines eingelangt. Man sei diesbezüglich in Abstimmung mit den Partnernationen in der EU.
Kocher sagt Reise ab
Das Außenministerium drückte in diesem Zusammenhang auch seine Betroffenheit über das Beben aus. “In diesen schweren Stunden sind unsere Gedanken bei den Betroffenen, ihren Familien und den Rettungskräften.” Zudem wurde mitgeteilt, dass Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) seine von Sonntag bis Dienstag geplante Reise nach Marokko verschieben werde.
Rotes Kreuz bittet um Spenden
Das österreichische Rote Kreuz rief am Samstag zu Spenden für die Erdbebenregion auf. “Verletzte und Menschen, die alles verloren haben, brauchen jetzt rasch Hilfe”, appellierte Präsident Gerald Schöpfer. Der Marokkanische Roter Halbmond unterstütze bereits mit Erster Hilfe, Psychosozialer Unterstützung und mit Evakuierungs- und Transportunterstützung, hieß es in einer Aussendung.