Kärnten

Drogengarage bei Polizeieinsatz ausgehoben

07.07.2023 • 13:17 Uhr
LKA-Chef Gottlieb Türk (links) und Wolfgang Rauchegger, stellvertretender Landespolizeidirektor, bei der Pressekonferenz
LKA-Chef Gottlieb Türk (links) und Wolfgang Rauchegger, stellvertretender Landespolizeidirektor, bei der Pressekonferenz APA/GERT EGGENBERGER

Drei Tage führten Hunderte Polizeibeamte in Villach und Feldkirchen Razzien im Drogen- und Rotlichtmilieu durch: Neun Personen, sieben davon rumänische Staatsbürger, wurden festgenommen. Ermittlungen gehen weiter.

“Nein, die Polizei hat nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen!” Mit dieser unerwarteten Aussage ließ Gottlieb Türk, Chef des Landeskriminalamtes, zum “größten kriminalpolizeilichen Einsatz, den wir je in Kärnten hatten” aufhorchen.

Von Montag bis Mittwoch waren täglich 200 Polizisten verschiedener Einheiten im Einsatz. In den Bezirken Villach-Stadt, Villach-Land und Feldkirchen durchsuchten sie 25 Wohnungen, Gastlokale und zwei Saunaklubs. Die Bilanz: Neun Festnahmen, 750 Gramm sichergestelltes Kokain (Verkaufswert rund 70.000 Euro), weitere Drogen, rund 57.000 Euro Bargeld, teilweise verbotene Waffen und zwei beschlagnahmte Autos, die vermutlich aus dem Drogenverkauf finanziert worden sind.

Verdächtige gewarnt?

“Diese Bilanz ist eine vorläufige”, stellte Türk am Donnerstag klar. Die Ermittlungen stünden erst am Beginn. Dass es diese Pressekonferenz überhaupt schon gegeben hat, hängt auch mit den Berichten (vor allem in sozialen Medien) und den Spekulationen über den Einsatz zusammen, so Türk und der stellvertretende Landespolizeidirektor Wolfgang Rauchegger. “Es ist gut möglich, dass dadurch auch Verdächtige gewarnt wurden”, sagt Türk.

Ausgangspunkt für die “Operation Draga”, so die polizeiinterne Bezeichnung für die Aktion, waren verschiedene Amtshandlungen in der Villacher Suchtgiftszene. Vor einigen Monaten haben sich die Hinweise auf organisierten Drogenhandel verstärkt, ausgehend von der Stadt Villach und mehreren rumänischen Staatsbürgern. Im Laufe der Ermittlungen seien Geldwäsche, illegale Prostitution, Zuhälterei und der Verdacht auf kriminelle Vereinigung hinzugekommen. Daher habe man sich für diese Polizeiaktion entschieden, so Türk. Um die Szene aufzubrechen, möglichst viele Verdächtige zu erwischen und um Stärke zu zeigen. “Selbstverständlich ist es auch darum gegangen, die eingesetzten Beamten zu schützen.”

Kontaktlose Drogengeschäfte

Die Szene war gut und professionell organisiert, wie der “Fund” einer Art Drogengarage in Villach zeigt: Diese wurde von den Dealern eigens angemietet, um kontaktlos Geschäfte machen zu können, erklärt Türk. Kunden hinterlegten dort das Geld und nahmen die Drogen mit, ohne die Verkäufer gesehen zu haben.

Dass man, bis auf eine Ausnahme, tagsüber, schwer bewaffnet durch Villach marschiert und Wohnungen durchsucht habe, hat den Grund, dass “diese Verdächtigen nachts nicht zu Hause sind, sondern ihren Geschäften nachgehen”, so Türk. Sieben der neun Festgenommenen sind rumänische Staatsbürger, sechs Männer und eine Frau. Einer von ihnen soll als Taxifahrer Kunden mit Kokain beliefert haben. Festgenommen wurden auch eine Österreicherin und ein Italiener, dieser bei der Einreise nach Österreich. Die Beschuldigten gehören zur “mittleren Struktur” eines größeren Dealer-Netzwerkes, sie sind teilweise geständig.

Wohnanlage kontrolliert

Zugleich kontrollierte das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) in einem großen Wohnkomplex in Villach 106 Wohnungen. Laut Türk wurde dabei eine Person festgenommen und “es gab unzählige Anzeigen” sowie zahlreiche Bescheide, die zu “aufenthaltsbeendenden Maßnahmen” führen.

Was den Verdacht der Zuhälterei betrifft, haben die Ermittler mehrere der insgesamt 200 Sexdienstleisterinnen aus zwei Saunaklubs im Visier. “Hier besteht der Verdacht, dass im Hintergrund Männer aktiv waren”, so Türk.